Am 24.11.2020 hat der WWF International einen Bericht veröffentlicht, um Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen im Umfeld von Schutzgebieten mit WWF Unterstützung in Asien und Afrika aufzuklären. Die internationale Dachorganisation des WWF hatte dafür im April 2019 eine unabhängige Kommission beauftragt. Wir danken der ehemaligen UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Richterin Navanethem („Navi“) Pillay, dem Menschenrechtsexperten Prof. John Knox sowie der Naturschutzexpertin Prof. Kathy McKinnon für ihre umfangreiche und wertvolle Arbeit.

Für den WWF Deutschland erklärt Vorstand Eberhard Brandes in Berlin: „Dass es zu Menschenrechtsverletzungen im Umfeld von Naturschutzprojekten kam, bewegt uns sehr und wir fühlen mit denen, die gelitten haben. Dies ist aus unserem tiefen Selbstverständnis heraus und mit den Werten, für die wir einstehen, absolut unvereinbar.“ Gerade in Konflikt- und Krisenregionen sind Nichtregierungsorganisationen oft die einzigen Verbündeten, die die Menschen haben. Naturschutz ist weltweit nur mit den Menschen vor Ort erfolgreich und zukunftsfähig.

Der Bericht stellt klar, dass der WWF Menschenrechtsverletzungen weder ermutigt noch unterstützt hat. Es liegt kein Fall vor, in dem WWF-Mitarbeiter:innen Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Zudem hält der Bericht fest, dass die beschuldigten Personen von Regierungen beschäftigt wurden, nicht vom WWF.

WWF-Mitarbeiter im Schildkrötenschutz © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF-UK
WWF-Mitarbeiter im Schildkrötenschutz © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF-UK

Kritisch merkt die Kommission an, dass der WWF Menschenrechte in mehreren internen Richtlinien verankert, die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten innerhalb seines globalen Netzwerks jedoch nicht konsequent genug umgesetzt hat. Der Bericht bescheinigt dem WWF, dass er keinen gegen Menschen gerichteten Naturschutzansatz verfolgt. Aber dieser inklusive Ansatz war laut der Kommission nicht in allen Projektplänen ausreichend verankert.

Der WWF wird, zusätzlich zu den Maßnahmen, die bereits ergriffen wurden, die Empfehlungen der Kommission aufgreifen. Die insgesamt zehn Themenfelder der Empfehlungen des Gremiums reichen von einer jährlichen Berichterstattung zur Menschenrechtslage in den Projektgebieten über die Einrichtung effektiver Beschwerdemechanismen bis zu einer besseren Finanzierung der Menschenrechtsarbeit. Ein Fokus liegt zudem auf der verbindlichen Implementierung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten bei der Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen, Projektförderern oder anderen Stakeholdern.

Mitarbeiter des WWF empfängt die Signale eines besenderten Elefanten © Greg Armfield / WWF UK
Mitarbeiter des WWF empfängt die Signale eines besenderten Elefanten © Greg Armfield / WWF UK

Die Kommission attestiert, dass sich ein Großteil der Aktivitäten des WWF auf die Unterstützung von lokalen Gemeinschaften konzentriert, die von den Naturschutzbemühungen profitieren und einen besseren Lebensstandard entwickeln.

Sie erkennt an, dass der WWF eine Reihe von Anstrengungen unternommen hat, um Menschenrechtsverletzungen zu verhindern (z.B. Menschenrechtsschulungen und Aufstellung von Verhaltenskodizes für staatliche Wildhüter). Sie hebt hervor, dass der WWF unabhängige Initiativen zu Menschenrechten und sozialer Entwicklung geschaffen und finanziert hat (wie 2015 das Menschenrechtszentrum im Dzanga-Sangha-Schutzgebiet in der Zentralafrikanischen Republik, 2016 die unabhängigen Beschwerdemechanismen gegen Menschenrechtsverletzungen in Kamerun). Diese werden von lokalen Indigenen- und Menschenrechts-NGOs geleitet. 

Das Gremium um Navi Pillay betont, dass der WWF bereits 1996 eine der ersten Naturschutzorganisationen gewesen ist, die sich zur systematischen Integration von Menschenrechtsprinzipien und Naturschutzarbeit verpflichtet hat.

Die Kommission fordert den WWF auf, sein Engagement in den benannten Regionen fortzuführen und klare Grenzen („rote Linien“) für sein Engagement in Krisen- und Konfliktregionen zu definieren.

Welche Schritte unternimmt der WWF Deutschland?

Der WWF Deutschland arbeitet seit eineinhalb Jahren mit dem Menschenrechtsexperten Markus Löning und seinem Team zusammen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Menschenrechtsbeauftragte der Deutschen Bundesregierung (2010-2014) hatte bereits im Mai 2019 einen Bericht zur menschenrechtlichen Sorgfalt und Naturschutzarbeit für den WWF Deutschland angefertigt. Darin wurden zwölf konkrete Empfehlungen ausgesprochen, von denen der WWF Deutschland inzwischen sieben umgesetzt hat. Zur Umsetzung der Löning-Empfehlung und unserer menschenrechtlichen Sorgfalt haben wir u.a. folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Ein Manager für Human Rights Due Diligence and Compliance wurde rekrutiert und hat am 1. Oktober 2019 seine Arbeit aufgenommen.
  • Umfangreiche Sofortmaßnahmen in den Projekten des WWF Deutschland: Bedingt durch Covid-19 konnten im Kongobecken bisher erst 262 Ranger von 371 in den von WWF Deutschland federführend finanzierten Projekten zu Menschenrechten aus- und fortgebildet werden. Die fehlenden Beschwerdemechanismen befinden sich in der Umsetzung bzw. sind in der Planungsphase und werden im Jahr 2021 implementiert. 338 lokale Gemeindeentwicklungs-Komitees sowie 165 Gemeindeassoziationen und die enge Zusammenarbeit mit 8 lokalen und indigenen Nichtregierungsorganisationen konnten weiter ausgebaut werden.
  • Einrichtung eines unabhängigen Menschrechtszentrums in Lobéké (2019) nach dem Vorbild des seit 2015 bestehenden Menschenrechtszentrums im zentralafrikanischen Dzanga-Sangha Schutzgebiet.
  • Entwicklung und Einführung des Environmental and Social Safeguards Frameworks. Safeguards bieten Leitlinien für den systematischen Umgang mit nicht-intendierten sozialen und ökologischen Projektwirkungen, wie zum Beispiel Zugangs- oder Nutzungseinschränkungen der lokalen Bevölkerung zu natürlichen Ressourcen.
  • Einführung eines Code of Conducts für alle Lieferanten und Unternehmenspartner. Sowie die Etablierung von sozialen Kriterien in den Due Diligence Prozessen für Unternehmenspartner.
  • Etablierung von Menschenrechten und Sorgfaltspflichten in den internen Risikomanagementprozessen sowie umfangreiche und verpflichtende Schulungen für alle Mitarbeiter:innen des WWF Deutschland.
  • Veröffentlichung eines jährlichen Berichts zur menschenrechtlichen Sorgfalt des WWF Deutschland.

Weitere Informationen

  • Kanu © Brent Stirton / Getty Images / WWF Naturschutz und menschenrechtliche Sorgfalt

    Weitere Informationen über unsere Menschenrechtsarbeit, unseren jährlichen Bericht und die Zusammenarbeit mit dem Team von Markus Löning. Weiterlesen...

  • Tomatenanbau in Nepal © Karine Aigner / WWF-US Der ganze Bericht

    Den Bericht der unabhängigen Kommission finden Sie hier. Zu panda.org