2017 initiierte der WWF Deutschland gemeinsam mit Partnern in 16 Ländern das von der EU geförderte Projekt LIFE EuroLargeCarnivores. Nach viereinhalb Jahren geht dieses inter-europäische Projekt im März 2022 zu Ende.

LIFE EuroLargeCarnivores – das Zusammenleben gemeinsam gestalten

Ziel des LIFE-Projektes Euro Large Carnivores war es, Wege zur Koexistenz mit Wildtieren wie Wölfen, Bären, Luchsen und Vielfraßen zu finden und den Austausch dazu über Staatengrenzen hinweg zu fördern.

"In ganz Europa werden Weidetiere durch den Einsatz von Elektrozäunen, Herdenschutzhunden und Schäfern wirksam vor Wolfsangriffen geschützt, und finanzielle Unterstützung für Koexistenz ist verfügbar, aber nicht jeder weiß das."

Raffael Hickisch, LIFE EuroLargeCarnivores Projektmanager

Bei über 250 runden Tischen, Konferenzen, Exkursionen und Workshops in ganz Europa wurden Menschen, die mit den Tieren leben und arbeiten, dazu eingeladen, ihre Erfahrungen beim Schutz und Management von Wildtieren zu teilen und sich über Sprach- und Ländergrenzen hinweg auszutauschen.

Dabei wurden Praxisbeispiele und mögliche Lösungsansätze für die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die Wolf, Luchs, Bär und Vielfraß mit sich bringen, gesammelt.

Abschlusskonferenz am 16. März 2022

Anlässlich des Projektabschlusses haben die 16 Partner des Projekts zu einer Abschlusskonferenz eingeladen. Während der Konferenz wurden die wichtigsten Errungenschaften und Ergebnisse aus dem Projekt präsentiert. Über 500 Teilnehmer:innen aus 28 Ländern informierten sich z.B. über die vom Projekt initiierte länderübergreifende Zusammenarbeit zum Wolfsmanagement zwischen den BENELUX Staaten und Deutschland, die Videokampagne #storiesofcoexistence und wissenschaftliche Untersuchungen, die im Rahmen von LIFE EuroLargeCarnivores unterstützt wurden. Des Weiteren tauschten Mitglieder der Projektpartner, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments sowie Menschen, die an Projektaktivitäten beteiligt waren, ihre Erfahrungen rund um den Schutz und das Management von großen Beutegreifern aus und diskutierten über die Zukunft des Zusammenlebens mit Wildtieren in Europa.

Das fordert der WWF Deutschland

Herdenschutzhund © Peter Jelinek / WWF
Herdenschutzhund © Peter Jelinek / WWF

Gemeinsam mit 15 Partnern aus 16 Ländern fordert der WWF von der europäischen Politik und den nationalen Entscheidungsträgern verstärkte Anstrengungen, um Tierhalter und Landwirte beim Schutz ihrer Weidetiere besser zu unterstützen

Die europäischen Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, im Rahmen der gemeinsamen EU-Agrarpolitik angemessene Finanzierungprogramme für die Prävention von Schäden an Nutztieren durch große Beutegreifer auf den Weg zu bringen. Das beinhaltet die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen, Beratung, den zusätzlichen Arbeitsaufwand und insbesondere auch die Unterstützung von Wanderschäfern. Die EU hat dafür bereits wichtige rechtliche Grundlagen geschaffen, nun ist es aber an den Mitgliedsstaaten, die Mittel auch abzurufen und einzusetzen.

„Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich im Rahmen unserer Arbeit ganz klar gezeigt, dass die Politik die Menschen vor Ort mit den Herausforderungen nicht alleine lassen darf. Statt echte, substanzielle Unterstützung etwa für Schäfer und Tierhalter, beschränkten sich politisch Verantwortliche leider viel zu oft auf plumpe, teils populistische Statements über Abschussquoten und No-Go-Areas für Wölfe oder Bären.“

Moritz Klose, verantwortlicher Projektleiter beim WWF Deutschland

Des Weiteren gilt es das länderübergreifende Monitoring und Management von großen Beutegreifern auszubauen und seitens der EU-Kommission dafür zu sorgen, dass Mitgliedstaaten das strenge Schutzregime der europäisch geschützten Arten einhalten und insbesondere wirksame Maßnahmen treffen, um Wilderei auf Wolf, Bär und Co. zu verhindern.

"Eine Bejagung von Wölfen ersetzt nicht die Notwendigkeit, Maßnahmen zur Konfliktvermeidung umzusetzen."

Humberto Delgado Rosa, Europäische Kommission

Das Projekt im Überblick

Laufzeit: 2017 bis 2022

Budget: 6 Millionen Euro (davon 3,6 Euro EU-Förderung)

Beteiligte Länder: Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Ukraine, Ungarn

Zusammenarbeit mit: Viehhaltern, Förstern, Jägern, Bauern, lokale Bevölkerung

Tierarten: Bär, Luchs, Wolf und Vielfraß

www.eurolargecarnivores.eu

So können Sie den WWF beim Kampf gegen das Artensterben unterstützen:

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