Flüsse sind die Lebensadern unserer Landschaften. Doch durch die Folgen der Erderhitzung führen Fließgewässer immer häufiger immer weniger Wasser, besonders im Sommer. Wenn den Flüssen das Wasser ausgeht, kommt nicht nur die Binnenschifffahrt zum Stillstand. Flussauen trocknen aus, Arten verlieren ihre Lebensgrundlage und Fische ersticken durch Sauerstoffmangel. Menschen verlieren Schritt für Schritt ihren Erholungsraum. In manchen Bereichen gerät die Trinkwasserversorgung in Gefahr.
Was wir jetzt für unsere Flüsse tun müssen – und was nicht
Ein weiterer Ausbau der Flüsse verschärft das Niedrigwasserproblem, statt es zu lösen. Wir brauchen ganz andere Lösungen.
Im Sommer 2026 erleben wir die Wasserstände in Rhein, Elbe, Oder und Donau auf einem historischen Tiefststand. Durch die niedrigen Wasserstände wird die Binnenschifffahrt stark eingeschränkt. Wichtige Industriezweige warnen vor erheblichen negativen Konsequenzen für die Wirtschaft. Es besteht dringender Handlungsbedarf.
Aktuell werden vor allem einseitige Rufe laut nach einem weiteren Ausbau der Bundeswasserstraßen – das sind alle Gewässer, die dem allgemeinen Schiffsverkehr dienen und im Eigentum des Bundes stehen. Das Netz umfasst in Deutschland rund 7.300 Kilometer Binnenwasserstraßen sowie etwa 23.000 Quadratkilometer Seewasserstraßen.
„Die Dringlichkeit ist unsere große Chance, Flüsse zukunftssicher zu entwickeln und sie vor den Folgen der Klimakrise zu schützen. Damit sichern wir auch langfristig die Binnenschifffahrt.“
Beatrice Claus, WWF Deutschland
Der Ausbau der Bundeswasserstraßen ist keine Lösung, sondern Teil des Niedrigwasserproblems
Durch den Ausbau wird die Menge an Wasser im Fluss nicht erhöht, sondern nur weiter auf die Fahrrinne konzentriert. Die Uferbereiche des Flusses mit ihren ökologisch wertvollen Flachwasserzonen, die weitreichenden Flussauen und angrenzenden Flächen werden dadurch noch stärker entwässert und langfristig vom Fluss abgetrennt.
Streckenweise Vertiefungen, der Bau von Längsbauwerken und Buhnen erhöhen die Fließgeschwindigkeit und damit den Wasserabfluss. Das Wasser fließt noch schneller aus der Landschaft ab, gräbt sich tiefer in die Gewässersohle ein und senkt den Grundwasserspiegel zusätzlich ab.
Fluss- und Auenrenaturierung verlangsamen das Absinken der Wasserstände
Um unsere Bundeswasserstraßen auf die Zukunft vorzubereiten, gesellschaftlichen Frieden sowie wirtschaftlichen Wohlstand zu sichern, sind ein naturnaher und resilienter Landschaftswasserhaushalt sowie ein schonender Umgang mit der Ressource Wasser entscheidend.
Wir müssen uns die Natur zur Verbündeten machen: Naturbasierte Lösungen, die den Wasserabfluss aus der Landschaft verlangsamen, verlangsamen auch das Absinken der Wasserstände in den Schifffahrtsstraßen und erhöhen die Grundwasserneubildungsrate.
Grundwasserspeicher speisen in Trockenzeiten nicht nur unsere schiffbaren Gewässer, sondern sind auch Garant für eine sichere Wasserversorgung.
Die wichtigsten Maßnahmen sind deswegen:
- die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts durch Wasserrückhalt
- die Wiederherstellung oder Aufwertung von Flussauen
- die Entschärfung von Laufbegradigungen durch Wiederanbindung von Flussschleifen
- die Renaturierung von Wäldern die Wiedervernässung von Mooren
- der Rückbau von obsoleten Wasserbauwerken in den Haupt- und Nebengewässern
Statt Flüsse den Schiffen anzupassen, müssen Schiffe an Flüsse angepasst werden
Eine ganzjährige Schiffbarkeit der großen Flüsse unter den heutigen klimatischen Entwicklungen mit extremen Niedrigwasserphasen kann durch weiteren Ausbau nicht gewährleistet werden. Die aktuellen verkehrlichen Ziele sind weder verlässlich planbar noch realisierbar. Sie müssen an die aktuellen und auch langfristig abzusehenden Wasserstände im jeweiligen Flusssystem angepasst werden.
Was wir brauchen, sind Konzepte, die Niedrigwasserphasen in den Flüssen berücksichtigen. Teil einer Neuausrichtung in diesen Phasen ist die bereits begonnene Verlagerung von Schiffsverkehr auf die Schiene in extremen Trockenzeiten.
Ausbau der Flüsse unter gleichbleibenden verkehrlichen Zielen verursacht erhebliche Umweltschäden, vergrößert das Niedrigwasserproblem und kostet viel, viel Geld. Das Hauptproblem der Wirtschaft wird damit nicht gelöst.
Die Schiffe auf den vom Niedrigwasser betroffenen Bundeswasserstraßen müssen erneuert und angepasst werden. Durch eine leichtere Bauweise sowie größere Breite und Länge kann der Tiefgang bei gleichbleibender Ladung reduziert werden. Der WWF begrüßt die vom Bundesverkehrsminister angekündigte Umrüstung und Erneuerung von Güterschiffsflotten. Innovationen und neue Wege sollten unbedingt gefördert und unterstützt werden.
Was zu tun ist: Die Forderungen des WWF
- Verzicht auf jegliche weiteren Fahrrinnenvertiefungen
- Anpassung der verkehrlichen Ziele an die Niedrigwasser im Sommer
- Anpassung der Transportlogistik und der Schiffsflotten
- Aufstockung der Programme zur Gewässerrenaturierung sowie Renaturierung der Flussauen
- Umfangreiche Maßnahmen um klimaresiliente Flussökosysteme zu gewährleisten – im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie und der Wiederherstellungsverordnung
- Programm zur Verbesserung des bisherigen Wassermanagements: Wasser in der Landschaft halten, angepasste Steuerung von Entwässerungssystemen in der Landschaft
- Überprüfung der Wasserentnahmegenehmigungen gemäß der Wasserrahmenrichtlinie
- Konsequenter Klimaschutz, um die Erderhitzung zu bremsen
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