Die eine Mangrove gibt es nicht: Der Name ist ein Begriff für ungefähr 80 Arten von Bäumen und Sträuchern. Je nachdem wo sie wachsen, teilten Profis die Pflanzen in Ostmangroven und Westmangroven ein. Westmangroven findest du an den Küsten von Westafrika und Amerika, zu ihnen gehören nur acht Arten. Es gibt also viel mehr Ostmangroven. Diese wachsen an den Küsten von Indien, Madagaskar, Ostafrika, Südostasien und Australien.
Mangroven gibt es auf den Kontinenten Asien, Afrika, Australien und Amerika. Sie bilden dichte Wälder und gedeihen an Küsten und dort, wo Flüsse ins Meer münden, also Salz- und Süßwasser aufeinandertreffen. Viele Mangroven wachsen in Gezeitenzonen. So nennt man Bereiche an Meeresküsten, in denen sich die Landschaft bei Ebbe und Flut stark verändert. Bei Ebbe ist das Wasser sehr niedrig, bei Flut werden die Mangroven zum Teil überspült.
Was sind eigentlich … Mangroven?
Schon gewusst?
Die meisten Mangroven gibt es in Indonesien, einem Land in Südostasien.
Grüne Überlebenskünstler
Mangroven schaffen, was nur wenige andere Pflanzen können: Sie überleben in salzigem Wasser.
Salz entzieht Pflanzen Wasser und schädigt ihre Zellen, aber nicht bei Mangroven. Manche nehmen das Salz gar nicht erst auf, andere speichern es in ihrem Laub. Sind die Blätter voll mit Salz, fallen sie ab oder geben es über Poren nach außen ab.
Starke Wurzeln
Die Pflanzen halten starke Meeresströmungen, Überschwemmungen und Hitze aus. Ihre Wurzeln bilden über und unter Wasser ein verzweigtes Dickicht und sind fest im Schlamm verankert. Dort bekommen sie aber zu wenig Sauerstoff. Deshalb gibt es spezielle Wurzeln, die für den Austausch von Sauerstoff da sind. Diese ragen hoch in die Luft.
Über und unter Wasser
Mangroven sind immergrün, haben also das ganze Jahr über Blätter. In den Mangroven leben sehr viele Tiere gut versteckt und finden ausreichend Nahrung. Da hüpfen Frösche herum, es gibt Schlangen und Echsen, Vögel, Affen und Insekten … Unter Wasser leben Fische, Krabben, Garnelen und viele andere Tiere. Mangrovenwälder sind also das Zuhause von sehr vielen verschiedenen Tierarten und darum enorm wichtig.
Schon gewusst?
In Mangrovenwäldern leben viele Tiere, die als bedroht gelten. In Asien gehören dazu zum Beispiel der Bengalische Tiger und der Nasenaffe.
Multitalente Mangroven
Grüne Klimaretter
Mangroven speichern drei- bis fünfmal so viel CO2 wie andere Wälder. CO2 ist die Abkürzung für das Gas Kohlenstoffdioxid. Das entsteht zum Beispiel, wenn wir heizen, Auto fahren oder mit einem Flugzeug fliegen. Zu viel CO2 schadet der Erde und ist mitverantwortlich für die Klimakrise. Indem Mangroven das Gas speichern, helfen sie dabei, das Klima zu schützen. Den größten Teil speichern sie im Boden – und das jahrhundertelang.
Natürlicher Schutz vor Überschwemmungen
Mit ihren dichten, verzweigten Wurzeln fangen Mangroven die Wucht von Sturmfluten und sogar Tsunamis ab. Das sind meterhohe Wellen, die durch Seebeben, also Erdbeben auf dem Meer, entstehen. Solche Wellen können ganze Dörfer zerstören! Aber ein 100 Meter breiter Mangrovenwald kann eine Welle um zwei Drittel verkleinern und so das dahinterliegende Land schützen. Denn zwischen den Wurzeln lagern sich kleinste Teile, die im Wasser schweben, an und bilden mit den Wurzeln eine Art Schutzwall zwischen Land und Meer. Außerdem geben die Baumwurzeln dem schlammigen, weichen Boden Halt. Dadurch wird er bei Überschwemmungen nicht so leicht weggespült.
Mangroven als Lebensgrundlage
Mehr als 120 Millionen Menschen leben in der Nähe von Mangrovenwäldern. Sie sind auf diese angewiesen. Die Einheimischen fangen dort Fische und sammeln Andere Meerestiere wie zum Beispiel Muscheln, die sie selbst essen oder verkaufen. Sie nutzen auch das Holz der Mangroven als Brenn- oder Baumaterial.
Schon gewusst?
Rund 40 Prozent der Mangrovenwälder weltweit liegen in Schutzgebieten.
Wilde Vielfalt im afrikanischen Mangrovenwald
Mangroven sind wichtig für Korallenriffe
Auch Korallenriffe profitieren davon, wenn es in der Nähe gesunde Mangroven gibt. Am Boden von Gewässern lagern sich viele kleine Stoffe ab, die wir Sedimente nennen. Durch Mangroven fließt das Wasser langsamer, mehr Sedimente bleiben auf dem Boden, die sonst vielleicht aufs Meer zu Korallenriffen gespült würden. Und zu viele Sedimente können Korallen ersticken! Außerdem leben viele Korallenrifffische als Jungtiere in Mangroven, wo sie gut geschützt sind. Sind die jungen Fische groß genug, schwimmen sie in die Riffe, um dort zu leben. Mehr Mangroven heißt also mehr Fische in Korallenriffen.
Mangroven in Not
Mangrovenwälder sind stark bedroht. Insgesamt ist schon ungefähr die Hälfte aller Mangroven verloren. Doch was sind die Gründe?
Klimakrise
Durch die Klimakrise wird es auf der Erde immer wärmer. Dadurch stürmt es zum Beispiel häufiger und heftiger. Das macht Mangroven zu schaffen: Die Äste brechen ab und die Wurzeln verlieren ihren Halt im Schlamm. Setzen starke Sturmfluten ganze Mangroven samt den kompletten Wurzeln unter Wasser, können die Pflanzen nicht mehr genug Sauerstoff aus der Luft aufnehmen und sie ertrinken. Außerdem steigt der Meeresspiegel immer weiter an. Dadurch besteht ebenfalls die Gefahr, dass Mangroven zu stark überspült werden. Werden Mangroven zerstört, wird dabei jede Menge Kohlenstoffdioxid frei, den die Pflanzen gespeichert haben. Und das schadet dem Klima.
Garnelenzucht
Viele Mangrovenwälder wurden in Reisfelder oder Aquakulturen umgewandelt. So nennt man es, wenn Menschen Teiche und Becken anlegen und darin verschiedene Wasserbewohner züchten. Dafür mussten rund ein Viertel der Mangroven weichen. Die meisten Aquakulturen dienen der Aufzucht von Garnelen.
Umweltverschmutzung
Über Flüsse gelangen unbehandeltes Abwasser, Dünger, Pestizide sowie andere Schadstoffe in Mangrovenwälder und können diesen schaden. Zum Beispiel verstopft Öl im Wasser die Wurzeln und stört so den Sauerstofftransport in der Pflanze. Auch Müll ist ein Problem für den Mangrovenwald. Besonders Plastikmüll ist nicht gut für Pflanzen und Tiere. Manche Tiere fressen sogar Plastik und werden davon sehr krank oder sterben daran.
Rodung von Mangroven
Die Pflanzen müssen weichen, um Platz zu schaffen. Menschen besiedeln immer häufiger Küstengebiete, sie bauen Dörfer, Hotels und Straßen und legen Soja- und Palmölplantagen dort an, wo vorher Mangroven wachsen konnten.
Der WWF im Einsatz: Hilfe für Mangroven in Ostafrika
Unser Plan: Wir wollen die Mangroven in Ostafrika nachhaltig schützen, damit dieser besondere Lebensraum mit seiner unglaublichen Artenvielfalt noch lange erhalten bleibt. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten wir in den Küstengemeinden von Kenia, Madagaskar und Tansania mit anderen Organisationen, der Bevölkerung und den lokalen Regierungen Hand in Hand.
Gut bewacht
Frauen und Männer aus den benachbarten Dörfern bewachen und patrouillieren die Mangroven, um zu verhindern, dass sie illegal zerstört werden. Auch per Monitoring überwachen Menschen die Pflanzen. Das heißt, sie sind in den Wäldern unterwegs und schauen sich an, wie die Mangroven aussehen und ob sie gut wachsen. Fotos aus der Luft sollen genau dokumentieren, wie sich die Pflanzen im Lauf der Zeit verändern. So hat der WWF im Blick, ob und wie gut die Schutzmaßnahmen greifen.
Anpflanzung von Mangroven
Wo Mangroven fehlen, sollen neue wachsen. Darum pflanzen wir Setzlinge, um auf lange Sicht neue Mangrovenwälder zu schaffen. Dabei dürfen wir nicht jede beliebige Mangrove pflanzen. Jede Art hat etwas andere Ansprüche. Wir müssen zum Beispiel darauf achten, wie salzig das Wasser und wie gut der Wasserabfluss ist. Darum ist es wichtig, heimische Arten zu nehmen, also solche, die in der Gegend wachsen. Nur sie können sich dort gut entwickeln.
Bienenzucht
Wenn Menschen nahe bei Mangrovenwäldern Bienen züchten, bestäuben diese die Mangroven und tragen so dazu bei, dass sich die Pflanzen verbreiten. Zusätzlich bestäuben sie die Nutzpflanzen der Bäuerinnen und Bauern. Das verschafft den Menschen ein Einkommen. Und natürlich machen Bienen leckeren Honig, den die Imkerinnen und Imker wiederum verkaufen oder selbst essen können.
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