Gummi ist aus unserem alltäglichen Leben nicht wegzudenken. Es ist der Grundstoff zahlreicher Produkte wie Matratzen, Yogamatten, Gummistiefel, Kondome, Förderbänder und insbesondere Autoreifen, welche ca. 75 Prozent des Gesamtkautschukbedarfs ausmachen.

Wofür brauchen wir Naturkautschuk?

Plantage © Thomas Cristofoletti / WWF-US
Plantage © Thomas Cristofoletti / WWF-US

Ein Teil des Gummis wird synthetisch auf Erdölbasis hergestellt. Ungefähr 40 Prozent des weltweit eingesetzten Gummis basiert jedoch auf Naturkautschuk, der aus dem Milchsaft (Latex) des Kautschukbaums gewonnen wird. Dieser natürliche Rohstoff hat entscheidende Vorteile gegenüber der künstlichen Alternative: Er ist deutlich elastischer und belastbarer und lässt sich daher bei einigen Produktgruppen wie Autoreifen nur teilweise ersetzen. Der weltweite Bedarf an Kautschuk wird stetig steigen. Die größte Nachfrage kommt aus China, gefolgt von Indien und der EU.

Woher kommt der wertvolle Rohstoff?

  • Der ursprünglich nur im Amazonasbecken in Südamerika vorkommende Kautschukbaum (Hevea brasiliensis) wird heute größtenteils in Asien angebaut.
  • Mehr als 90 Prozent des Naturkautschuks werden in Südostasien produziert. Wegen der spezifischen Ansprüche an Temperatur und Niederschlagsmengen gedeihen Kautschukbäume ideal in tropischen Regionen. Hauptanbauländer sind Thailand, Indonesien, Malaysia und Vietnam.
  • Dabei liegen 85 Prozent der Produktion in den Händen von Kleinbauern mit meist weniger als drei Hektar.
  • Die erste Ernte erfolgt nach fünf bis sieben Jahren, das Ertragsmaximum ist nach zwölf bis 15 Jahren erreicht. Auch das Holz wird danach wirtschaftlich für Möbel genutzt.

Waldzerstörung, Pestizideinsatz und Landraub – ökologische und soziale Probleme des Kautschukanbaus

Der Anbau von Naturkautschuk bleibt nicht ohne Folgen für die Natur. Um neue Flächen für den Anbau zu schaffen, wurden in der Vergangenheit bereits wertvolle Regenwälder gerodet – besonders im Zeitraum von 2012 bis 2014, als der Kautschukpreis sehr hoch war. Abholzung für neue Kautschukplantagen spielt zwar aufgrund des derzeit niedrigen Kautschukpreises und der ausreichenden Rohstoffverfügbarkeit zurzeit eine geringere Rolle, das kann sich jedoch schnell wieder ändern, sobald die Kautschukpreise wieder ansteigen. Die Entwaldung für den Anbau hat die Freisetzung großer Mengen von Treibhausgasen zur Folge und somit direkte Auswirkungen auf den Klimawandel. Ebenso gehen Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verloren.

Der überwiegende Teil des Naturkautschuks wird in Monokulturen angebaut. Je weniger Vegetation zwischen den Bäumen zu finden ist, desto einfacher ist die Ernte, das sogenannte Zapfen der milchigen Flüssigkeit. Zudem sind die Erträge bei mehr Bäumen pro Hektar höher. Diese Art des Anbaus geht jedoch mit einem hohen Pestizideinsatz einher, der negativen Einfluss auf Böden, Gewässer und Artenvielfalt hat. Außerdem ist in diesen Systemen der Boden nicht bedeckt, was zu Bodenerosionen führen kann. Durch den intensiven Einsatz synthetischer Düngemittel werden die Böden zunehmend degradiert.

Abholzung in Ost Kalimantan © Simon Rawles
Abholzung in Ost Kalimantan © Simon Rawles

Der Kautschukanbau hat oftmals auch negative soziale Auswirkungen zu Folge. Der Kautschuk-Boom führte zum Ausbau der Anbaufläche und der Vergabe von großflächigen Konzessionen für größere Plantagen. Dies passierte auf Kosten von Kleinbauern, die von ihrem Land vertrieben wurden. Schwache staatliche Institutionen, mangelnde Rechtstaatlichkeit und unklare Landrechte sind in vielen Anbauländern leider Realität; und die Kleinbauern haben kaum Möglichkeiten, ihre Rechte durchzusetzen oder eine Kompensation zu erhalten.

Zudem sind die Kleinbauern von den stark schwankenden Kautschukpreisen abhängig, die ihnen bei einem niedrigen Niveau kein existenzsicherndes Einkommen sichern. Ebenso werden Menschenrechtsverletzungen mit teilweise unwürdigen Arbeitsbedingungen bis hin zu Kinderarbeit auf industriellen Kautschukplantagen beobachtet.

Nachhaltiger Naturkautschuk

Gummi extrahieren © Nicolas Villaume / WWF US
Gummi extrahieren © Nicolas Villaume / WWF US

Kautschukbäume haben auch sehr positive Eigenschaften und Auswirkungen auf die Umwelt. Zum Beispiel können sie sehr viel Kohlenstoffdioxid aus der Luft binden und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Wesentlich ist, dass für den Anbau von Kautschuk keine Wälder oder andere natürliche Ökosysteme wie Torfböden oder Savannen zerstört werden.

Mit der richtigen Anbaumethode kann nachhaltiger Anbau von Naturkautschuk gut umgesetzt werden. Eine Möglichkeit ist der Anbau im naturnahen Agroforstsystem. Dabei werden Kautschukbäume gemeinsam mit anderen Baumarten wie Obst- und Holzbäumen kombiniert. Darunter wachsen verschiedene Kulturen wie beispielsweise Kaffee, Kakao oder auch Gemüse am Boden. Durch die Diversifizierung können sich Schädlinge nicht so schnell verbreiten. Die Bäume und Pflanzen profitieren voneinander. Sie spenden sich gegenseitig Schatten oder reichern den Boden mit Nährstoffen an. Derartige Systeme sind widerstandsfähiger, können Kohlenstoff binden und nutzen Ressourcen wie Wasser, Licht und Nährstoffe effizienter. Auch droht weniger Schädlingsbefall als bei Monokulturen, weshalb der Pestizideinsatz deutlich verringert, beziehungsweise ganz darauf verzichtet werden kann. Durch den Einsatz höherwertiger Setzlinge kann der Ertrag der Bäume zudem nachhaltig erhöht werden.

Workshop zur Kautschuk-Gewinnung © Hkun Lat / WWF Myanmar
Workshop zur Kautschuk-Gewinnung © Hkun Lat / WWF Myanmar

Auch besseres fachliches Wissen zu Pflege und Ernte kann die Erträge verbessern, beispielsweise die richtige Methodik des Anritzens oder der Einsatz von weniger Chemikalien, damit der Baum nicht beschädigt wird, die optimale Erntemenge erreicht werden kann und Gesundheitsrisiken minimiert werden können. Eine höhere Qualität und steigende Erträge wirken sich positiv auf das Einkommen und die Lebenssituation der Bauern aus. Die Diversifizierung der Anbausysteme sorgt ebenso für alternative Einkommensmöglichkeiten der Kleinbauern. Sollten die Kautschukpreise sinken, bleiben ihnen noch andere Anbauprodukte, die sie auf dem lokalen oder internationalen Markt verkaufen können.

Um einen nachhaltigen Anbau von Kautschuk zu gewährleisten, sollten die Landrechte der Kleinbauern gesichert sein, damit es sich für sie lohnt in das Land zu investieren und sie sich keine Sorgen machen müssen, dass ihnen das Land geraubt wird.

Um sicherzustellen, dass der Kautschuk nicht von entwaldeten Flächen stammt und soziale Missstände aufgedeckt werden können, ist eine physische und lückenlose Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe entlang der gesamten Lieferkette wichtig. Da Kautschuk viele Verarbeitungsschritte durchläuft, ist dies teilweise noch schwierig. Hierfür gibt es bereits viele Bestrebungen, die digitale Rückverfolgbarkeit zu verbessern, an denen auch der WWF beteiligt ist.  

Das tut der WWF

Gummilatex verladen © Hkun Lat / WWF Myanmar
Gummilatex verladen © Hkun Lat / WWF Myanmar

Multi-Akteurs-Partnerschaft (MAP) Kautschuk

Der WWF hat in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe ein Projekt ins Leben gerufen, mit dem Ziel die nachhaltige Produktion von Kautschuk in den Ländern Myanmar, Kambodscha und Thailand zu fördern. Um dies zu erreichen, gilt es alle relevanten Akteure der Kautschuklieferkette – Regierungen, Kleinbauern, Verarbeiter und Abnehmer – an einen Tisch zu bringen. Diese sogenannten Multi-Akteurs-Partnerschaften vereinbaren gemeinsam Ziele und Kriterien für eine gerechte und nachhaltige Kautschukproduktion und setzen länderspezifische Aktivitäten um. Konkret berät der WWF die Kleinbauern zu nachhaltigen Erntetechniken, zur Reduzierung von Pestiziden sowie zu naturnahen Agroforstsystemen. Darüber hinaus erarbeitet der WWF gemeinsam mit seinen Partnern Gesetzesvorlagen und Verpflichtungen für ökologisch und sozial verantwortlichen Kautschuk. Insbesondere die Verhandlungsmacht der Kleinbauern wird gestärkt, um ihren Erfahrungen und Herausforderungen Gehör zu verschaffen. Das Projekt erhöht die Transparenz, woher der Kautschuk kommt und unter welchen Bedingungen dieser produziert wurde.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

Global Platform for Sustainable Rubber (GPSNR)

Auf internationaler Ebene engagiert sich der WWF beim Globalen Runden Tisch für Nachhaltigen Kautschuk (GPSNR). Der Runde Tisch vereint Mitgliedsunternehmen (zum Beispiel der Autoindustrie, Händler, Kautschukproduzenten etc.), die sich dazu verpflichten, zwölf Prinzipien des fairen, sozial verantwortlichen und ökologisch verträglichen Naturkautschuks in ihren Einkaufspraktiken und ihren Lieferketten zu verankern. Neben der Einhaltung von Menschenrechten, Verbesserung der Lebensbedingungen von kleinbäuerlichen Produzenten und dem Schutz der Ökosysteme gehören auch Dokumentationspflichten und die regelmäßige Überprüfung der Fortschritte dazu. Der WWF, weitere Nichtregierungsorganisationen sowie Kleinbauern sind ebenfalls Mitglieder dieser Plattform und setzen sich für eine hohe Standardsetzung der Prinzipien ein.

  • Das "Grüne Dorf" Melemba in Westkalimantan © WWF Indonesia „Grüne Dörfer“ in Westkalimantan

    Viele zivilgesellschaftliche, staatliche und privatwirtschaftliche Akteure in Indonesien möchten der Entwaldung ein Ende setzen, die Situation für die Orang-Utans verbessern und die einzigartige Biodiversität der Region schützen. Weiterlesen...

  • Hügellandschaft Batang Ai © Hari Arti Khalsa / WWF "Green Economy" im Herzen von Borneo

    Die Wälder der Insel Borneo gehören zu den artenreichsten dieses Planeten und beheimaten eine Vielzahl seltener Wildtierarten. Doch dieses Ökosystem gerät immer mehr unter Druck. Weiterlesen...

  • Palmfrüchte © Jürgen Freund / WWF Palmöl

    Etwa jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. Es findet sich in Nutella & Co., Tütensuppen, Cremes, Waschmitteln, Lippenstift und Keksen - und natürlich im Biosprit. Weiterlesen...