Der WWF International feiert Geburtstag! Vor 60 Jahren wurde eine der größten Naturschutzorganisationen der Welt gegründet. Das globale Netzwerk des WWF umfasst 90 Büros in mehr als 40 Ländern.

Rund um den Globus führen Mitarbeiter:innen etwa 13.000 Projekte zum Erhalt der biologischen Vielfalt durch. Dabei wird stets ein Hauptziel verfolgt: Die Bewahrung der größtmöglichen Vielfalt an Lebensräumen und damit der weltweite Schutz von Tier- und Pflanzenarten.

Der WWF Deutschland konnte durch Ihre Unterstützung viel verändern und bewegen. Wir bedanken uns von Herzen bei unseren zahlreichen Unterstützer:innen und blicken auf einige unserer schönsten Erfolge der letzten zehn Jahre zurück.

Wir reduzieren die Plastikflut in den Meeren

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist die Plastikkrise, die unsere Meere bedroht. Jede Minute fluten ca. 15.000 Kilogramm Plastikmüll den Ozean! Dieses Problem müssen wir Menschen verantworten. Und wir müssen es auch lösen. Unsere Petition zum Schutz der Meere vor Plastikmüll wurde mehr als zwei Millionen Mal unterschrieben. Darin fordern wir eine globale, rechtlich bindende UN-Konvention, mit der sich jedes Land verpflichtet, den Eintrag von Plastikmüll in die Meere zu stoppen und so die Plastikkrise bis 2030 zu beenden. 

Pro Jahr landen durchschnittlich etwa acht Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Sonne, Wind und Salzwasser zersetzen das Plastik zu Mikroplastik. Die Vermüllung der Umwelt und der Meere hat schwerwiegende Folgen für das Leben vieler Menschen und ihren Lebensunterhalt. Und für die Natur: Über 700 Tierarten werden bereits durch den Plastikmüll geschädigt. Der WWF ist weiter aktiv, möglichst viele Länder für die Unterstützung eines internationalen Abkommens zu gewinnen. Vor Ort wie zum Beispiel in Vietnam arbeitet der WWF gemeinsam mit lokalen Entscheidungsträgern in einigen Regionen und Städten daran, die Abfallwirtschaft zu verbessern und den Müll nicht mehr in die Natur gelangen zu lassen.

Wir kämpfen gegen das Aussterben bedrohter Arten

Spitzmaulnashörner auf Ebene © Philippe Oberle / WWF
Spitzmaulnashörner auf Ebene © Philippe Oberle / WWF

Mitte der 1990er Jahre gab es noch etwa 2.410 Spitzmaulnashörner. Die Art gilt bis heute als vom Aussterben bedroht. Der WWF Deutschland unterstützt in Südafrika mehrere Gebiete im Schutz der Tiere und bei der Reduktion von Wilderei. Darüber hinaus arbeitet er mit Partnern in Vietnam gemeinsam an einer Reduktion der Nachfrage nach Nashorn-Horn, insbesondere im Zusammenhang mit Traditioneller Medizin.

Bereits 2003 startete der WWF Südafrika das Black Rhino Range Expansion-Projekt, welches das Ziel verfolgt, Spitzmaulnashörner in neue Gebiete umzusiedeln, um dort neue Populationen zu bilden. So soll ihr Verbreitungsgebiet vergrößert und damit die Wachstumsrate und die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Tiere erhöht werden. Allein 2020 wurden im Rahmen der Initiative mindestens 13 Spitzmaulnashornkälber geboren. Erfolge, die seit Jahren zur positiven Entwicklung der Spitzmaulnashornbestände beitragen: Schätzungen gehen von inzwischen mehr als 5.500 Tieren aus. Zudem verringerten sich die Wilderei-Zahlen in Südafrika 2020 um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die derzeitigen Wildereientwicklungen machen Mut, aber die Lage bleibt prekär und wir dürfen in unseren intensiven Bemühungen zum Schutz der Tiere nicht nachlassen.

Wir unterstützen die Stabilisierung der Anzahl der Löwen

Eindrucksvoller Löwe © Anthony Thijssen
Eindrucksvoller Löwe © Anthony Thijssen

Einst war der Löwe der Herrscher der Savanne, inzwischen gibt es in ganz Afrika nur noch 20.000 der eindrucksvollen Raubkatzen. Vor allem menschliche Eingriffe bedrohen die Löwen akut. Ihr Lebensraum schrumpft, sie finden weniger Beute und die Konflikte mit den Menschen wachsen. Der König der Wildnis braucht unsere Hilfe. Gemeinsam mit lokalen Partnern in KAZA verfolgt der WWF ein Ziel: Die Anzahl der wildlebenden Löwen zu stabilisieren und weitere Verluste zu verhindern.

2020 konnten wir bereits eine erfreuliche Zwischenbilanz ziehen: Es leben nun sieben Löwenrudel in der Zambeziregion, Namibia – insgesamt etwa 72 ausgewachsene Tiere sowie mehrere Jungtiere. Grund für den Erfolg ist das neue Miteinander von Menschen und Natur. Mobile Zäune schützen gezielt das Vieh der Menschen, sodass das Konfliktpotenzial sinkt. Allein dadurch konnten Risse von Nutztieren um 80 Prozent reduziert werden. Umgekehrt ist seit 2018 kein einziger Löwe mehr durch Konflikte zu Tode gekommen. 2012 waren die Verluste von Nutztieren so hoch, dass die Regierung gegen die Löwen vorging. Nur ein einziger Löwe im Gebiet überlebte.

Wir verbessern die Gesundheitsversorgung und die Schutzgebietsakzeptanz im Kongobecken

Das Ambulanzboot mit Dr. Bosolo © Thomas Breuer / WWF
Das Ambulanzboot mit Dr. Bosolo © Thomas Breuer / WWF

Was 2011 als kleines Pilotprojekt begann, hat sich in kürzester Zeit zur wichtigsten Anlaufstation für medizinische Versorgung entwickelt. Im Ngiri-Schutzgebiet im Westen der Demokratischen Republik Kongo, tief im grünen Herzen des Kongobeckens, rettet ein Mediziner-Team mit einem einfachen Boot Menschenleben. Malaria, Bronchitis, Durchfälle, Blinddarmentzündungen, Leistenbrüche, komplizierte Geburten – all das mussten die rund 100.000 Menschen, die vor allem in der Randzone des Ngiri-Schutzgebietes leben, früher ohne ärztliche Hilfe erleiden. Es gibt keine feste Gesundheitsstation. Nur auf dem Wasserweg kann ein Arzt in diesem schwer zugänglichen Gebiet im Kongobecken auch völlig abgelegene Dörfer erreichen.

Der kongolesische Arzt Yoursen Bosolo ermöglicht durch seine regelmäßigen Medizinboot-Touren eine gesundheitliche Basisversorgung. Mit seinem kleinen, einheimischen Team hat er bisher mehr als 54.000 Menschen behandelt. Und es gab über 3.400 erfolgreiche Operationen. Die Menschen vor Ort sind unglaublich dankbar. Mit dem Ambulanzboot unterstützt der WWF in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Dortmund die grundlegende Gesundheitsversorgung der Einwohner. Ohne die Einbindung der lokalen Bevölkerung können wir die Natur nicht schützen, das geht nur gemeinsam. Und nur, wenn die Menschen vor Ort gesund sind und in die Arbeit des WWF und seinen Partnern Vertrauen haben.

Wir erreichen einen Meilenstein im Jaguar-Monitoring

Jaguar © Staffan Widstrand / WWF
Jaguar © Staffan Widstrand / WWF

Er ist der größte verbliebene Regenwald der Welt: Der Amazonasregenwald. Die Amazonas-Regenwälder gelten mit ihrer überwältigenden Artenvielfalt zu Recht als die Kronjuwelen der Weltnatur. Dabei wird ihnen auch eine besondere Schlüsselrolle für das Weltklima zuteil. Die Vernichtung von Regenwäldern für die endlosen Weideflächen der Rinderrancher, die Holzgewinnung und die nachrückende Agrarindustrie mit ihren Hauptprodukten Soja und Zuckerrohr zählen zu den größten Bedrohungen am Amazonas. Die Artenvielfalt ist durch diese Entwicklungen stark gefährdet.

Auch der Lebensraum der rund 320 indigenen Bevölkerunggruppen wird eingeschränkt.

Der WWF unterstützt seit 2009 die Arbeit in den Schutzgebieten um die Flüsse Putumayo und Napo. Dort wurde von 129 Wildtierkameras, verteilt auf 1.310 Quadratkilometer, vier Monate lang alles aufgenommen, was sich bewegte. Das war der Auftakt zur ersten großflächigen und grenzüberschreitenden Erfassung der Jaguarzahlen im Amazonasgebiet, mit der der WWF 2017 begonnen hat. Ende 2018 waren alle 64.700 Fotos ausgewertet. Sie zeigen 26 Jaguare! Die Freude darüber ist sehr groß, denn rechnet man diese Zahl auf die fast zehnmal so große Gesamtfläche hoch, kommt man auf einen Bestand von schätzungsweise 200 Tieren. Dieses ist nur eines von vielen Monitoringprojekten des WWF zum Jaguar. Um die Tiere zu schützen, ist politische Lobbyarbeit, Umweltbildung und das Bilden von Korridoren ebenso wichtig. Dabei hat der WWF eine ganz besondere Rolle eingenommen: Im Lead führen wir die größte Jaguarschutz-Koalition weltweit an (Jaguar Coordination Committee). Helfen Sie uns dabei, den Schutz des Amazonas-Regenwaldes entschlossen voranzutreiben.

Wir bringen Bewegung in die Politik

Seeadler © Ralph Frank / WWF
Seeadler © Ralph Frank / WWF

Ambitioniert und mit der nötigen Dringlichkeit stellen wir uns düsteren Zukunftsvisionen entgegen. Ob durch Klimastreiks, die Earth Hour oder viele weitere Aktionen, wir fordern die Politiker:innen zu einem entschlossenem Handeln auf.

21.000 Tonnen Bleimunition landen EU-weit jedes Jahr in der Natur. Über eine Million Wasservögel sterben jährlich in Europa an den Folgen. Und bei den seltenen Seeadlern zählt Bleivergiftung zu einer der häufigsten Todesursachen. Nach jahrzehntelanger Diskussion kommt nun endlich ein EU-weites Verbot von Blei-Schrotmunition in Feuchtgebieten. Nach zähem Ringen und durch großen Druck von Wissenschaftler:innen und Verbänden, darunter der WWF, stimmte auch die Bundesregierung für ein Verbot. Vorausgegangen war dem eine Mobilisierungsaktion des WWF: Innerhalb weniger Tage gelang es uns, mehr als 35.000 Menschen zu bewegen, sich mit einem Eil-Appell an Julia Klöckner zu richten, die zunächst in der Sache blockiert hatte. Mittlerweile haben auch das EU-Parlament und der Europäische Rat dem Verbot zugestimmt!

Auch unsere Aktion #ProtectWater, die sich zum Ziel machte, Europas wichtigstes Gewässerschutzgesetz zu retten, brachte Bewebung in die Politik. Mehr als 375.000 Bürger:innen haben sich an unserer Kampagne beteiligt und dafür eingesetzt, dass die Wasserrahmenrichtlinie in ihrer jetzigen Form beibehalten und von den Regierungen besser umgesetzt wird. Die Mitgliedsstaaten müssen jetzt alles Notwendige in die Wege leiten, um das Ziel, bis spätestens 2027 alle Süßwasser-Ökosysteme der EU in einen guten Zustand zu bringen, noch zu erreichen.