WWF Deutschland

https://www.wwf.de/


Content Section

Stand: 02.08.2018

Standard zur Ernährungssicherung

Es besteht breiter Konsens darüber, dass der Sicherstellung des Menschenrechts auf Nahrung absolute Priorität bei der Produktion und Nutzung von Agrarrohstoffe eingeräumt werden muss. Verschiedene Akteure plädieren seit Jahren dafür, Ernährungssicherung in den Nachhaltigkeitsanforderungen für Biomasse aufzunehmen. Trotzdem ist es bisher nicht gelungen, entsprechende Kriterien in praktikabler Form in Nachhaltigkeitsstandards zu integrieren.

Pilotumsetzung in Malaysia © FSS Project (WWF / WHH- / ZEF)
Pilotumsetzung in Malaysia © FSS Project (WWF / WHH- / ZEF)

Werden wir die Weltbevölkerung in den nächsten 30 Jahren ernähren können?

Heutige Prognosen gehen davon aus, dass 2050 rund neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern werden. Das globale Bevölkerungswachstum und die sich verändernden Ernährungsgewohnheiten werden die weltweite Nahrungsmittelnachfrage stetig wachsen lassen und verändern. Experten schätzen, dass die weltweite Fleischproduktion 2050 auf etwa 465 Millionen Tonnen ansteigen wird. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Rohstoffen für Bioenergie. Das erhöht zusätzlich den Druck auf die Flächen. Die Antwort hierauf ist eine zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft, gekennzeichnet durch einen erhöhten Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern. In deren Folge werden die bereits existierenden Umweltauswirkungen noch gravierender.

 

Auf der anderen Seite produzieren wir aktuell schon mehr als genug Nahrungsmittel. In Kalorien ausgedrückt ernten Landwirte heute weltweit etwa ein Drittel mehr, als für die Versorgung der Menschen notwendig ist. Dennoch hungern fast eine Milliarde Menschen. Über 80 Prozent der Hungernden leben auf dem Land, viele davon in Staaten, die Agrarrohstoffe für den internationalen Markt produzieren. Ihr Zugang zu Boden, Wasser und Produktionsmitteln, zu sozialer Mindestabsicherung und Bildung entscheidet in erster Linie darüber, ob sich das Menschenrecht auf ausreichende und nahrhafte Nahrung verwirklicht.

Der Food Security Standard - das FSS-Projekt

Der WWF Deutschland setzt sich dafür ein, dass Zertifizierungssysteme in ihren Mindeststandards die Sicherstellung des Menschenrechts auf Nahrung aufnehmen. Als Partner des Kooperationsprojektes „Umsetzung der Ernährungssicherungskriterien im Rahmen von Biomasse-Nachhaltigkeitsstandards“ (FSS | Project) arbeitet der WWF mit der Welthungerhilfe und dem Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF) an der Erprobung der Ernährungssicherungskriterien im Rahmen von Nachhaltigkeitszertifizierung für verschiedene Agrarrohstoffe in sechs Ländern in Afrika, Lateinamerika und Asien. Darauf basierend werden Handlungsleitfäden für Auditoren entwickelt. Die FSS-Kriterien können von Agrarproduzenten und Zertifizierungssysteme umgesetzt werden, um sicherzustellen, dass das Menschenrecht auf Nahrung auf lokaler Ebene und im Verantwortungsbereich der Agrarproduzenten respektiert wird.

Die lokale NRO Wild Asia © FSS-Project (WWF / WHH / ZEF)
Die lokale NRO Wild Asia © FSS-Project (WWF / WHH / ZEF)

Erste Pilotumsetzung in Kinabatangan in Malaysia

Die lokale Nichtregierungsorganisation Wild Asia unterstützt in Kooperation mit dem WWF Deutschland und der Firma Bahlsen eine Gruppe Ölpalm-Kleinbauern bei ihrer RSPO-Zertifizierung. Im Rahmen dieser Kooperation wurden die FSS-Kriterien durch das FSS-Projekt-Team zum ersten Mal getestet. Auditoren, Zertifikatinhaber und lokale Beteiligte haben die Anwendbarkeit des FSS bestätigt und wertvolle Ratschläge zu dessen Weiterentwicklung gegeben. Weitere Tests werden in Zusammenarbeit mit ISCC, RSPO, Cotton made in Africa (CmiA) und UTZ stattfinden. Weitere Informationen über die Ergebnisse der Pilotumsetzung gibt es hier.

Die Ernährungssicherungskriterien

Die Ernährungssicherungskriterien sind in 17 Prinzipien strukturiert. Diese basieren auf den FAO-Leitlinien für die Umsetzung des Menschenrechts auf angemessene Nahrung und auf den vier Dimensionen der Ernährungssicherheit: Zugang, Verfügbarkeit, Nutzung und Stabilität.

© FSS Project (basieren auf den FAO-Leitlinien)
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF