Sie räumen Kot und Aas weg, kompostieren biologische Abfälle, sorgen dafür, dass wir Obst und Gemüse ernten können und bekämpfen Schädlinge in der Landwirtschaft. Die meisten von ihnen sind nur wenige Millimeter groß und doch unverzichtbar für das Überleben und die Artenvielfalt auf unserem Planeten: Die Rede ist von Insekten.

Schwebfliege © Florian Lauer / WWF
Schwebfliege © Florian Lauer / WWF

Insekten dürften zu den am meisten unterschätzten Tierarten gehören, und ihre Leistungen für Landwirtschaft und Gesundheit nehmen wir nur selten wahr. Wer weiß schon, dass eine einzige Wildbiene bis zu 5.000 Blüten bestäuben kann? Dass Schwebfliegen wichtige Bestäuber von Obstbäumen und Gemüsepflanzen sind? Oder dass manche Insektengifte auf ihre heilende Wirkung unter anderem in der Krebsforschung untersucht werden?

Wie unsere Erde ohne Insekten aussehen würde, ist praktisch unvorstellbar. Doch ihre Zukunft ist düster. Was über Millionen von Jahren keine Naturgewalt geschafft hat, scheint nun der Mensch zu vollbringen: Unser Raubbau an der Natur hat ein wohl nie dagewesenes Massensterben von Insekten mit all seinen auch für den Menschen dramatischen Folgen ausgelöst. Es ist eine stille Katastrophe, die in einem rapiden Tempo und doch nahezu unbemerkt vor sich geht.

Insekten als Spitzensportler, Rekordhalter und Weltretter

Ameisen © David Lawson / WWF-UK
Ameisen © David Lawson / WWF-UK

Insekten gibt es seit 300 Millionen Jahren auf der Erde. Knapp eine Million Insektenarten sind bisher weltweit wissenschaftlich beschrieben worden.

Allein in Deutschland gibt es mindestens 33.000 Bienen, Käfer, Libellen, Heuschrecken, Ameisen und Fliegen. Das sind drei Viertel aller hier vorkommenden Tierarten. Aber wahrscheinlich sind es sogar noch viel mehr, denn Forscher:innen gehen davon aus, dass wir nur ein Drittel aller Insektenarten kennen.

Darunter sind wahre Spitzensportler und Rekordhalter: Manche Insekten können meterweit springen, das hundertfache ihres eigenen Körpergewichtes tragen, schneller beschleunigen als eine Weltraumrakete oder tausende von Kilometern wandern.

Gut zu wissen

Obwohl es sie in den unterschiedlichsten Farben und Formen gibt, haben alle Insekten diese drei Merkmale gemeinsam: einen Körper aus Chitin, sechs Beine und einen drei-geteilten Körper. Das kleinste bekannte Insekt ist die winzige Erzwespe, die mit 0,17 Millimetern nur so klein ist wie ein Sandkorn. Das größte Insekt ist die Stabschrecke, die bis zu 57 Zentimeter groß werden kann.

Phobaeticus chani, eine der größten Stabheuschrecken © Imago / Felix Abraham
Phobaeticus chani, eine der größten Stabheuschrecken © Imago / Felix Abraham

Insekten räumen für uns auf, beackern unsere Böden und sorgen für gesunde Nahrungsmittel

Wildbiene © Ola Jennersten / WWF-Sweden
Wildbiene © Ola Jennersten / WWF-Sweden

Insekten bilden das Fundament der Nahrungskette der meisten an Land lebenden Tierarten, mit ihrem Verschwinden verlieren hunderte Tierarten ihre Nahrungsgrundlage. Die Bedeutung von Insekten für unsere Nahrungsversorgung kann nicht hoch genug geschätzt werden: Sie setzen Nährstoffe im Boden um und machen ihn so fruchtbar. Sie schaffen durch Bestäubung die Grundlage unserer Nahrungskette. Sie fressen Schädlinge, reinigen und lockern den Boden.

In Deutschland sind über 84 Prozent der Nutzpflanzenarten von Insekten abhängig. Manche Insekten, wie die Schlupfwespe, werden sogar gezielt zur Schädlingsbekämpfung gezüchtet. Insekten steigern durch Bestäubung die Qualität und Haltbarkeit von Früchten und Nutzpflanzen, die uns wichtige Vitamine und andere Spurenelemente liefern und für unsere Gesundheit von entscheidender Bedeutung sind. Auch viele Heilpflanzen sind von Bestäubern abhängig.

Insekten als Wirtschaftsfaktor

Das Insektensterben und der daraus folgende Rückgang ihrer für das Ökosystem relevanten Leistungen haben unmittelbare Auswirkungen auf uns Menschen, unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit und unseren Wohlstand.

Was der Verlust der Insekten auch für unsere Wirtschaft bedeutet, wird in einer Schätzung des Weltbiodiversitätsrates IPBES deutlich. Danach wird der ökonomische Nutzen von Bestäubern wie Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen allein in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro beziffert. Weltweit sind es sogar 577 Milliarden Euro. Im Umkehrschluss bedeutet das: Mit dem Rückgang der Insekten werden auf die Landwirtschaft, die Kommunen und auf uns alle enorme Kosten zukommen. Zusätzlich wird sich die Verbreitung von Krankheiten massiv beschleunigen, wenn totes Material nicht mehr in der ursprünglichen Geschwindigkeit umgesetzt beziehungsweise abgebaut wird.

Ursachen des Insektensterbens

Feld wird mit Pestiziden besprüht © Michel Gunther / WWF
Feld wird mit Pestiziden besprüht © Michel Gunther / WWF

Weltweit sind inzwischen 40 Prozent aller Insektenarten vom Aussterben bedroht. Aber auch Arten, die bisher nicht vom Aussterben bedroht sind, werden immer weniger. Innerhalb von 27 Jahren ist die weltweite Biomasse aus Insekten um 76 Prozent zurückgegangen. Und jedes Jahr verlieren wir mindestens weitere 2,5 Prozent. Schmetterlinge, Hautflügler, Libellen, Eintagsfliegen und Dungkäfer gehören zu den am stärksten bedrohten Arten.

In unserer von Monokulturen und dem Einsatz von Insektiziden, Herbiziden und Düngemitteln geprägten Landwirtschaft haben Insekten kaum noch eine Chance. Sie brauchen abwechslungsreiche Lebensräume mit vielfältigen Strukturen und Landschaften. Auch die zunehmende Lichtverschmutzung ist besonders in den Städten in den letzten Jahrzehnten zu einem massiven Problem geworden. Insekten werden von den Lichtkegeln der Leuchtreklame, Hochhaus- und Straßenbeleuchtung angezogen, verlieren dort die Orientierung und sterben vor Erschöpfung oder als leichte Beute von Fledermäusen oder Spinnen.

So können wir das Insektensterben beenden

Naturnaher Topfgarten © Martin Rudolph / WWF Deutschland
Naturnaher Topfgarten © Martin Rudolph / WWF Deutschland

Um das Massensterben der Insekten zu beenden und unsere Gesundheit und Versorgung mit Nahrungsmitteln zu sichern, muss die Landwirtschaft insgesamt nachhaltiger werden. Dazu können zum Beispiel insektenschonende Mahd und Beweidung einen Beitrag leisten. Agrarchemikalien sollten nicht mehr vorbeugend, sondern nur als letztes Mittel eingesetzt werden dürfen. Wir brauchen Regelungen zur Begrenzung der Lichtverschmutzung, damit Lampen und Beleuchtung für Insekten nicht mehr zur tödlichen Falle werden.

Aber auch jede:r Einzelne kann sich mit einem naturnah gestalteten Garten oder Balkon und dem Konsum biologisch produzierter Lebensmittel für den Insektenschutz einsetzen. Insekten sind faszinierende, wunderschöne und für unser Überleben unverzichtbare Mitbewohner unserer Erde. Sorgen wir gemeinsam dafür, ihr stilles Sterben zu beenden.

So können Sie den WWF beim Kampf gegen das Insektensterben unterstützen:

Weitere Informationen:

  • Gelbbindige Furchenbiene © Florian Lauer / WWF Wildbienen: Verlierer des Klimawandels?

    Der Wert der Bestäubungstätigkeit durch Bienen beträgt weltweit 577 Milliarden Euro! Doch sowohl Wildbienen als auch Hummeln sind durch Landnutzung und Klimakatastrophe stark bedroht. Weiterlesen...

  • Gelbbindige Furchenbiene © Florian Lauer / WWF Das Projekt BROMMI

    Im Rahmen des Projekts BROMMI werden fünf deutsche Biosphärenreservate zu Modelllandschaften für Insektenschutz. Weiterlesen...

  • Gartenernte @ Yana Tatevosian / iStock / Getty Images Tipps für den Garten

    Immer mehr Tierarten sind durch menschliches Handeln vom Aussterben bedroht. Der WWF arbeitet daher daran, bedrohte Arten zu schützen. Weiterlesen...

Melden Sie sich jetzt zum Newsletter an!

Sie wollen zum Thema "Artenschutz" gern auf dem Laufenden bleiben und über Projektfortschritte und Erfolge informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt unseren regelmäßigen Newsletter!

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den Service zu laden!

Wir verwenden einen Service eines Drittanbieters. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um diese anzeigen zu lassen.

powered by Usercentrics Consent Management Platform
Hinweise zum Datenschutz bei Newsletter-Anmeldung (Hier klicken)

Nach dem Absenden der Daten senden wir Ihnen eine E-Mail, in der Sie die Anmeldung bestätigen müssen.

Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen. Einen formlosen Widerruf können Sie entweder über den Abmeldelink in jedem Newsletter oder durch eine E-Mail an info(at)wwf.de oder schriftlich an WWF Deutschland Reinhardstr. 18, 10117 Berlin richten. In diesem Falle wird der WWF die Sie betreffenden personenbezogenen Daten künftig nicht mehr für die Zwecke des Versands des Newsletters verarbeiten.

Wir wollen Ihnen nur Interessantes und Spannendes schicken und arbeiten ständig an der Weiterentwicklung unseres Newsletter-Angebots. Dafür möchten wir nachvollziehen, worauf Sie im Newsletter klicken und wie Sie sich auf unserer Website bewegen. Die gesammelten Daten dienen dazu, personenbezogene Nutzerprofile zu erstellen. Auf diese Weise versuchen wir, den Newsletter-Service für Sie stetig zu verbessern und noch individueller über unsere Naturschutzprojekte, Erfolge und Aktionen zu informieren. Hierbei verwenden wir verschiedene Analysetools, Cookies und Pixel, um Ihre personenbezogenen Daten zu erheben und Ihre Interessen genauer verstehen zu können. Soweit Sie sich damit einverstanden erklären zugeschnittene und personalisierte Inhalte per E-Mail zu erhalten, wird der WWF Deutschland folgende Kategorien personenbezogener Daten über Sie verarbeiten: Stammdaten, Kontakt-/Adressdaten, Verhaltensinformationen (Klicks und Öffnungen von E-Mails sowie ggf. Spendenverhalten). Wir bewahren Ihre personenbezogenen Daten so lange auf, bis Sie die Einwilligung widerrufen. In den beschriebenen Prozess werden technische Dienstleister und E-Mail Versanddienstleister involviert, mit denen ein datenschutzrechtlicher Vertrag zur Auftragsverarbeitung besteht.

Weitere Einzelheiten zur Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten finden Sie auf unserer Datenschutzerklärung