Steigende Temperaturen und der Eintrag von Nährstoffen stellen eine große Gefahr für die Ostsee als Lebensraum, aber auch als Wirtschaftsraum dar. Ein Landwirt, der sich durch eine Reihe von Maßnahmen um den Schutz der Ostsee verdient macht, ist Axel Böttcher vom Gut Groß Voigtshagen.

Laut Nitratbericht 2020 der Bundesregierung sind die deutschen Ostseegewässer vollständig eutrophiert, also überversorgt mit Nährstoffen. Über Flüsse in die Ostsee gespülte Düngemittel wie Nitrat und Phosphat fördern das Massenwachstum von Algen und Bakterien. Sterben diese ab, werden sie von Sauerstoff-zehrenden Bakterien am Meeresgrund zersetzt. Es entstehen sauerstofffreie, tote Bodenzonen. Die Nährstoffeinträge müssen also sinken. Sie tun dies zwar leicht, doch sind 826.000 Tonnen Stickstoff und 30.900 Tonnen Phosphor immer noch zu viel. Auch die Erderhitzung setzt der Ostsee stark zu. Mitte Juli 2021 wurden in Finnland über 25 Grad Wassertemperatur gemessen – Temperaturen die man sonst vom Mittelmeer kennt.

Beides zusammen – steigende Temperaturen und der Eintrag von Nährstoffen stellen eine große Gefahr für die Ostsee als Lebensraum, aber auch als Wirtschaftsraum dar. In dem warmen Wasser vermehren sich sogenannte Cyanobakterien, die für Menschen und Tiere gefährlich sein können. Die Nährstoffe befördern das Wachstum von Algen. Die Algen wiederum verbrauchen Sauerstoff und Licht und in der Folge gerät das Meeresökosystem durcheinander. Die Zusammensetzung des Planktons verändert sich, Bodentiere sterben und auch bestimmte Wasserpflanzen geraten in Bedrängnis.

Axel Böttcher ist Ostsee-Landwirt des Jahres 2021

Der Betrieb des Ostsee-Landwirts 2021: Gut Groß Voigtshagen © Claudia Nir / WWF
Der Betrieb des Ostsee-Landwirts 2021: Gut Groß Voigtshagen © Claudia Nir / WWF

Ein Landwirt, der sich durch eine Reihe von Maßnahmen um den Schutz der Ostsee verdient macht, ist Axel Böttcher. Für diese Bemühungen zeichnet der WWF Axel Böttcher und sein Team vom Gut Groß Voigtshagen als „Ostseelandwirt des Jahres 2021“ aus.

Zum Zustand der Ostsee sagt Böttcher: „Wenn man in und mit der Natur arbeitet und solch ein bedeutendes Gewässer wie die Ostsee, der wir hier im Klützer Winkel übrigens das Hochertrags-Klima verdanken, quasi vor der Tür hat, dann interessiert man sich automatisch dafür. Wir wissen, dass die Landwirtschaft nicht die einzigen Einleiter ist. Wir wissen aber auch, dass wir durch die Stickstoff- und Phosphor-Düngung unseren Anteil an der Eutrophierung haben. Auch wenn sich laut HELCOM-Bericht von 2019 die Nähstofffrachten in die Ostsee verringert haben, ist es weiterhin unser Bestreben, noch besser zu werden."

„Wir freuen uns über diese Auszeichnung und nehmen sie mit Stolz entgegen. Es ist schön, dass der WWF uns als konventionellen Betrieb auszeichnet für unsere Bemühungen, Ökologie und Ökonomie erfolgreich zu verbinden. Wir sehen das auch als Auszeichnung für viele andere Betriebe, die sich gleichermaßen engagieren“.

Axel Böttcher, Ostsee-Landwirt des Jahres 2021

Der Betrieb des Ostsee-Landwirtes 2021

Familie Böttcher © Claudia Nir / WWF
Familie Böttcher © Claudia Nir / WWF

Der Betrieb Gut Groß Voigtshagen gehört zur Stadt Dassow im Landkreis Nordwestmecklenburg, etwa sieben Kilometer von der Ostsee entfernt. Geographisch befindet sich der Betrieb in einer für die Region typischen Endmoränenlandschaft. Der maritime Klimaeinfluss der Ostsee in Verbindung mit den ertragsstarken Böden und der günstigen Niederschlagsverteilung schafft beste ackerbauliche Voraussetzungen.

Erste Erwähnung fand der Betrieb als „Indagio Aduocati“ 1230 im Razeburger Zehntenregister. Seit 2001 ist Gut Groß Voigtshagen in Familienbesitz der Familie Graf von Nesselrode.

Gut Groß Voigtshagen bewirtschaftet 806 Hektar Acker- und Grünland und 300 Hektar Forst im konventionellen Anbau. Es werden auf 198 Hektar Wintergerste, 174 Hektar Winterraps, 165 Hektar Winterweizen, 106 Hektar Silomais, 85 Hektar Ackerbohnen und 24 Hektar Sommergerste angebaut. Bracheflächen nehmen 25 Hektar ein, davon 12,5 Hektar Bienenweide und 13 Hektar Mähweide.

Ein hoher Grad an Digitalisierung zeichnet den Betrieb des Ostsee-Landwirts 2021 aus

Biomassekarten beim Ostsee-Landwirt des Jahres 2021 © Claudia Nir / WWF
Biomassekarten beim Ostsee-Landwirt des Jahres 2021 © Claudia Nir / WWF

Der Betrieb zeichnet sich insbesondere durch einen hohen Grad an Digitalisierung aus, der eine Effizienzsteigerung bei der Düngung, beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln und der Aufwandmenge von Saatgut ermöglicht. Die Düngemenge im Frühjahr für Raps wird anhand der Blattmasse zum Vegetationsende berechnet, welche Rückschlüsse auf die Stickstoffaufnahme im Herbst liefert. Diese wird im Frühjahr bei der Bedarfsermittlung abgezogen.

Die Blattmasseerfassung erfolgt durch die Auszählung der Pflanzen pro Quadratmeter, die Ermittlung der Frischmasse und die Anzahl der Blätter woraus der Biomasseindex errechnet.

Die Biomassekarten, die durch eigene, zeitnahe Drohnenüberflüge erstellt werden, dienen somit als sehr gute „Datengrundlage“ für die Bemessung von Saatstärken und von Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen. So gelingt es dem Betrieb, ein niedriges Stickstoffsaldo und somit eine geringere Gefahr der Nährstoffauswaschung zu erreichen.

Die Jury für den Preis „Ostsee-Landwirt:in 2021“

  • Dr. Susanne Werner (Bauernverband Schleswig-Holstein e.V.)
  • Ralf Benecke (Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.)
  • Dr. Herwart Böhm (Thünen-Institut für Ökologischen Landbau)
  • Dr. Reinhold Stauß (im Ruhestand, ehemals Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein)
  • Carolina Wegner (Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern)
  • Michael Berger (WWF Deutschland)

Seit 2009 vergibt der WWF den Preis der:des besten Ostsee-Landwirt:in. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert; und für den oder die Gewinner:in besteht die Chance, im internationalen Wettbewerb 10.000 Euro zu gewinnen.  

Die Ostsee-Landwirt:innen der vergangenen Jahre