Es gibt Grund zur Hoffnung für die Wälder und die Artenvielfalt auf Borneo. Viele zivilgesellschaftliche, staatliche und privatwirtschaftliche Akteure in Indonesien möchten der Entwaldung ein Ende setzen, die Situation für die Orang-Utans verbessern und die einzigartige Biodiversität der Region schützen. Sie alle ziehen an einem Strang und sind bereit, neue Wege zu gehen – damit Mensch und Natur in eine bessere Zukunft blicken.

Der Ansatz des WWF auf diesem Weg: „Grüne Modelldörfer“. Sie sollen zeigen, wie gute Lebensbedingungen und Naturschutz Hand in Hand gehen. Bei ihrer Entwicklungsvision überlegen die Dörfer, auf welche „Umweltleistungen“ sie angewiesen sind. Beispiele dafür sind die Wasserversorgung, die Nutzung der Gewässer als Fischgründe oder die Ernte von Naturprodukten aus dem Wald. Und sie behalten dabei immer im Blick, auf welche „Umweltleistungen“ die Wildtiere angewiesen sind.

Sie berücksichtigen ebenfalls den Klimawandel und wie dieser die Lebensbedingungen vor Ort beeinträchtigen kann.

So werden die Lebens- und Einkommensverhältnisse der Menschen verbessert, ohne die Ökosysteme und die Wasserqualität zu beeinträchtigen. Um diese Ziele zu erreichen, wurden beispielsweise Wasserschutzgebiete und Schutzwälder für den Orang-Utan-Tourismus ausgewiesen. 

Langfristig für den Artenschutz

Illipenussbutter © WWF Indonesia
Illipenussbutter © WWF Indonesia

In einem über drei Jahre angelegten Projekt unterstützte der WWF Deutschland fünf Dörfer bei ihren Entwicklungsplänen und initiierte grüne Geschäftsmodelle, um die Vision von „grünen Dörfern“ in die Tat umzusetzen. Seit 2018 baut das WWF-Projektteam darauf auf und geht einen Schritt weiter: Es unterstützt drei Dörfer dabei, langfristige Entwicklungspläne und Raumordnungspläne mit einer Laufzeit von 20 Jahren zu entwickeln.

Natur- und Artenschutz kann dabei nur gelingen, wenn sich die Lebenssituation der Menschen vor Ort verbessert. Möglich wird das zum Beispiel über „grüne Geschäftsmodelle“, wie zum Beispiel nachhaltige Süßwasserfischerei, nachhaltige Kautschukproduktion und Ökotourismus. Zudem testet der WWF Deutschland gemeinsam mit lokalen Unternehmen das Potenzial für Illipenüsse, ein Naturprodukt, das auch für die Kosmetikindustrie interessant ist. Ergänzend dazu arbeitet der WWF Deutschland im Green Economy Projekt.

Erfolge sind bereits zu sehen

Entwicklungspläne sind auch eine wesentliche Voraussetzung, um Fördermittel bei der indonesischen Regierung oder bei den Distrikten zu beantragen. Die ersten Maßnahmen waren erfolgreich:

  • Zwei Dorfverwaltungen stellten finanzielle Mittel bereit, die für den Bau eines Fischtrocknungslagers und eines Illipenuss-Trocknungslagers genutzt werden.
  • Die nationale Regierung verpflichtete sich, Infrastruktur für Ökotourismus in Melemba zu unterstützen.
  • Der Betung-Kerihun-Danau-Sentarum-Nationalpark sagte zu, den Aufbau von entsprechenden Kapazitäten zu unterstützen.
  • Das Distriktgesundheitsamt unterstützte den Antrag, ein Gesundheitszertifikats für die Fischprodukte in Melemba einzuführen.
  • In einem der Dörfer konnte Ende 2019 ein langjähriger Grenzkonflikt mit einem Nachbardorf gelöst werden – einer der positiven Nebeneffekte des Projektes.

Nachhaltigkeit in den lokalen und indigenen Dörfern kann nur stattfinden, wenn traditionelles Wissen, das Wissen um Umweltdienstleistungen und Klimawandelanfälligkeit in ihrer Regierungsführung berücksichtigt werden. Der WWF Deutschland bezieht all diese Faktoren ein und zielt mit seiner Arbeit darauf ab, über die Modelldörfer hinaus die Menschen zu erreichen, damit auch andere Dörfer von den Erfahrungen aus den „Grünen Dörfern“ profitieren.

Ein historischer Rückblick

Der WWF Deutschland setzt sich seit 2004 für den Erhalt der Biodiversität im westlichen Teil Borneos ein. Die Entwaldungszahlen waren damals hoch – die Holzmafia verdiente Milliarden mit der illegalen Abholzung. Von 1985 bis 2007 gingen pro Jahr rund 8.600 Quadratkilometer Wald verloren.

Dem setzte die Regierung Indonesiens erfolgreich ein Ende: 2007 unterschrieben die Forstminister Indonesiens, Malaysias und Bruneis die „Heart of Borneo“-Erklärung, um den Regenwald nachhaltig zu schützen.

Viele Menschen bezogen allerdings ihr Einkommen in der Holzwirtschaft. Deswegen fokussierte sich der WWF in den folgenden Jahren unter anderem darauf, nachhaltige Einkommensmöglichkeiten für die Menschen vor Ort zu fördern, zum Beispiel durch di Entwicklung von Ökotourismus.

 

Finanziert wurde das 3-jährige Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über „Engagement Global“, ein Service für Entwicklungsinitiativen.

  • Orang Utan mit Nachwuchs © naturepl.com / Anup Shah / WWF Borneo und Sumatra

    Die Inseln Borneo und Sumatra sind mit ihren tropischen Regenwäldern der letzte Lebensraum für viele Arten. Weiterlesen ...