Viele Tierarten sind in Teilen Europas und der Welt längst verschwunden – verdrängt durch Lebensraumverlust, Verfolgung und die Folgen menschlicher Nutzung. Auswilderungen und Wiederansiedlungen bieten die Chance, diese Lücken in der Natur wieder zu schließen. Dabei geht es nicht darum, Tiere einfach freizulassen, sondern darum, Arten gezielt und verantwortungsvoll in geeignete Lebensräume zurückzubringen. Solche Projekte erfordern Geduld, wissenschaftliche Expertise und die Zusammenarbeit vieler Beteiligter. Wenn sie gelingen, profitieren nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Ökosysteme.

Es geht immer um mehr als nur eine Art

Auswilderungen und Wiederansiedlungen verfolgen stets mehrere Ziele. Es geht immer um mehr als „nur“ um Luchs, Wisent, Waldrapp oder Stör. Die Rückkehr einer lokal ausgestorbenen Art wirkt sich auf die biologische Vielfalt aus und bringt Ökosysteme wieder in ihr Gleichgewicht.

Jede Tierart spielt in den komplexen Netzwerken der Natur eine Rolle. Wenn Arten verschwinden, verarmen Ökosysteme. Große Pflanzenfresser wie Wisente fördern natürliche Dynamiken in Wäldern und schaffen etwa durch ihr Weideverhalten ökologische Nischen, von denen wiederum andere Arten profitieren.

Die Wisente sind ein Beispiel für erfolgreiche Wiederansiedlungen einer Art, die durch Lebensraumzerstörung und Verfolgung Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben war. Nachdem 1927 das letzte frei lebende Tier im Kaukasus erlegt worden war, überlebten nur rund 50 Tiere in Zoos und Tierparks. Trotz dieses genetischen Flaschenhalses leben heute wieder mehrere Tausend Wisente in freier Natur.

Auswilderung der Wisente

  • Europäisches Bison © Ola Jennersten / WWF Schweden
    Wisente für den Kaukasus
    Wisente sind unersetzlich für die Natur. 1927 wurde der letzte Wisent erschossen. Jetzt…
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  • Expedition im Januar 2025 zu den Wisenten im Shahdag Nationalpark im Kaukasus © Emil Khalilov / WWF
    Zu Besuch bei den wiederangesiedelten…
    Im Januar 2025 ging es für die Artenschützer:innen des WWF und ein Kamerateam in den…
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  • Wisent-Herde im Shahdag-Nationalpark Wisente © E. Khalilov / WWF
    Umzug in ein neues Leben: Wisent-Auswilderung…
    Regelmäßig bringt der WWF gemeinsam mit seinen Partner:innen Wisente in den Kaukasus. Der…
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  • Freilassung des Wisents © Bogdan Comanescu
    Zuwachs für Draculas wilde Rinderherden
    Der WWF siedelt 23 europäische Wisente nach Rumänien um, um die Art dort wieder heimisch…
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Vorbereitung ist entscheidend

Auswilderungen sind das Ergebnis jahrelanger Vorbereitung und enger Zusammenarbeit. Internationale Expertengruppen, Behörden, Ministerien und lokale Partner wie Gemeinden, Landwirt:innen oder Waldbesitzer:innen arbeiten dabei eng zusammen. Jede Auswilderung wird individuell geplant und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen abgewogen. Eine Fülle von Fragen, die Expert:innen des WWF beantworten müssen, bevor es losgehen kann.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist zudem die Auswahl geeigneter Tiere. Zoologische Gärten und Tierparks stellen Tiere aus internationalen Erhaltungszuchtprogrammen bereit und unterstützen mit veterinärmedizinischer und logistischer Expertise. Alter, Gesundheit, Geschlecht und genetische Vielfalt spielen dabei eine zentrale Rolle, um Inzucht zu vermeiden und stabile Populationen aufzubauen.

„Die Auswahl von geeigneten Tieren für die Wiederansiedlung ist ein Schlüsselkriterium für Erfolg oder Misserfolg. Insbesondere bei Arten wie dem Wisent, dessen Gründerpopulation sich auf ein Dutzend Tiere beschränkt.“

Aurel Heidelberg, Koordinator für das Wisentprojekt beim WWF Deutschland

Auswilderung der Luchse

  • Luchs in Deutschland © Robert Günther / WWF
    Luchse in Baden-Württemberg
    Ein vom WWF unterstütztes Wiederansiedlungsprojekt soll die Zukunft der Luchse in…
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  • Luchs in Deutschland © Robert Günther / WWF
    Luchse im Bayerischen Wald
    Die 15 bis 25 Luchse, die durch Bayerns Wälder streifen, sind Teil einer…
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  • Karpatenluchs © Tomáš Hulík
    Luchse in Thüringen
    Unter dem Projekttitel „Trittstein Thüringer Wald – Die Rückkehr des Luchses nach…
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  • Eurasischer Luchs © Ralph Frank / WWF
    Wiederansiedelung des Luchses im Pfälzerwald
    Der Pfälzerwald bietet gute Voraussetzungen, dass sich eine Luchspopulation hier dauerhaft…
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Weitere Auswilderungen

  • Europäischer Stoer © Katrin Wollny-Goerke
    Wiederansiedlung der Störe an Elbe und Oder
    Die meisten unserer heimischen Flussfische sind Wanderfische. So auch der Stör. Doch seit…
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  • Sambar-Hirsche © W. Phumanee / WWF Thailand
    Auswilderung in Thailand: Was Sambar-Hirsche…
    Südostasiens Tigern bieten Thailands westliche Wälder einen der letzten sicheren…
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  • Maral-Hirsch im Wiederansiedlungszentrum im Diljan Nationalpark © Aurel Heidelberg / WWF
    Wiederansiedlung des Kaukasus-Maral in…
    Im Norden Armeniens arbeitet der WWF seit 2014 an der Wiederansiedlung des Maral-Hirsches,…
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  • Kropfgazellen im Kaukasus © WWF Deutschland
    Wiederansiedlungsprogramm für Kropfgazellen…
    Im georgisch-aserbeidschanischen Grenzgebiet werden Kropfgazellen mit Hilfe des WWF in…
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Erfolge trotz großer Herausforderungen

Bevor sich die Türen öffnen können, haben Artenschützer:innen meist jahrelange Vorarbeit geleistet. Auswilderungen sind komplex und aufwendig, Rückschläge lassen sich nicht immer vermeiden. Manche Tiere haben Schwierigkeiten, sich an neue Lebensräume anzupassen oder ausreichend Nahrung zu finden. Vor allem in unseren Projekten, in denen es um große Tiere wie Wisente geht, kann es zu Konflikten kommen, wenn sie Schäden in Siedlungen, auf Feldern oder in Wäldern verursachen. Bis ein Bestand eine Mindestgröße erreicht hat, besteht die Gefahr von Inzucht und damit von genetischen Problemen. Auch Umweltfaktoren wie der Straßenverkehr können den Erfolg der Maßnahme gefährden.

WWF-Expert:innen haben sich diesen vielfältigen Herausforderungen in einer ganzen Reihe von Projekten gestellt und bewiesen, dass Auswilderungen und Wiederansiedlungen sehr erfolgreich sein können, wenn alle Schritte sorgfältig geplant und durchgeführt werden. Diese Projekte sind aufwendig und teuer, doch sie entscheiden oft darüber, ob eine Art überlebt oder verschwindet. Auswilderungen leisten damit einen zentralen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur Wiederherstellung funktionierender Ökosysteme.

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