Eisige Temperaturen bis weit unter den Gefrierpunkt, nur ein kurzer kühler Sommer, widrigste Bedingungen und doch Grün in Grün: Die Borealen Wälder ziehen sich als grüner Gürtel rund um unsere Nordhalbkugel und sind die größten zusammenhängenden Wälder der Erde. Rentierherden, Braunbären und Luchse durchstreifen vielfach noch ungestört eine weltweit einzigartige Waldlandschaft.

Rund um den Globus

Karte der Vegetationszone der Borealen Wälder © CC-BY-SA 3.0 / Ökologix
Karte der Vegetationszone der Borealen Wälder © CC-BY-SA 3.0 / Ökologix

Weiter nördlich wachsen keine Bäume mehr. Der Boreale Wald – auch Borealer Nadelwald oder Taiga genannt – ist weltumspannend die nördlichste Waldform der Erde und erstreckt sich von Alaska über Kanada und Skandinavien bis nach Sibirien. Der Begriff „boreal“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „nördlich“. Die zum Teil noch unerschlossenen und schwer erreichbaren borealen Wälder Russlands und Kanadas sind die größten noch verbliebenen Urwälder der Erde. Angesichts ihrer Ausmaße erstaunt es, wie wenig die Wälder des hohen Nordens und ihre Bedeutung in unserem Bewusstsein verankert sind. Boreale Wälder machen mehr als ein Drittel der weltweiten Waldfläche aus und sind der dominante Waldtypus der nördlichen Hemisphäre.

Wo Wachsen schwierig ist

Gebirge und felsige Schluchten, Feuchtgebiete und Moore, moosiges Grün und wenig Licht in der kalten Jahreszeit. Dazu lange, bisher schneereiche Winter mit Temperaturen von stellenweise bis zu minus 70 Grad, eisige Winde und kurze Wachstumsperioden. Das halten nicht viele Baumarten aus. Die Vegetationszone der Borealen Wälder ist deshalb geprägt von vier Nadelholz-Gattungen: Kiefern, Fichten, Tannen und Lärchen. In manchen Regionen Skandinaviens und Sibiriens wachsen auch Birken. Boreale Wälder gelten somit als eher artenarm und sind doch ein charakteristischer und einzigartiger Lebensraum unserer Erde.

Eine Welt aus Feuer und Eis

Larch taiga in the mountain region of Yakutia.
Boreal Forest

Besonders im nördlichen Teil der Borealen Wälder ist der Boden das ganze Jahr über gefroren - sogenannter Permafrostboden - und taut im Sommer nur oberflächlich auf. Hier gedeihen vor allem Flachwurzler wie Fichten und Lärchen. Dem flachen und dafür umso dichteren Wurzelteppich der Sibirischen Lärche reichen 20 bis 30 Zentimeter Bodentiefe. Lärchen verlieren außerdem im Winter ihre Nadeln und können so Temperaturen von minus 50 Grad und niedriger überleben.

Die schwer zersetzbaren Nadeln der Lärchen bilden eine beständige Streuschicht auf dem Waldgrund und auch der Mineralboden der immergrünen Taigawälder ist durch eine dicke Humusschicht bedeckt, deren Zersetzungsprozesse durch die klimatischen Bedingungen nur langsam ablaufen. Erst regelmäßige Feuer setzen Nährstoffe wieder frei und lassen Pflanzensamen bis zur Erde durchdringen. Die meist durch Blitzeinschläge periodisch auftretenden Feuer sind deshalb natürlicher Bestandteil der borealen Ökosysteme. Im Zuge des Klimawandels und damit einhergehender größerer Trockenheit aber mehren sich die Feuer in ungesundem Ausmaß.

Eisiger Grund: Über und unter der Erde der Taiga

Die Böden der borealen Zone sind uneben, sandig, nährstoffarm und sauer. Ihr Untergrund ist oft felsig und wechselndes Gefrieren und Auftauen führt zu Erhebungen und Senken, sogenannten Frostmustern. Dort wo Schmelzwasser nicht versickern oder abfließen kann, bilden sich Staunässe und Überschwemmungsflächen, dicke Torfschichten und Moore.

Unter der Erde versorgen gigantische Pilzgeflechte die Baumwurzeln mit Nährstoffen, die sie selbst nicht aus dem Boden ziehen können. Auf dem Waldboden wachsen Flechten, Moose, Lebenskünstler unter den krautigen Pflanzen wie Siebenstern, Moosglöckchen oder Bärlapp und Zwergsträucher wie Heidelbeeren, Preiselbeeren oder Hartriegel.

Lebensraum Taiga: Die Tiere der Borealen Wälder

Die weitläufigen Waldkomplexe der Taiga geben Raum für die jahreszeitlichen Wanderungen der Waldrentiere, in Nordamerika Wald-Karibus genannt. Wölfe durchstreifen Reviere bis zu mehreren 1000 Quadratkilometern. Auch Braunbären, Luchsen und Elchen bieten die Wälder noch ungestörten Lebensraum. Viele der Tierarten aus den borealen Wäldern Eurasiens haben in Nordamerika ihr Pendant, da sie während der Eiszeiten den Weg über die Beringbrücke zwischen Ostsibirien und Alaska gefunden haben. Die Landbrücke entstand mehrfach durch den Rückgang des globalen Meeresspiegels.

Boreale Wälder: Wertvoll auch für die Wirtschaft

Die Borealen Wälder erstrecken sich über etwa 15 Millionen Quadratkilometer Fläche, sind der größte zusammenhängende Waldkomplex der Erde und eine eigene Biosphäre. Gleichzeitig sind sie von enormem wirtschaftlichem Wert. Rund 90 Prozent des globalen Papier- und Schnittholzbedarfs werden aus ihnen gedeckt. In der Folge sind die Wälder bereits vielfach stark fragmentiert, werden systematisch übernutzt und die vorhandenen Urwälder zerstört. 

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