Vier junge Schneeleoparden erkunden vorsichtig schnuppernd ihre Umgebung. Neugierig sehen sie dabei direkt in eine Kamerafalle des WWF in der Mongolei. Eine Sensation: Nie zuvor wurde eine Vierlingsgeburt bei Schneeleoparden dokumentiert. Bis derartige Aufnahmen gelingen, ist es ein langer Weg. Doch die meiste Arbeit beginnt erst danach.

Jedem Seufzer folgen: Schneeleoparden auf der Spur

Wie ein lang gezogenes Heulen klingt der Ruf des Schneeleoparden. Die weiß gemusterten Raubkatzen leben in extremen Höhen und äußerst unwegsamem Gelände. Sie sind die am wenigsten erforschten Großkatzen der Erde – und die am stärksten bedrohten. Doch schützen kann man nur, was man kennt. 

Wo finden sich Kratzspuren, Kot und Pfotenabdrücke? Wo wurden Schneeleoparden gesichtet oder gehört? Hunderte Ranger, Wissenschaftler:innen und Freiwillige folgen seit Jahren buchstäblich jedem Seufzer der seltenen Katzen in den Bergen der Mongolei. Die aufwendige Arbeit im Feld ist Voraussetzung, um Kamerafallen überhaupt richtig platzieren zu können. 
 

  • Drei Katzen - drei Kontinente - drei große Gefahren

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Biomonitoring: High-Tech im Gebirge

Schneeleopard in der Mongolei © naturepl.com / Valeriy Maleev / WWF
Schneeleopard in der Mongolei © naturepl.com / Valeriy Maleev / WWF

Anhand ihrer Fellzeichnung lassen sich Schneeleoparden wie alle Katzen eindeutig unterscheiden. Tausende Fotos und Videos aus Kamerafallen in der Mongolei wurden auf dieser Grundlage ausgewertet. Computergestützte Geländemodelle errechneten zuvor, wo Schneeleoparden vorkommen können und mit welcher Wahrscheinlichkeit sie hier leben. Dafür wurden in mehreren, langen Expeditionen auch 15 der scheuen Tiere besendert. Heute steht eines der wichtigsten Ergebnisse fest: Die Mongolei beherbergt die zweitgrößte Schneeleoparden-Population der Welt – und diese ist dank Schutzbemühungen stabil.

Jaguare im Internet: Schutzarbeit in Costa Rica

Am anderen Ende der Welt öffnet Anwohnerin Yolanda Rodriguez Corrales eine Kamerafalle im dichten Regenwald Costa Ricas: „Jedes Mal, wenn ich mit der Speicherkarte einer Kamerafalle zurück an meinen Computer komme, sehe ich eine Fülle an Leben. Ich sehe den Reichtum der Natur als Zukunft vieler Menschen.“ Yolandas Heimat ist auch Heimat der größten und geheimnisvollsten Katze Amerikas, des Jaguars. Seine Aufnahmen aus den Kamerafallen sensibilisieren die Bevölkerung und verschaffen den abgelegenen Gemeinden ein Einkommen als Alternative zu Jagd, Wilderei und illegaler Abholzung. Nicht nur, dass die Gemeindemitglieder wichtige Daten zum Biomonitoring der Jaguare liefern. Sie veröffentlichen die Einblicke in ihren Dschungel im Internet und konnten so den Ökotourismus in ihrer Region stärken. 

Enorme Datenmengen

Kamerafallen sind heute das wichtigste Instrument zur Erforschung schwer fassbarer, seltener Arten, die versteckt, verstreut und häufig nachtaktiv in schwierigem Gelände leben. Lichtschranken, Bewegungsmelder oder Infrarotsensoren lösen die Aufnahme aus, sobald ein Tier in das Sichtfeld gerät. Teilweise senden die Kameras ihre Daten sofort per Mail oder Handy beispielsweise an die zuständigen Ranger, um so Wilderer auf frischer Tat zu ertappen, Tiere medizinisch zu versorgen oder auch besendern zu können. 

Zum Schutz der verbliebenen Jaguar-Bestände hat der WWF im gesamten Amazonasgebiet und weiteren wichtigen Regionen Südamerikas hunderte Kamerafallen installiert. Diese liefern enorme Datenmengen, deren zeitintensive Auswertung Wochen und Monate dauern kann. Denn bis heute gibt es keine zuverlässige Software, die eine Analyse durch das menschliche Auge ersetzt. Weltweit wird deshalb beim Biomonitoring von Arten mit Kamerafallen auch die Bevölkerung einbezogen: In sogenannten Citizen Science Projekten helfen engagierte Bürgerinnen und Bürger bei der Sortierung und Auswertung der Bilderfluten.
 

 

Das Biomonitoring, also das Erforschen und Überwachen von Arten und Lebensräumen, liefert uns wichtige Informationen über Anzahl und Zustand der Tiere, über ihre Lebensweise, Aufenthaltsorte, mögliche Bedrohungen und Konfliktpotential mit dem Menschen. Es zeigt so deutlich Wege und Notwendigkeiten zum Schutz einer Art.

Dirk Embert, WWF Deutschland

Per GPS Geparde schützen

Gepard auf Baum © Gavin Lautenbach
Gepard auf Baum © Gavin Lautenbach

Wieder ein anderer Kontinent, wieder eine andere, äußerst gefährdete große Katze: 
Auch die GPS-Halsbänder besenderter Wildtiere liefern Unmengen an Daten. Diese können mit Hilfe von Computerprogrammen in Bewegungsmuster umgerechnet werden. In Namibia brachte das den Durchbruch zum Schutz der wichtigsten verbliebenen Geparden-Population.

Ein Wildtier zu besendern, ist immer eine Herausforderung. Routine, Schnelligkeit, modernste Technologie und ultraleichte Halsbänder sorgen für eine möglichst geringe Belastung der Tiere. Namibias Geparde leben verstreut und extrem heimlich auf weiten, offenen Farmlandflächen. Als Gefahr für das Nutzvieh sind sie den Farmern hier ein Dorn im Auge. Den entscheidenden Hinweis, um diesen Mensch-Wildtier-Konflikt zu entschärfen, liefern neue Kenntnisse der Sammlungspunkte der Geparde und damit die Möglichkeit, Herden aus diesen Gebieten zu entfernen.  
 

Schutz durch Forschung

Auch bei den Schneeleoparden in der Mongolei hilft das Biomonitoring, einen bedrohlichen Konflikt mit dem Menschen zu lösen. Derzeit zeigt beispielsweise das Sendehalsband des Schneeleoparden Tsagaanbar gepaart mit den Daten von Viehherden mongolischer Hirtennomaden, dass Tsagaanbar den Herden nicht folgt. Der Schneeleopard jagt das Nutzvieh nur, wenn es ihm vor die Nase getrieben wird. Weiß man, wo sich die Schneeleoparden aufhalten, kann man die Herden schützen und verhindern, dass Schneeleoparden aus Angst und Rache durch die Hirten bejagt werden. 

In den letzten Jahren haben verbesserte Technologien und Analyse-Methoden die Erforschung bedrohter Arten revolutioniert. Dazu gehören Equipment, Wartung, Auswertung und unzählige Arbeitsstunden im Feld – regelmäßig und über Jahre hinweg. Was folgt ist die Ausbildung und Ausrüstung von Rangern, die Aufklärung der Bevölkerung, die Verfolgung von Wilderei unter Zusammenarbeit mit den Behörden und eingehende politische Lobbyarbeit, die zum Beispiel bei der Ausweisung von Schutzgebieten wiederum auf den Daten des Biomonitoring fußt. 
 

Mit Ihrer Hilfe schützen wir die drei Katzen:

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