Mal sind sie böse und gefährlich, mal weise und freundlich und gelten als mystische Wesen, die über den Wald herrschen und dem Menschen zumindest ebenbürtig scheinen. In Wahrheit jedoch haben Braunbären den Menschen nichts entgegenzusetzen. Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Ursus arctos nicht nur in den Geschichten präsent. Fast überall in Europa war er einst beheimatet. Heute gilt er in vielen Ländern als ausgestorben – in Deutschland schon seit mehr als 150 Jahren.

Seit Juni 2019 wird im österreichisch-deutschen Grenzgebiet wiederholt ein Bär nachgewiesen. Mehrfach ist er bereits in Fotofallen getappt – in Deutschland erstmals Mitte Oktober in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Der Bär verhält sich bärentpyisch scheu und unauffällig.

Bei einer Begegnung zwischen Mensch und Bär, rät Moritz Klose, Wildtierexperte beim WWF Deutschland: "Halten Sie wie auch bei anderen Wildtieren Abstand und ziehen Sie sich zurück." Besonders Wanderer sind jetzt angehalten, keine Essensreste oder andere Abfälle in der Natur zurückzulassen, damit der Bär nicht von ihnen angelockt wird und Menschen mit Nahrung in Verbindung bringt.

Für das Ökosystem wäre es ein Gewinn, wenn sich ein Braunbär dauerhaft in Deutschland niederlassen würde – aber natürlich auch eine Herausforderung.

Europas Braunbären leben gefährlich

Während Braunbären noch im Mittelalter in ganz Europa verbreitet waren, sieht man Meister Petz hierzulande zurzeit nur noch im Zoo. Die größten Bedrohungen für die Braunbären sind der Lebensraumverlust, die Waldabholzung und die Wilderei. Auf Schwarzmärkten werden für Galle, Fett, Fleisch, Rückenmark und die Tatzen große Summen gezahlt. Obwohl die Jagd in den meisten Ländern verboten ist, sterben immer wieder Bären durch Menschenhand. Ohne unsere Hilfe ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Braunbären in Europa womöglich ganz verschwinden.

Besonders schlimm ist die Situation in Rumänien: Wilderer stellen den Elterntieren nach und Waldarbeiter treiben mit ihren kreischenden Motorsägen die Bärenmütter in die Flucht. Zurück bleiben die hilflosen Jungen, die ohne ihre Mutter keine Chance zum Überleben haben.

Das macht der WWF zum Schutz der Braunbären

Unsere Hilfe für die Aufzuchtstation ist Teil unseres groß angelegten Engagements für den Erhalt der Braunbären in Rumänien. So sucht der WWF auch den Dialog zu Tierhaltern und Jägern, um die Akzeptanz für Braunbären zu erhöhen. Und wir setzen uns dafür ein, dass die Lebensraumansprüche der Bären bei neuen Infrastrukturprojekten berücksichtigt und grenzübergreifend neue Wanderkorridore geschaffen werden.

Das Ökosystem braucht die Braunbären

Obwohl Braunbären Raubtiere sind, ernähren sie sich überwiegend vegetarisch. Sie fressen Wurzeln, Gräser, Kräuter, Beeren und Früchte. Die Mischwälder in unseren Breitengraden sind damit bestens als Lebensraum für sie geeignet. Durch ihre bloße Anwesenheit können sie ihren Wald verändern, indem sie die verschiedensten verspeisten Samen in ihrem Revier verbreiten. Nur etwa ein Drittel der Nahrung der Braunbären besteht aus Insekten, Fischen oder Aas. Braunbären jagen eher aus Mangel, sollte in besonders kargen Regionen mal die Nahrung ausgehen.

Das können Sie für die Braunbären tun