Waldbrände zählen in vielen Regionen der Welt zu den ganz natürlichen Prozessen. Doch es gibt eine äußerst bedenkliche Kehrseite von Waldbränden: Immer dann, wenn Waldbrände zu heftig, am falschen Ort, zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt oder zu häufig auftreten, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass das Ökosystem durch menschliche Eingriffe aus den Fugen geraten ist. In diesen Fällen stellen Waldbrände eine ernsthafte Bedrohung für Mensch und Natur dar.

Generell gilt: Weltweit haben nur etwa vier Prozent aller Waldbrände natürliche Ursachen wie beispielsweise Blitzeinschlag. In allen anderen Fällen ist der Mensch – sei es direkt oder indirekt, sei es fahrlässig oder vorsätzlich – verantwortlich für den Brand. Der WWF ist auf fast allen Kontinenten gegen Waldbrände im Einsatz. Sehen Sie hier eine Übersicht, wo Waldbrände auftreten und welche speziellen Anforderungen die Gebiete an unsere Arbeit setzen.

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Amazonasregion

Amazonas in Flammen © Day´s Edge Productions / WWF-US
Amazonas in Flammen © Day´s Edge Productions / WWF-US

Für das Amazonasbecken, das größte Regenwaldgebiet der Erde, in dem Waldbrände gezielt gelegt werden, um zum Beispiel neue landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Soja oder für die Viehbeweidung zu gewinnen, wird befürchtet, dass das regionale Klima ab einem bestimmten Umfang des Waldverlusts zusammenbrechen wird. Die dadurch entstehende Trockenheit verbunden mit weiteren Waldbränden wird die Degradierung des Regenwaldes weiter vorantreiben. Der Amazonas­Regenwald würde sich vom Kohlenstoffspeicher zur Kohlenstoffquelle verwandeln. Bis zum Jahr 2030 könnten in Amazonien 55 Prozent des Regenwaldes vernichtet oder stark beschädigt sein. Dies wiederum hätte erhebliche Auswirkungen auf das globale Klima und die weltweite Artenvielfalt – ein Teufelskreis. Gegenwärtig beträgt der Waldverlust fast 20 Prozent, weitere 17 Prozent der Regenwaldfläche sind durch menschliche Eingriffe degradiert.

Waldbrände im Amazonasgebiet haben so gut wie nie natürliche Ursachen. Tropische Gewitterstürme werden von heftigen Regenfällen begleitet, sodass eine Entzündung durch Blitzeinschlag äußerst unwahrscheinlich ist. Die Waldbrände und die damit einhergehende Waldzerstörung sind vielmehr auf die Umwandlung in zumeist landwirtschaftliche Flächen zurückzuführen. Zunächst wird der Regenwald von Holzfirmen erschlossen und das vermarktungsfähige Holz eingeschlagen. Durch die Lücken im Kronendach dringt das Sonnenlicht bis auf den Boden, trocknet den Rest aus und bringt den Schatten gewohnten Unterwuchs zum Absterben. Dadurch werden die verbleibenden Waldreste anfälliger für Feuer. Auf den Straßen, die von den Holzfirmen errichtet wurden, ziehen Siedler nach und beginnen mit der Brandrodung. Kleinbauern werden meist vertrieben und das Land zunächst für Rinderzucht genutzt. 70 Prozent der gesamten entwaldeten Fläche sind Weideflächen für Rinder. Die Rinderzüchter werden ihrerseits durch den Sojaanbau immer weiter in den Amazonas gedrängt.

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Pantanal

Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien
Feuer in Bolivien © Suri Rolando Cabrera Barea / WWF Brasilien

Im Pantanal wurden die höchste Anzahl an Bränden in den letzten 10 Jahren verzeichnet. Die Situation scheint außer Kontrolle. Im August diesen Jahres erreichte das Feuer bereits eine Fläche von 1,8 Mio Hektar – das sind 12% des gesamten Pantanals. Und die Tendenz ist weiter steigend: In den ersten zwei Wochen im September wurden 5300 Feuer Hotspots gemessen, fast so viele wie im ganzen August (5935).

Der September wird der Monat mit der größten Anzahl an Hotspots im Pantanal seit Beginn der Überwachung im Jahr 1998“ so Mariana Napolitano vom WWF Brasilien.

Besonders betroffen sind auch Schutzgebiete – Rückzugsorte vieler bedrohten Arten. So gilt der Staatspark Encontro das Águas als das größte Jaguarschutzgebiet der Welt, und ist nun zu über 80% von den Bränden betroffen. Auch die blauen Aras, die laut IUCN als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft sind, haben ein wichtiges Rückzugsgebiet verloren: das größte RPPN (Private Reserve of Natural Heritage) im Zentralwesten Brasiliens (mit mehr als tausend Quadratkilometern), das dieser Art als Schlafplatz dient und Dutzende von Nestern (natürliche und künstliche) beherbergt.

Napolitano weist darauf hin, dass selbst die überlebenden Tiere eine viel geringere Verfügbarkeit von Nahrung haben werden. Zusätzlich sind die Luft und die Wasserläufe verschmutzt – ein zusätzliches Problem.

Nordamerika/Kalifornien

Waldbrand erreicht Wohnhäuser, Malibu, Kalifornien © David McNew / Stringer / Getty Images
Waldbrand erreicht Wohnhäuser, Malibu, Kalifornien © David McNew / Stringer / Getty Images

In Nordamerika sind Waldbrände natürliche Phänomene, die regelmäßig stattfinden. Die Wälder im Westen der USA und die borealen Wälder Kanadas sind von periodisch auftretenden Waldbränden abhängig, um sich verjüngen zu können. Im letzten Jahrhundert stieg allerdings die Intensität der Brände in vielen Gebieten der westlichen USA dramatisch an und bedroht nun Menschen und Wildtiere in der Region. 2015 ging als eines der schlimmsten Waldbrandjahre in der Geschichte der USA ein. 4,1 Mio. ha verbrannten – die größte Waldbrandfläche seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die Mehrheit der Brände in den USA wird von Menschen verursacht. Zwischen 2001 und 2014 wurden im nationalen Durchschnitt 85 Prozent der Waldbrände von Menschen ausgelöst. 15 Prozent der Brände hatten Blitzschlag als natürliche Ursache – allerdings variiert dies je nach Region. In manchen Gebieten im Westen der USA sind Blitzeinschläge der hauptsächliche Auslöser von Waldbränden.

Der Klimawandel verschärft die Situation weiter und wird für den sprunghaften Anstieg der Waldbrände seit Mitte der 1980er-Jahre verantwortlich gemacht: Die Waldbrandsaison verlängert sich, häufige Dürreperioden schwächen die Wälder und machen sie anfälliger für Brände.

Deutschland

Rauchschwaden über Brandenburg © Stiftung Naturlandschaften Brandenburg
Rauchschwaden über Brandenburg © Stiftung Naturlandschaften Brandenburg

In Deutschland ist besonders das Bundesland Brandenburg von Waldbränden betroffen, mit einem Schwerpunkt in den Kiefernwäldern südlich von Berlin. Diese besondere Waldbrandgefährdung erklärt sich aus den klimatischen Bedingungen: Brandenburg ist das regenärmste Bundesland. Charakteristisch sind dessen lockere Sandböden, die Niederschläge kaum speichern. Der hohe Kieferanteil von 70 Prozent erhöht das Waldbrandrisiko zusätzlich. Kiefernwälder gelten als besonders brandanfällig, weil deren Hölzer reich an ätherischen Ölen und Harzen sind. Die meisten Waldbrände in Deutschland werden vorsätzlich oder fahrlässig durch Menschen verursacht, fahrlässig verursachte Waldbrände gehen überwiegend auf das Konto von Campern, Waldbesuchern oder Kindern. Für das Jahr 2014 lassen sich nur 6 Prozent der Waldbrände in Deutschland auf natürliche Ursachen wie Blitzeinschlag zurückführen.

Australien

Buschfeuer in Australien © Adam Dederer
Buschfeuer in Australien © Adam Dederer

In den meisten Landesteilen Australiens zählen Wald- und Buschbrände zu den natürlichen Phänomenen. Jedes Jahr verbrennen in den tropischen Savannen und Graslandschaften des nördlichen Landesteils gewaltige Flächen. Im Süden Australiens sind die Brände, was ihre Fläche betrifft, weitaus kleiner. Die Schäden, die die Brände im dicht besiedelten Süden Australiens verursachen, sind jedoch erheblich größer als jene im weitgehend menschenleeren Norden. Selbst in den gemäßigten Regenwäldern Westtasmaniens, in denen sich unter normalen klimatischen Bedingungen kaum ein Feuer ausbreiten kann, kam es 2016 zu verheerenden Flächenbränden, die ein einzigartiges feuerempfindliches Ökosystem bedrohten. Mit dem Klimawandel wird die Zahl der heißen, trockenen Tage in Südaustralien zunehmen, in denen ein hohes Waldbrandrisiko besteht.

Blitze als natürliche Ursache können in manchen menschenleeren Regionen Australiens für bis zu einem Viertel der Brände verantwortlich sein, spielen aber, betrachtet man ganz Australien, eine untergeordnete Rolle. Vorsätzlich von Brandstiftern gelegt werden 13 Prozent der Brände, bei weiteren 37 Prozent besteht der Verdacht auf Brandstiftung – zusammen also die Hälfte der Brandfälle. Noch einmal 35 Prozent der Brandfälle gehen auf Fahrlässigkeit zurück.

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Russland

Nach dem Brand © Global Warming Images / WWF
Nach dem Brand © Global Warming Images / WWF

In Russland sind besonders die Mitte und der Osten des Landes betroffen, wo gewaltige Waldbrände meist in abgelegenen Gegenden wüten. Obwohl dabei jedes Jahr mehrere Millionen Hektar Wald verbrennen, finden diese Brände kaum Beachtung. Wenn hingegen wie 2010 der dicht besiedelte Westen Russlands rund um die Hauptstadt Moskau betroffen ist, sind trotz einer weitaus geringeren Brandfläche die Auswirkungen der Brände sehr viel größer. Auch in Russland wird der überwältigende Teil der Waldbrände vom Menschen verursacht. 72 Prozent der Waldbrände in Russland sind auf fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen. Weitere 7 Prozent werden durch den Einsatz von Feuer in der Landwirtschaft verursacht. 14 Prozent haben andere Ursachen, wie zum Beispiel Funkenflug durch Eisenbahn oder Stromleitungen. Blitzschlag als natürliche Ursache war dagegen nur in 7 Prozent Auslöser der Waldbrände. Nur in den dünn besiedelten Gebieten im Norden Russlands lassen sich Waldbrände vielfach auf Blitzschläge zurückführen. Die Waldökosysteme Russlands sind in weiten Teilen an das periodische Auftreten von Bränden angepasst. Mittlerweile allerdings kommt es erheblich häufiger zu Waldbränden. Dies hat gravierende ökologische Folgen und führt in manchen Landesteilen zu einer Versteppung.

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Mittelmeerraum

Verbrannte Bäume in der Türkei © Michel Gunther / WWF
Verbrannte Bäume in der Türkei © Michel Gunther / WWF

Kleinflächige Brände gibt es im Mittelmeerraum seit antiker Zeit. Sie sind Teil der natürlichen Dynamik oder werden als Instrument zur Be-wirtschaftung der Naturressourcen eingesetzt. In den letzten Jahr-zehnten haben Anzahl und Ausmaß der Brände besorgnis-erregend zugenommen. Jedes Jahr brennt es dort mindestens 50.000-mal. Die Waldbrände sind fast ausschließlich – ob fahrlässig oder absichtlich – das Werk von Menschen. Immobilienspekulation und Baulandgewinnung, aber auch Jagd und Weidewirtschaft stehen in Zusammenhang mit vorsätzlich gelegten Waldbränden. Dazu kommen extreme Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten und degradierte Wälder, in denen sich kleine Feuer rasend schnell verbreiten können. Im seltensten Fall hatten die Brände natürliche Ursachen.

Seit dem Jahrtausendwechsel haben die Mittelmeerländer mit einem neuen Phänomen zu kämpfen, den sogenannten Mega-Waldbränden: Es entstehen wahre Feuerstürme, die nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden können. Sie enden erst, wenn sich die Wetterbedingungen ändern oder dem Feuer die Nahrung ausgeht. Mit dem Klimawandel und den damit einhergehenden Extremwetter-Ereignissen verschärft sich das Waldbrandrisiko im Mittelmeerraum zusätzlich.

Südostasien

Waldbrand auf Borneo © Alain Compost / WWF
Waldbrand auf Borneo © Alain Compost / WWF

In Südostasien ist die Vegetation nicht von Natur aus an Feuer angepasst. Waldbrände haben hier immer zerstörerische Wirkung. Von jeher nutzen die Einheimischen Feuer beim Brandrodungsfeldbau, um mit der Asche die Felder mit kurzfristigem Effekt zu düngen. Bei geringer Bevölkerungsdichte bleibt dem Wald genügend Zeit, sich zu regenerieren. Jedoch wächst der Druck auf die Wälder der Region durch Bevölkerungswachstum und verstärkt durch große Industrien, die Flächen zum Anbau von billigen Rohstoffen wie Palmöl oder Zellstoffholz erwerben.

Feuer wird meist gezielt eingesetzt, um die zuvor gerodeten Parzellen von Holzresten und Vegetation zu befreien. In ungewöhnlichen Trockenperioden halten diese Brände über Monate an und nehmen zum Teil gigantische Ausmaße an. So brachte beispielsweise der El Niño­-Effekt 2015 eine extreme Dürrephase mit sich, in deren Folge es von Ende Juni bis November zu schlimmen Waldbränden in Indonesien kam. Die Rauchschwaden beeinträchtigten die Umwelt und die Gesundheit der Menschen. Durch die Waldbrände in Indonesien wurden 2015 fast doppelt so viele Treibhausgase freigesetzt, wie Deutschland im Jahr 2014 emittierte.

Seit 1990 verlor Indonesien 27,5 Mio. ha Wald durch Abholzung, Brände und Umwandlung in Holz-, Papier- und Ölpalmplantagen. Dies entspricht in etwa der zweieinhalbfachen Waldfläche Deutschlands. Aus Sicht des internationalen Klimaschutzes kommt den Torfmoorwäldern in Südostasien eine besondere Rolle zu. Bei ihnen handelt es sich nämlich um die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher der Tropen. Bei Trockenlegung, zum Beispiel für den Ölpalmenanbau, sind sie durch nachfolgende Brände besonders gefährdet, denn der ausgetrocknete Torf ist ein idealer Brennstoff. Da diese Wälder im Untergrund enorme Mengen Kohlenstoff speichern, werden sie bei der Zerstörung durch Feuer innerhalb kurzer Zeiträume zu einer gigantischen Emissionsquelle für das Treibhausgas Kohlendioxid.

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