Während des gesamten vergangenen Jahres stand der Planet buchstäblich in Flammen: Feuer im Amazonas-Regenwald, Feuer in Indonesien, Feuer in den arktischen Wäldern. Und natürlich die verheerenden Waldbrände in Australien. Eine aktuelle WWF-Studie, in der die Brände des vergangenen Jahres analysiert wurden, zeigt: Mega-Waldbrände werden in Zukunft nicht mehr seltene Extremereignisse sein, sondern Normalität.

Die Gründe für die weltweite Feuersbrunst sind vielfältig, allen Voran steht die Dürre der letzten Jahre: Unser Planet steht zunehmend vor einem Wetternotstand, der ihn in die Flammen treibt. Mit verheerenden Folgen: Die Brände bedrohen Menschenleben und zerstören Lebensräume unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Auch in Deutschland wüteten 2019 extreme Brände: Über 2.700 Hektar Wald gingen verloren und damit mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der vergangenen rund 30 Jahre. 

Die Brände zerstören nicht nur Wälder und bedrohen damit die Artenvielfalt und die Lebensgrundlage der Menschen, auch Pandemien könnten häufiger werden, so ein Ergebnis der Analyse des WWF. Brände können die Verbreitung von Krankheitserregern begünstigen, denn aufgrund der Zerstörung von Wäldern kommen Menschen immer häufiger mit Wildtieren in Kontakt, die Erreger in sich tragen. Waldschutz ist deshalb der wirksamste und nachhaltigste Impfstoff.

  • Brände in Amazonien © Araquem Alcantara / WWF Brasilien Der Amazonas brennt

    Juni 2020: Seit 13 Jahren wurden in einem Juni nicht mehr so viele Brände im brasilianischen Amazonas gezählt, 18,5 Prozent mehr als 2019. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gingen 2.000 Quadratkilometer Wald verloren. Weiterlesen...

Klimawandel befeuert Waldbrände

In vielen Regionen waren Brände ein natürliches, zum Teil regelmäßiges und sogar positives Phänomen. Doch die Feuer brennen immer häufiger und stärker. Die besondere Gefahrenlage entsteht aus einer Wechselwirkung von Erderhitzung und Waldbränden: Die Kombination aus lang anhaltenden Hitzewellen, Dürren und niedriger Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit einer leicht entflammbaren Vegetation führt schneller zu heftigeren Bränden als je zuvor. 

„Waldbrände und Klimakrise schaukeln sich gegenseitig hoch. Die Erderhitzung führt zu heftigeren Waldbränden und die Waldbrände heizen ihrerseits die Erderhitzung an“, so Dr. Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland. 7,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid wurden durch Waldbrände in 2019 zusätzlich ausgestoßen.

Werfen wir einen Blick auf die weltweiten Brände des vergangenen Jahres:

Waldbrand im Amazonas-Gebiet © Izac Theobald / WWF Brasilien
Waldbrand im Amazonas-Gebiet © Izac Theobald / WWF Brasilien

Amazonien

Die Amazonas-Region hat ein besonders schweres Jahr hinter sich. In Brasilien verschlangen die Brände zwischen Januar und September 2019 fast 5,9 Millionen Hektar. Diese Brände emittierten 969 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre. In Bolivien verbrannten mehr als 5 Millionen Hektar Wald. 

Einunddreißig Prozent der Brände im brasilianischen Amazonasgebiet bis August 2019 ereigneten sich in Gebieten, die im Juli 2018 noch Wald waren. Was diese Daten bedeuten liegt auf der Hand: In den Wäldern des Amazonas ist der Mensch starker Treiber der Feuer: Es wird gerodet, verbrannt, kultiviert. Die Nährstoffe des Bodens werden verbraucht und dann wird an einer anderen Stelle des Waldes wieder neu gerodet. 

Diese Brände stehen im Zusammenhang mit Entwaldungsprozessen zur Ausweitung der landwirtschaftlichen Tätigkeit, vor allem des Sojaanbaus oder der Weidewirtschaft zur Viehhaltung. Brasilien verzeichnete im vergangenen Jahr die höchste Entwaldungsrate seit 2008, eine Zunahme von 50 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre und von fast 150 Prozent gegenüber 2018. 

Auch 2020 geht die zunehmende Entwaldung des Amazonas weiter – mit einer noch schnelleren Rate als 2019. Inzwischen wird auch in geschützten Gebieten gerodet. Die Brände dort sind besonders schwerwiegend, weil sie den größten und vielfältigsten Tropenwald der Welt zerstören. Heimat von 10 Prozent der Artenvielfalt des Planeten und Heimat von mehr als 34 Millionen Menschen, darunter etwa 500 indigene Völker. 

Das Amazonasgebiet spielt eine Schlüsselrolle bei der Klimaregulierung Südamerikas, liefert fast 20 Prozent des Süßwassers der Erde und ist entscheidend für die Eindämmung des Klimawandels auf globaler Ebene. Wir müssen wir davon ausgehen, dass wir den Kampf gegen die globale Erwärmung verlieren werden, wenn wir das Amazonasgebiet nicht erhalten. 

Derzeit sind etwas mehr als 18 Prozent des ursprünglichen Amazonas-Regenwaldes zerstört worden. Diese Zahl ist sehr nahe an dem, was einige Experten den "point of no return" nennen: den Moment, in dem der Amazonas aufhören wird, sich wegen der Abholzung und des Klimawandels wie ein tropisches Ökosystem zu verhalten und von selbst austrocknet. 

Die Experten schätzen, dass dieser Punkt erreicht sein wird, wenn die gesamte Entwaldung zwischen 20 und 25 Prozent beträgt – bei der derzeitigen Abholzungsrate von durchschnittlich 1,5 Millionen Hektar pro Jahr – könnte das in 20 bis 30 Jahren der Fall sein.

Nördlicher Polarkreis

Borealwald in Sibirien nach einem Brand © Hartmut Jungius / WWF
Borealwald in Sibirien nach einem Brand © Hartmut Jungius / WWF

2019 brannte es am Polarkreis über mehrere Breitengrade hinweg in einer Intensität und Dauer wie nie zuvor. Betroffen waren Sibirien, Alaska, Grönland und Kanada. Insgesamt wurden in der Arktis 5,5 Millionen Hektar verbrannt. Dies führte zur Emission von 182 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre, dreimal so viel wie Schweden im Durchschnitt in einem Jahr emittiert. In Alaska vernichteten mehr als 600 Brände über eine Million Hektar Tundra und Wald. 

Die borealen Wälder sind eigentlich perfekt an das Feuer angepasst. Sie brennen regelmäßig seit tausenden von Jahren. Außergewöhnlich ist jedoch, dass sich der Feuerzyklus beschleunigt hat. Es brennt immer häufiger, die Feuer werden immer größer und intensiver. Die Gründe dafür sind klar: Die Arktis erwärmt sich zweimal schneller als der Rest des Planeten. Der Frühling beginnt früher, die Sommer werden wärmer und dauern länger. All dies hat die häufig vermoorte Landschaft ausgetrocknet. 

In diesen Breitengraden sind die Brände besonders schwerwiegend und besorgniserregend für das Klima. Zum einen, weil sie einen feinen schwarzen Ruß erzeugen, der das Schmelzen des Eis in der Arktis beschleunigt. Zum anderen, weil sie Torf- und Permafrostböden beeinträchtigen: die Brände erwärmen den Permafrostboden, der dadurch noch schneller auftaut. Darin gebundenes CO2 und Methan werden freigesetzt, was wiederum zu einer weiteren Erwärmung führt.

Australien

Feuerfront im Jamison Valley © Andrew Merry / Getty / WWF
Feuerfront im Jamison Valley © Andrew Merry / Getty / WWF

Innerhalb von vier Monaten wurden in Australien im vergangenen Jahr mehr als 12 Millionen Hektar verbrannt, Zehntausende Menschen und mehr als 1,2 Milliarden Tiere starben, Tausende von Häusern wurden zerstört. Zwar gab es in der Vergangenheit sogar noch größere Brände in Australien, das Außergewöhnliche an den jüngsten Feuern ist die Region, in der sie sich ereignet haben: An Stelle von Grasland und Savannen brannten Wälder in den gemäßigten Zonen, die nicht an Feuer gewöhnt sind. Es waren Wälder in dicht besiedelten Küstenregionen – die ökologischen und sozialen Auswirkungen waren dadurch weitaus größer als in anderen Jahren. 

Australien erlebte 2019 ein ungewöhnlich warmes Jahr. Noch nie zuvor hatte das Land so hohe Temperaturen im Durchschnitt. Eine der am stärksten betroffenen Regionen, New South Wales, litt seit zwei Jahren unter einer anhaltenden Dürre und kämpfte seit vier Jahren mit sehr geringen Niederschlägen. Ende Dezember erreichten die Temperaturen im gesamten Land Rekordwerte mit 42 Grad Celsius. 

Es waren Brände von sehr hoher Intensität, bei denen die Feuer Temperaturen von mehr als 1.000 Grad Celsius erreichten (normalerweise überschreiten sie nicht die 500-Grad-Marke). Von so hohen Temperaturen können sich die Wälder nur schwerlich wieder erholen.

Europa

Pinien- und Eichenwald nach Brand in Spanien © Jorge BARTOLOME / WWF
Pinien- und Eichenwald nach Brand in Spanien © Jorge BARTOLOME / WWF

In den vergangenen Jahren hat sich Mitteleuropa zu einem neuen Risikogebiet entwickelt. Die Brände betreffen nicht mehr nur die Mittelmeerländer. Der Klimawandel macht aus den milden, feuchten Sommern, lange heiße, trockene Perioden. Zusammen mit zunehmend milden Wintern schafft dies die perfekten Bedingungen für Großbrände. Mitteleuropa "mediterranisiert" sich, Großbrände werden vermehrt in den großen Waldgebieten der Alpen oder im Schwarzwald auftreten. 

Länder wie Großbritannien, Irland, Finnland, Lettland, Deutschland, Polen, Schweden und Norwegen wurden 2019 von ungewöhnlichen Feuern erschüttert. Während des Sommers wurden in der Europäischen Union 40 Prozent mehr Brände registriert: Großbrände in diesen Gebieten sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm. 

Portugal ist das am stärksten von Bränden betroffene europäische Land. Dort gibt es im    Jahresdurchschnitt etwa 17.000 Brände. Jedes Jahr werden dort durchschnittlich 120.000 Hektar verbrannt. Auf der Iberischen Halbinsel hat das Brandrisiko zugenommen. Bei einem Feuer im Juni 2017 kamen 64 Menschen ums Leben, im Oktober des selben Jahres starben bei einem weiteren Brand 43 Menschen. Im vergangenen Sommer kam es auf Gran Canaria zu einem außergewöhnlich aggressiven und gefährlichen Brand. 10.000 Menschen mussten evakuiert werden, fast 10.000 Hektar Land wurden verwüstet, das entspricht etwa 6,5 Prozent der Inselfläche.

Zentral Afrika

Typische Waldbrandherde am Mount Kilum in Kamerun © Sandra Mbanefo Obiago / WWF
Typische Waldbrandherde am Mount Kilum in Kamerun © Sandra Mbanefo Obiago / WWF

Das Gebiet der Erde, das pro Jahr am meisten brennt, liegt im Herzen Afrikas. Die U.S.-Raumfahrtbehörde definiert Afrika als "Kontinent in Flammen", weil hier 70 Prozent der weltweiten Brände stattfinden. Allein in Angola und der Demokratischen Republik Kongo gab es vergangenes Jahr innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Brände. Auch Sambia, Mosambik oder Madagaskar leiden unter Bränden. 

In Afrika brennen etwa 300 Millionen Hektar pro Jahr, das entspricht der sechsfachen Fläche Spaniens. Die meisten dieser Brände sind das Ergebnis der landwirtschaftlichen Nutzung und kommen hauptsächlich in den Savannen und auf den von Kleinbauern bewirtschafteten Feldern im Tropenwaldgürtel vor. 

Begünstigt durch den Klimawandel, der die Regenwälder austrocknet, können Brände bald auch die Tropenwälder des Kongobeckens betreffen – nach dem Amazonas das größte Waldgebiet der Welt, von dem das Überleben von 30 Millionen Menschen vor Ort, aber auch weltweit, abhängt.

Kalifornien

Waldbrand erreicht Wohnhäuser, Malibu, Kalifornien © David McNew / Stringer / Getty Images
Waldbrand erreicht Wohnhäuser, Malibu, Kalifornien © David McNew / Stringer / Getty Images

Die Brände in Kalifornien haben sich in den vergangenen zehn Jahren zu wahren Albträumen entwickelt. Sie betreffen vor allem stark besiedelte Gebiete. Die tödlichsten und zerstörerischsten Brände in der Geschichte Kaliforniens wüteten zwischen 2017 und 2018. Dutzende Menschen starben, Hunderte wurden vermisst und Tausende Häuser wurden in Asche verwandelt. 

Im Jahr 2019 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, weil wegen der Flammen mehr als 200.000 Menschen evakuiert werden mussten und fast 100.000 Hektar Land verbrannten. Auch hier befeuert der Klimawandel die Lage: Untersuchungen zeigen, dass die Brände in Kalifornien aufgrund des Klimawandels um 500 Prozent stärker ausfallen.

Chile

Zypressen nach Waldbrand in Chile © Edward Parker / WWF
Zypressen nach Waldbrand in Chile © Edward Parker / WWF

Waldbrände sind Teil der natürlichen Abläufe in Chile. In den vergangenen zehn Jahren wurden sie jedoch häufiger, größer und extremer. Das Land ist sehr anfällig für den Klimawandel und seine Auswirkungen sind stark spürbar. In 2017 erlebte Chile seine bisher schlimmste Brandsaison, die Feuer verschlangen 86.000 Hektar – mehr als 3 Prozent der Waldfläche des Landes. In einem normalen Brandjahr werden 0,5 Prozent nicht überschritten. 

Auch 2019 war die Saison besonders schlimm. Es gab mehr Brände im Vergleich zu 2018, 65.000 Hektar Land verbrannten. Der zentrale Teil des Landes leidet seit vielen Jahren unter einer schlimmen Dürre. Dauerte die Brandsaison zwischen 1985 und 2009 noch von November bis April, erstreckte sie sich zwischen 2010 und 2018 von Oktober bis Ende Mai. Die Brände sind nicht länger nur eine Gefahr des Sommers.

Das fordert der WWF

Um der Entwicklung etwas entgegenzusetzen, muss der Fokus weg von der Brandlöschung hin zur Brandvermeidung, fordert Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland. „Wir können nicht länger auf Löschmaßnahmen vertrauen. Die neuen Brände sind dafür zu extrem. Stattdessen müssen wir uns mit vollem Einsatz in den Kampf gegen die Klimakrise begeben und gleichzeitig die nicht-feuerbedingte Entwaldung stoppen. Das gilt speziell für die Tropen, die besonders viele Klimagase speichern. Nur so können wir den Teufelskreis aus Erderhitzung und Waldzerstörung stoppen“, sagt Susanne Winter vom WWF. 

Für Deutschland fordert der WWF ein Umdenken von Forstwirtschaft und -politik. Es braucht eine umfassende Förderung von Laubwäldern wie sie natürlicherweise in Deutschland vorkommen und eine naturnahe Waldwirtschaft inklusive Maßnahmen zum Wasserrückhalt. Laubwälder erhöhen den Grundwasserspiegel, sorgen für ein kühleres Waldklima und beugen Bränden vor.

  • Abgeholzter Regenwald im Amazonas © Paulo Whitaker / Reuters / picture alliance Weltwald

    Wälder sind Lebensraum, Lebensgrundlage und Speisekammer für Millionen Menschen und Tiere. Ohne Wald keine Welt. Weiterlesen...

  • Nourages Naturreservat im Nebel © Emmanuel Rondeau / WWF Frankreich Wälder

    Ein Drittel der Landfläche ist mit Wald bedeckt. Doch sie nimmt ab. In mehr als 300 Projekten versucht der WWF, die Wälder zu bewahren. Weiterlesen...