Fast 30 Prozent der bekannten Tier- und Pflanzenarten weltweit sind laut der Internationalen Roten Liste in ihrem Bestand bedroht! Jedes Jahr verlieren wir unwiderruflich hunderte Arten. Weil wir Menschen ihre Lebensgrundlagen vernichten, ihre Lebensräumen zerstören und das Klima durch unsere Emissionen aufheizen. Hinzu kommt: Wir sammeln, jagen und fischen viele zu viele Tiere und Pflanzen. Neuste Erhebungen gehen davon aus, dass sich das Aussterben durch menschliche Einflüsse um etwa den Faktor 1.000 gegenüber der natürlichen Rate erhöht hat.

Lazarus-Effekt: Die Wiederkehr ausgestorbener Arten

Ecuador Tortoise
Da ist sie wieder Schildkröte Chelonoidis nigra phantasticus © picturealliance / AP / Galapagos National Park / Andres Morales

Immer wieder gibt es aber auch Fälle, bei denen Tier- und Pflanzenarten wieder auftauchen, die schon als ausgestorben galten. Wissenschaftler:innen nennen es das Lazarus-Phänomen – nach dem Mythos von Lazarus, der von den Toten auferstanden sein soll.

Dazu gehört zum Beispiel die Galapagos Riesenschildkröte Chelonoidis nigra phantasticus. Sie galt mehr als 100 Jahre als ausgestorben, bis vor wenigen Jahren ein verdächtiges Weibchen auf der Galápagos-Insel Fernandina gesichtet wurde. Genanalysen der Yale-Universität in den USA haben jetzt ergeben, dass es sich tatsächlich um ein Tier der ausgestorbenen Spezies handelte.

Oder das Voeltzkow-Chamäleon, das seit mehr als 100 Jahren als ausgestorben galt. Forscher:innen der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) fanden die verschollene Art bei einer Expedition auf Madagaskar.

Hier sind fünf der prominentesten Fälle:

La-Gomera-Rieseneidechse

GIANT LIZARD GIANT LIZARD or LA GOMERA (Gallotia bravoana) La Gomera Canary Islands. Critically endangered., Credit:ROGE
Wiederentdeckt auf La Gomera © IMAGO / Avalon / Roger Tidman

Forscher:innen beschrieben die Art erst im Jahr 1985 anhand von historischen Knochenfunden. Umso größer war die Überraschung, als spanische Biolog:innen auf der berühmten ehemaligen Hippie-Insel La Gomera sechs lebende Individuen fanden. Der Fundort war ein Steilhang direkt über einem Strand.

Von den bis zu einem halben Meter langen Tieren existieren heute rund 100 Tiere in Freiheit. Etwa 50 weitere leben in einer Zuchtanlage. Die Internationale Rote Liste führt die Art als „vom Aussterben bedroht“.

Chaco-Pekari

Chacoan peccary, The chacoan peccary strolling in the soil.
Erst 1974 wurden in Argentinien lebende Chaco-Pekari entdeckt. © IMAGO / Dreamstime

Auch große Säugetiere können in schwer zugänglichen Lebensräumen lange unentdeckt bleiben. Taxonom:innen beschrieben die Chaco-Pekaris erstmals 1930 anhand von Knochenfunden.

Man ging davon aus, dass sie ausgestorben wären. Erst 1974 bestätigten Wissenschaftler:innen in Argentinien lebende Exemplare. Ihr Lebensraum ist das trockene, heiße und deshalb zumindest damals noch dünn besiedelte Chaco.

Heute gelten sie in ihrem Verbreitungsgebiet in Argentinien, Paraguay und Bolivien als „stark gefährdet“. Das Chaco verliert große Flächen durch Rodung, aus denen Viehweiden und Soja-Plantagen entstehen.

Bayerische Kurzohrmaus

Bayerische Kurzohrmaus auf Boden mit grünen Moos sitzend rechts sehend Bavarian pine vole sitting on floor with green mo
Im Jahr 2000 wurde in Tirol eine neue Population der Bayerischen Kurzohrmaus bestätigt © IMAGO / imageBROKER / Ludwig Werle

Den Lazarus-Effekt gibt es auch bei uns vor der Haustür. Die Bayerische Kurzohrmaus wurde erst 1962 bei Garmisch-Partenkirchen entdeckt. 23 Tiere wurden gefangen und als neue Art bestimmt. Und schon direkt danach galt sie wieder als verschollen. Erst im Jahr 2000 fanden Forscher im benachbarten Tirol eine neue Population.

Gerettet ist sie damit noch nicht. Lange konnten weder in Deutschland noch in Österreich weitere Vorkommen festgestellt werden. Immerhin gelang es den Österreicher:innen, vier Exemplare für den Innsbrucker Alpenzoo zu fangen. Dort vermehren, sich die Tiere erfolgreich. Einige der Mäuse wurden bereits zur Nachzucht an andere Zoos abgegeben.

In Freiheit bleibt die Lage für die Nager weiter kritisch. Die IUCN stuft sie wegen ihres sehr kleinen Lebensraums und der dortigen Habitatzerstörung als „vom Aussterben bedroht“ (Critically Endangered) ein. In Deutschland galt die Art als ausgestorben, bis 2023 ein weiterer Nachweis in Bayern gelang.

Sehuencas-Wasserfrosch

Sehuencas Wasserfrosch Romeo © Robin Moore / Global Wildlife Conservation
Der vermeintlich letzte Sehuencas-Wasserfrosch lebte in Bolivien. Inzwischen wurden fünf weitere entdeckt. © Robin Moore / Global Wildlife Conservation

Der Sehuencas-Wasserfrosch war eigentlich noch nicht ausgestorben. Nur sehr einsam. Der vermeintlich letzte seiner Art lebte alleine in einem Aquarium in einem Naturkundemuseum in Bolivien.

Wissenschaftler:innen entdeckten in einem Bach am Fuße eines Wasserfalls fünf Sehuencas-Wasserfrösche. Darunter auch Weibchen. Die Forscher:innen hoffen, dass sich die Frösche fortpflanzen und so die seltene Art vor dem Aussterben bewahren.

Quastenflosser

Living fossil fish, Coelacanth., Coelacanth is member of the oldest living order of fish, Sarcoptery
Der urtümliche Quastenflosser wurde 1938 bei den Komoren wiederentdeckt. © IMAGO / Dreamstime

Die Wissenschaft war sich sicher: Den Quastenflosser gibt es nicht mehr. Und zwar seit fast 70 Millionen Jahren.

Bis der urtümliche Fisch 1938 bei den Komoren wiederentdeckt wurde. 1997 fanden Zoolog:innen vor der indonesischen Insel Sulawesi dann sogar noch eine sehr ähnliche zweite Art, den Manado-Quastenflosser (Latimeria menadoensis).

So können Sie den WWF beim Kampf gegen das Artensterben unterstützen

Weitere Informationen:

  • Grüne Meeresschildkröte © Shutterstock / Willyam Bradberry / WWF-Sweden Die Rote Liste bedrohter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten

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