Verlässt ein Jaguar den Schutz des dichten Grüns der südwestlichen Amazonasregenwälder, wird er meist erschossen. In den Augen der Menschen, die hier um ihre Existenz ringen, ist der Jaguar der Feind. Eine Gefahr für ihre Nutztiere, ein Konkurrent um Nahrung. Dabei garantiert er eigentlich das Überleben von Natur und Mensch. Der Jaguar ist die größte und geheimnisvollste Katze Amerikas. Doch seine Geheimnisse machen es schwer, ihn zu schützen.

Bald die letzten ihrer Art?

Insgesamt 34 bekannte Jaguar-Populationen gibt es weltweit noch. 33 von ihnen gelten als gefährdet oder sogar stark gefährdet. Teilweise umfassen die Bestände gearde noch ein Tier – eine dramatische Entwicklung! Die größte und einzige noch nicht vom Aussterben bedrohte Jaguar-Population lebt in den Regenwäldern des Amazonas. „Viele der Jaguar-Bestände werden mit Sicherheit in den nächsten Jahren aussterben“, so Dirk Embert, Südamerika-Referent beim WWF Deutschland. „Eines der letzten Rückzugsgebiete für das Überleben der Art liegt im südwestliche Amazonas.“ Gleichzeitig ist der südliche Amazonas die größte Entwaldungsfront der Erde. Hinzu kommt die Gier der Wildtiermafia: Schon immer haben sie es auf seinen Pelz und seine Zähne abgesehen. Aber mehr und mehr wird das majestätische Tier auch für seine Knochen, sein Fett, seinen Schädel und seine Hoden gnadenlos gejagt.

Das können Sie für die Jaguare tun

Jaguare im Amazonas: Gefährliches Inselleben

Das beschlagnahmte Fell eines getöteten Jaguars © Andy Isaacson / WWF US
Das beschlagnahmte Fell eines getöteten Jaguars © Andy Isaacson / WWF US

Es wird eng für den Jaguar. Inzwischen sind viele Gebiete des Amazonas so stark entwaldet und fragmentiert, dass die Jaguare voneinander isoliert wurden. Immer dichter besiedelt der Mensch die einstigen Regenwaldflächen. Doch je näher er den Jaguaren rückt, desto näher rücken die großen Raubkatzen zwangsläufig dem Menschen.

Der Südwesten des Amazonas in der Grenzregion von Brasilien, Peru und Bolivien gleicht einem Flickenteppich aus kleinbäuerlicher Landwirtschaft zwischen verschiedenen Schutzgebieten. Wiederkehrend reißen Jaguare Kühe, Ziegen, Hühner oder auch Hunde der Kleinbauern und indigenen Bevölkerung. „Dadurch ist die Sicht auf die Jaguare sehr negativ“, sagt Dirk Embert. „Für die Menschen hier ist der Verlust eines Nutztieres existenzbedrohend.“ Die Großkatzen werden nicht nur bei Sichtung meistens sofort geschossen, sondern auch in den Wäldern bejagt.

Schutzforschung für geheimnisvolle Räuber

Ein friedliches Miteinander zwischen Mensch und Tier ist für den Schutz der Jaguare unerlässlich © Kelvin Brown
Ein friedliches Miteinander zwischen Mensch und Tier ist wichtig für den Schutz der Tiere © Kelvin Brown

Ähnliche Konflikte kennt man überall, wo der Mensch die Heimat von Raubkatzen besiedelt, und hat bereits verschiedene Ansätze zu ihrer Lösung entwickelt. Eine erstaunlich einfache Maßnahme hält Löwen in Afrika davon ab, Nutzvieh zu reißen: Sichtschutz-Zäune reichen aus, die Löwen springen nicht darüber. Ein weiterer Ansatz ist die Anwendung einer Chemikalie, die beim Biss einen bitteren Geschmack erzeugt. Doch jede Großkatze reagiert anders und keine der bestehenden Methoden ist bisher am Jaguar erforscht.

Die Jaguare vereinen

Wo genau leben die Jaguare im südlichen Amazonas? Wie groß sind die einzelnen, voneinander getrennten Bestände und wie kann man sie vereinen? Korridore sollen in Zukunft wichtige Waldgebiete miteinander verbinden. „Wir wollen die isolierten Jaguar-Gruppen wieder zusammenführen. Aber natürlich ohne zusätzliche Konflikte zu schüren“, so Dirk Embert vom WWF. „Jedes Schutzgebiet für sich im Amazonas ist nicht in der Lage, ausreichend große Populationen von Arten wie dem Jaguar unter den derzeitigen Bedingungen zu erhalten."  Wo liegen also ausreichend dünn besiedelte Gebiete und bestehende Waldstücke, die als Korridore geschützt werden können? Noch viel Forschung ist nötig, um die faszinierenden Jaguare zu retten.

Der einzige Feind des Jaguars ist der Mensch.

WWF Deutschland

Aufklärung: Der wahre Wert des Jaguars

Ein Jaguar beobachtet im Wasser seine potentielle Beute © Aline Santana da Hora / WWF Brazil
Ein Jaguar beobachtet im Wasser seine potentielle Beute © Aline Santana da Hora / WWF Brazil

In der Kultur der Indigenen Südamerikas ist der Jaguar ein wichtiges Element, er gilt als Heiligtum. Tötet er jedoch das Vieh, trifft dieser Glaube auf harte Realität. Jaguare gelten außerdem fälschlicherweise als Konkurrenten in der Jagd auf Wildfleisch und werden vor allem in Bolivien, aber auch in Peru und Brasilien immer häufiger für die Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin gewildert. „Das ist das Resultat der guten Schutzarbeit für den Tiger“, erklärt Dirk Embert. „Jaguarteile halten inzwischen als Ersatz her.“

 

Jaguare sind sogenannte Top-Prädatoren und stehen in ihrem Lebensraum an der Spitze der Nahrungskette. Damit spielen sie für den Erhalt eines gesunden Ökosystems eine entscheidende Rolle. Sterben die Jaguare aus, gerät der Wald aus dem Gleichgewicht und damit sind alle seine Ökosystem-Dienstleistungen auch für den Menschen in Gefahr. Wichtig ist deshalb die Aufklärung über die Bedeutung des Jaguars nicht nur für die Artenvielfalt, sondern auch für das Leben der Menschen und letztendlich ihre Trinkwasserversorgung, ihre Nahrungsmittel, Heilpflanzen, stabile Böden und das Klima.

Was muss getan werden?

Blick auf das Pantanal in Paraguay © Gianfranco Mancusi / WWF Brazil
Blick auf das Pantanal in Paraguay © Gianfranco Mancusi / WWF Brazil

Im Zentrum der Schutzarbeit für den Jaguar im südlichen Amazonas stehen die Menschen und lokalen Gemeinschaften. Durch passende Lösungen wie beispielsweise Sichtschutzzäune sollen Konflikte mit dem Jaguar verhindert werden. Diese Lösungen müssen im Feld untersucht, die bestehenden Konflikte in Interviews und Workshops genauer erfasst werden. Mit Hilfe von Kamerafallen werden die Jaguarbestände erforscht. In der gesamten Region müssen geeignete Korridore gefunden und kartiert werden. Das Schaffen nachhaltiger, produktiver Einkommensquellen für die lokalen und indigenen Gemeinden in den Korridoren soll die Akzeptanz des Jaguares fördern und Wälder erhalten. Einheimische werden zur Aufklärung und Konfliktlösung ausgebildet.

Jaguare haben weitreichende Bedürfnisse an ihren Lebensraum. Kann dieser erfolgreich geschützt werden, profitieren davon Wälder, Ökosysteme und viele weitere Arten. In den letzten 50 Jahren haben die Jaguare über die Hälfte ihres ursprünglichen Lebensraums verloren. Der südwestliche Amazonas ist eine Schlüsselregion zur Bewahrung der Art auf unserer Erde. Wenn der Jaguar überleben soll, muss er es auch hier tun.

Jaguar-Schutz gelingt nur gemeinsam

Um den stark gefährdeten Jaguar aus der Schusslinie zu nehmen, braucht es gemeinsame Anstrengungen:

  • Sichere Kerngebiete und Korridore zwischen den Schutzgebieten, damit sich die Populationen besser durchmischen und die genetische Vielfalt gestärkt wird.
  • Einhaltung der internationalen Jaguar-Roadmap, die besagt, dass bis 2030 mindestens 30 zentrale Jaguar-Landschaften gesichert sein müssen.
  • Ausbau des Monitorings, das wir 2016 gestartet haben und das uns konkrete Daten über die Bestände liefert. So können wir ihn besser schützen und Mensch-Tier-Konflikten vorbeugen.

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