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Stand: 29.04.2019

Der Boden der Lebensvielfalt - wir stehen drauf!

Einzeller zwischen organischer Substanz in einem lebendigen Boden © Otto Ehrmann
Einzeller zwischen organischer Substanz in einem lebendigen Boden © Otto Ehrmann

Was haben deutsche Buchenwälder mit der Serengeti-Savanne in Tansania und den Gebirgssteppen des Schneeleoparden im Himalaya gemeinsam? Würde ihr intakter Boden geschädigt, brächen diese Ökosysteme zusammen und sie würden wahrscheinlich zu Heideland, Halbwüsten oder Geröllhalden. Bereits 1961 hat der WWF den Schutz des Bodens in seiner Gründungsurkunde zu seinen Verbandszielen gezählt.

Wissen Sie, was „Boden“ ist?

Der Boden ist die belebte Schicht der festen Erde. In allen Land-Ökosystemen steckt die meiste Lebensvielfalt direkt im Boden. Vom Fels ist der Boden genauso verschieden wie die grüne Erde vom roten Mars. Natürlich wird fruchtbarer Boden durch Lebewesen hergestellt. Sie greifen das Gestein an und lösen Minerale heraus. Das Bodenleben profitiert dabei von chemischen Verwitterungsprozessen des Gesteinsuntergrunds und beschleunigt diese aktiv. Zugleich bringen die Bodenbewohner, zu denen natürlich auch die Pflanzen gehören, aus der Luft Kohlenstoff und Stickstoff in den Boden. So entsteht letztlich aus den Ausscheidungen und Körpern dieser Lebewesen organische Substanz – und damit das Beste am Boden: der Humus, die üppigste Speisekammer der Pflanzen. Weil die allermeisten Gewächse nur im Boden und nicht auf nacktem Fels Halt und Nahrung finden, brauchen letztlich alle Lebewesen den Boden zum Leben - Tiere und Menschen eingeschlossen. Sauberes Trinkwasser produziert ein gesunder Boden quasi nebenbei, indem Stoffe aus dem Wasser gefiltert werden, das durch den Boden sickert.

WWF weltweit im Einsatz für den Boden

Perennierende Leguminosen – hier im Bild die Straucherbse (Cajanus Cajan) – bauen Bodenstickstoff und Humus besonders gut auf © WWF
Perennierende Leguminosen – hier im Bild die Straucherbse (Cajanus Cajan) – bauen Bodenstickstoff und Humus besonders gut auf © WWF

Für den WWF ist Bodenschutz ein zentrales Thema. In vielen WWF-Projekten weltweit - ob in Brasilien oder Paraguay, Sambia oder Indien - werden wir mit den Folgen von Bodendegradation konfrontiert.

Wenn Böden degradieren und ihre Bodenfruchtbarkeit und biologische Vielfalt verlieren, dann gefährdet dies augenblicklich die Ernährungs- bzw. die Einkommensgrundlage von Bauern. In der Konsequenz geben Bauern Betriebe auf und wandern ab, oder erschließen - soweit vorhanden - neue, unberührte Flächen, und zerstören somit Wälder und Savannen. Dass dieser Raubbau nicht enkeltauglich ist, liegt auf der Hand.

Degradierte Böden speichern aber auch weniger Wasser. Ernteerträge in trockenen Gebieten oder Trockenjahren werden somit zusätzlich reduziert. Der Klimawandel verschärft die Lage, denn eine Zunahme von Dürren (bzw. Wetterextremen) ist die Folge, wenn die Erde sich erhitzt. Auf degradierten Böden fließt Regenwasser schnell oberflächlich ab. Erosion und Überschwemmungen sind die Folge.

Der WWF geht andere Wege. Wir setzen uns für eine Landwirtschaft ein, welche die Bodenfruchtbarkeit erhält, die biologische Vielfalt in den Böden als Lebensgrundlage sieht und das Gleichgewicht in den natürlichen Ökosystemen bewahrt.

Wie machen wir Erdboden kaputt?

Nicht erst, wenn eine Sanddüne naht, wissen wir, dass mit dem Boden etwas nicht stimmt. Es wird geschätzt, dass weltweit rund ein Drittel der Böden bereits mittelmäßig bis hoch degradiert ist. Gründe hierfür sind Bodenerosion durch Wind und Wasser, Bodenverdichtung, Bodenversauerung sowie die Belastung von Böden mit chemischen (Schad-)Stoffen. Das bedeutet: Die Erde ist heruntergewirtschaftet und zum Teil im Sinne des Wortes verwüstet. Fruchtbarer Erdboden schwindet weltweit. Vor allem dort, wo Wälder vernichtet werden (das verursacht etwa 30 Prozent der Bodenzerstörung), Grasland überweidet (35 Prozent) und Ackerbau nicht nachhaltig betrieben wird (27 Prozent).

Die Degradation von Böden lässt sich nicht ohne weiteres großmaßstäbig kartieren. Einen indirekten „Beweis“ für die Degradation von Böden liefert allerdings ein Blick auf die oberirdische pflanzliche Biomasse, und deren zeitlichen Trend. In Regionen, in denen die Biomasse trotz guter klimatischer Bedingungen (ausreichend Regen) abgenommen hat, kann davon ausgegangen werden, dass das Land und damit auch der Boden degradiert. Die Karte oben zeigt diesen Trend über die Jahre 1982-2006. Rote Flächen weisen Regionen aus, in den die Biomasse signifikant (>10%) langfristig abgenommen hat.

Quelle der Karte: Le, Q.B., Nkonya, E., Mirzabaev, A., 2016. Biomass Productivity-Based Mapping of Global Land Degradation Hotspots. In: Nkonya, E., Mirzabaev, A., von Braun, J. (Eds.), Economics of Land Degradation and Improvement – A Global Assessment for Sustainable Development. Springer International Publishing, Heidelberg, Germany, pp. 55-84.
Bodendegradation weltweit

Allein in Deutschland gehen der Landwirtschaft im Durchschnitt pro Jahr und Hektar zehn Tonnen fruchtbarer Boden durch Erosion und Humusabbau verloren. Dem gegenüber steht ein jährlicher natürlicher Bodenzuwachs von nur etwa einer halben Tonne pro Hektar. Der Boden wird also rund 20 Mal schneller zerstört, als er nachwächst. Dieses Ungleichgewicht ist schon lange bekannt und gehört zu den großen Herausforderungen der Weltgemeinschaft.

Tropenböden sind besonders sensibel

Der WWF fördert und fordert auch in tropischen Ländern eine nachhaltige Bodennutzung. Denn tropische Böden sind besonders sensibel. Zum einen sind die tiefgründig verwitterten Böden in den humiden Tropen in ihrer Nährstoffverfügbarkeit natürlicherweise limitiert. Zum anderen wird Humus in diesen warmen Regionen sehr schnell von Bodenorganismen umgesetzt und abgebaut. Eine tiefgründige, mechanische Bodenbearbeitung verstärkt diesen Effekt. Eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung dieser Böden ohne aktiven Aufbau von Humus - z.B. über das Belassen von Ernterückständen auf dem Feld oder das Ausbringen von Kompost und Dung - hat verheerende Folgen. Bodenfruchtbarkeit geht auch dann verloren, wenn vermeintlich genug Mineraldünger eingesetzt wird oder wurde.

 

Aber eine ertragsstarke und zugleich naturschonende Landwirtschaft ist auch in tropischen Ländern möglich:

  • Bewusstseinsveränderung: Allen Akteuren muss klar sein, dass Bodenfruchtbarkeit in den Tropen durch alleinigen Einsatz von synthetischem Mineraldünger nicht erhalten wird bzw. verbessert werden kann.

  • Eine staatliche Subventionierung von Mineraldünger - vor allem von stickstoffhaltigem synthetischem Dünger - muss ein sofortiges Ende finden! Subventionen mögen zwar kurzfristig den Absatz erhöhen, sind aber allein gestellt weder ökologisch nachhaltig noch ökonomisch sinnvoll.

  • Mineraldüngereinsatz muss, wenn nötig, in ein standortgerechtes Konzept des Erhalts der Bodenfruchtbarkeit (Humusaufbau) eingebunden sein.

  • Die Nutzung von vor Ort vorhandenem organischem Dünger (Dung, Kompost) oder dem Recycling von städtischem Kompost muss gefördert werden.

  • Angepasste Hülsenfrüchte bzw. Zwischenfrüchte (Gründüngung), die auf natürliche Weise Stickstoff im Boden anreichern, sollten verstärkt in die Fruchtfolgen genommen werden.

  • Mechanische Bodenbearbeitung (Pflügen) sollte auf das minimal Notwendigste reduziert werden.

 

Dies alles kann durch die Unterstützung lokaler Gemeinschaften und den Ausbau regional angepasster, agrarökologischer Forschung gefördert werden.

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