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Stand: 17.08.2018

WWF-Report Speiseeis: Like Ice in the Sunshine...

Palmöl ist in aller Munde – mit all seinen negativen Begleiterscheinungen wie der Rodung von Regenwäldern, der Bedrohung von Orang-Utans, Elefanten und Tigern, Landvertreibungen und schlechten Arbeitsbedingungen. Das Pflanzenöl steht als einer der Haupttreiber für die Entwaldung, insbesondere in Indonesien und Malaysia, seit Jahren im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung und Kritik.

Eis © Getty Images
Eis © Getty Images

Unternehmen setzen vermehrt alternative Pflanzenöle und Fette an seiner Stelle ein. Aber: Werden dabei auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt oder geht es nur darum, sich schnell der öffentlichen Kritik zu entziehen?

694,1 Millionen Liter Eis

Auch die Eisindustrie schreibt sich auf die Fahne, kaum (noch) Palmöl einzusetzen. Ein Grund für den WWF Deutschland, einen genaueren Blick auf die Eisproduktion in Deutschland und die großen deutschen Eishersteller und –verkäufer zu werfen. 2,07 Milliarden Euro Umsatz hat die Eisbranche im Jahr 2017 laut ihrem Verband gemacht. 694,1 Millionen Liter Eis wurden letztes Jahr in Deutschland konsumiert, das sind 7,9 Liter pro Kopf und Jahr. Kokosöl hat den größten Anteil an Pflanzenölen und Fetten bei der Eisproduktion. Das Verhältnis Kokosöl zu Palmöl liegt zum Beispiel bei etwa neun zu eins.

 

Unsere Kernfrage: Beachtet die Eisindustrie beim Einsatz seiner Pflanzenöle, wie dem Kokosöl, ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien?

Palmöl © James Morgan / WWF
Palmöl © James Morgan / WWF

Nachhaltigkeit nur bei Palmöl?

Die Ergebnisse sind mehr als ernüchternd. Keines der befragten Unternehmen gibt an, zertifiziertes Kokosöl einzusetzen oder besondere ökologische und soziale Anforderungen an seine Lieferanten zu stellen. Fehlt öffentlicher Druck, werden Nachhaltigkeitsanforderungen anscheinend von den Unternehmen nicht oder kaum beachtet. Während alle Unternehmen angeben, bei Palmöl zertifizierte Ware einzusetzen, sucht man bei allen anderen Ölen und Fetten inklusive Sahne und Milchfett vergeblich nach Nachhaltigkeitsanforderungen. Lediglich bei der Kakaobutter achten einige wenige

befragte Einzelhändler wie Rewe, Edeka, Lidl auf UTZ- und/oder Fairtrade-Zertifizierung.

Ganzheitliches Umdenken ist gefragt

Es ist unerklärlich, warum insbesondere an Kokosöl, das teilweise in den gleichen Ländern wie das viel diskutierte Palmöl angebaut wird, keine Anforderungen gestellt werden. Es ist sowohl konventionelles Kokosöl, das nach den Kriterien von Rainforest Alliance zertifiziert ist, als auch Bio- und Fairtrade-Ware erhältlich. Warum setzen die Eishersteller dieses nicht ein?

 

Nachhaltigkeit ist kein kurzfristiger Trend, sondern muss zu einem ganzheitlichen Umdenken führen. Unternehmen dürfen nicht nur Anforderungen an die eine Zutat stellen, die gerade im Fokus der Öffentlichkeit steht, oder diese ersetzen.

 

Die Anbaubedingungen vor Ort müssen dringend verbessert werden. Und die Kleinbauern, sowohl im Kokosanbau als auch bei Palmöl, benötigen dringend Unterstützung. Beim Einsatz von jeglichen Pflanzenölen, egal ob aus Übersee oder aus heimischem Anbau, sollten strenge ökologische und soziale Kriterien erfüllt werden. Wie so oft zeigt die Biobranche den Weg. Sie hat auch im Kokosanbau vorbildliche Projekte mit Kleinbauern.

Ist jedes Eis ein Genuss? © Getty Images
Ist jedes Eis ein Genuss? © Getty Images

Welches Eis kann man im Sommer guten Gewissens genießen?

Leider achtet keiner der befragten Eishersteller und –verkäufer auf soziale und ökologische Standards beim Einsatz von Kokosöl, aber es gibt mittlerweile viele leckere Eissorten mit Bio- und oder Fairtrade-Zertifizierung und auch viele Eisdielen machen ihr Eis selbst und achten auf Bio-Zutaten. Fragen Sie doch mal nach.


Ansonsten hat die Firma Rapunzel leckere Rezepte für Kokoseis am Stiel – das kann jeder mit bio- und fair produziertem Kokosöl selbst herstellen.

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