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Stand: 13.09.2019

Mate-Tee aus dem atlantischen Regenwald

Im atlantischen Regenwald in der Projektregion Alto Paraná in Paraguay setzt der WWF das MATE-Projekt um, das eine naturnahe Art der Landwirtschaft anstrebt, die an die Folgen des Klimawandels angepasst ist, um die weitere Abholzung zu verhindern und Lebensbedingungen für die Bauern und Bäuerinnen vor Ort zu verbessern.

Der atlantische Regenwald © Pedro Ferreira
Der atlantische Regenwald © Pedro Ferreira

Die Region

Der atlantische Regenwald erstreckt sich entlang der Ostküste Brasiliens bis nach Paraguay und Argentinien. Er ist eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt und beherbergt fast sieben Prozent aller Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen kommen nur hier vor und sind vom Aussterben bedroht. Zu den besonders gefährdeten Arten zählt der Jaguar, der große zusammenhängende Waldbereiche benötigt. Umso wichtiger ist es, die noch vorhandenen Waldflächen zu erhalten.

Zerstörung des Waldes durch Sojaanbau und Viehzucht © Lucas Mongelos
Zerstörung des Waldes durch Sojaanbau und Viehzucht © Lucas Mongelos

Die Bedrohung

Der atlantische Regenwald umfasste einst mehr als 1 Millionen km². Allerdings wurde die Fläche mit der Zeit extrem reduziert. Mehr als 90 Prozent des Waldes wurden im 20. Jahrhundert abgeholzt, um Platz zu schaffen für großflächige Landwirtschaft zur Soja- und Fleischproduktion. Der atlantische Regenwald ist heute einer der am stärksten bedrohten tropischen Wälder. Durch die Abholzung werden lokale Wasserkreisläufe durcheinandergebracht. Die einseitige landwirtschaftliche Bewirtschaftung hat starke Bodenerosionen zur Folge. Der atlantische Regenwald galt als einer der artenreichsten der Erde.

 

Die verbleibenden Gebiete weisen auch heute noch einen ungeheuren Reichtum an Pflanzen- und Tierarten auf. So ist es besonders wichtig, dass übrig gebliebenen Waldstücke geschützt und erhalten bleiben. Die erhöhte Nachfrage nach Anbauflächen hat dazu geführt, dass Kleinbauern und -bäuerinnen, die mit ihren Familien das Land in und um den Wald bewirtschafteten, darauf angewiesen sind, ihr Land zu verpachten, um zu überleben.

 

Nicht wenige besitzen außerdem keine gültigen Landrechte und müssen ihr Land an die großen Sojaproduzenten abgeben. So gibt es nur noch wenige Kleinbauern in der Region. Diese leben am Existenzminimum.

Mate-Setzlinge in der Baumschule © Pedro Ferreira
Mate-Setzlinge in der Baumschule © Pedro Ferreira

Das tut der WWF

Um die weitere Abholzung zu verhindern und Lebensbedingungen für die Bauern und Bäuerinnen vor Ort zu verbessern, wurde das MATE-Projekt entwickelt. Die Projektregion liegt im atlantischen Regenwald im Verwaltungsbezirk Alto Paraná in Paraguay an der Grenze zu Brasilien. Die teilnehmenden Gemeinden liegen in den Distrikten Raúl Peña, Tavapy und Ñacunday.

 

Der in Paraguay heimische Mate-Baum spielt im Projekt eine besondere Rolle. Durch Aufbau von Agroforstsystemen werden naturnahe Systeme geschaffen und degradierte Flächen wieder nutzbar gemacht. Dabei wird der Mate-Baum zusammen mit anderen heimischen Baumarten angebaut. Unter den Bäumen werden noch weitere Pflanzen wie Maniok oder sogar Melonen gepflanzt. Die Bäume und Pflanzen profitieren voneinander. Sie spenden sich gegenseitig Schatten oder reichern den Boden mit Nährstoffen an. Derartige Systeme bringen viele weitere Vorteile.

Sie sind widerstandsfähiger, können Kohlenstoff binden und nutzen Ressourcen wie Wasser, Licht und Nährstoffe effizienter. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern vor Ort eine naturnahe Art der Landwirtschaft zu schaffen, die an die Folgen des Klimawandels angepasst ist. Gleichzeitig soll auch die Lebensgrundlage der Bevölkerung sichergestellt werden. Daher wird der produzierte Tee auf dem lokalen Markt verkauft. Wir verfolgen außerdem das Ziel, den Tee nach Deutschland zu verkaufen, da die Landwirtinnen und Landwirte hierzulande deutlich höhere Preise erzielen könnten.

Getrockneter Mate-Tee © Pedro Ferreira
Getrockneter Mate-Tee © Pedro Ferreira

Zudem will der WWF die ausreichende Ernährung der Gemeinden sicherstellen. Viele der Familien leben am Existenzminimum und ernähren sich sehr einseitig, beispielsweise nur von Maniok und Mais, was langfristig eine Mangelernährung zur Folge hat. Im Projekt wurden daher Gemüsegärten für die Gemeinden angelegt, in denen unter anderem Salat, Tomaten, Gurken, Paprika und Kürbisse angebaut werden. Ein Teil der Ernte verbleibt für den Eigenbedarf, der Rest wird auf dem lokalen Markt verkauft.

 

Für all diese Themen zu nachhaltiger Landwirtschaft, Landrechten und Marktzugang erhalten die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Schulungen durch Experten. Ein Fokus des Projektes liegt insbesondere in der Förderung von Frauen als selbstständige Unternehmerinnen.

 

Um den produzierten Mate-Tee zu vertreiben, haben die Bäuerinnen und Bauern zahlreiche innovative Ideen. Seit kurzem verarbeiten sie die getrockneten Blätter zu einem feinen Pulver und verwenden es zur Herstellung feiner Kuchen und Kekse. Durch diesen weiteren Verarbeitungsschritt können sie auch auf dem lokalen Markt höhere Preise erzielen.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

   
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