Die Bäuerin Thipkamporn Gongsorn fand einen Weg zur Lösung der Probleme ihrer Gemeinde: Durch eine nachhaltige, die Böden und nicht zuletzt den Wald erhaltende Landwirtschaft.

Umgeben von beeindruckenden Wasserfällen, grünen Berglandschaften und historischen Tempelanlagen liegt im Norden Thailands, flussabwärts der Berge, der Bezirk Bua Yai

Die Bauern und Bäuerinnen hier leben vom Verkauf von Kohl und Mais, deren Felder ihre Heimat prägen, soweit das Auge reicht. Sowohl Kohl als auch Mais sind äußerst anfällig für Schädlinge.

Leben mit dem Gift

Verkaufsstand auf dem Jing Jai Farmers Market, Thailand © WWF Thailand
Verkaufsstand auf dem Jing Jai Farmers Market, Thailand © WWF Thailand

Der Anbau in Monokulturen ist in den letzten Jahrzehnten eine gängige Praxis gewesen, die mit einem hohen Einsatz von Pestiziden einhergeht. Die Rückstände sickern in Böden, Grund- und Trinkwasser. Der Umgang mit Herbiziden und Insektiziden prägt die Arbeit eines Großteils der Menschen in Bua Yai. Sie alle leben von der Landwirtschaft – und sind dabei oft hoch verschuldet. 

Die Frau, die alles veränderte

Woher rühren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und wie kann man der extremen Umweltverschmutzung in der Region begegnen? 

Thipkamporn Gongsorn ist selbst Bäuerin in Bua Yai und wollte sich nicht länger mit den großen Problemen ihrer Gemeinde abfinden. Doch welchen Hebel könnte sie ansetzen? Thipkamporn begann, an Gemeindeversammlungen teilzunehmen, ihre Fragen und Ideen einzubringen und wurde Vorsitzende der örtlichen Frauengruppe. In dieser Funktion erhob sie Daten über die Einkommen der Haushalte ihrer Gemeinde und erkannte einen gefährlichen Kreislauf.
 

Spirale der Zerstörung

Viele der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in Thipkamporns Dorf hatten aus Not ihr Land verkauft und pachten es seither zurück, um weiter anbauen zu können. Eine Pacht, die sie in die Schuldenfalle trieb. Zur Rückzahlung brauchten die Landwirt:innen höhere Erträge – und setzten ausgiebig Agrarchemikalien ein. Diese wiederum zerstörten Gesundheit und Fruchtbarkeit der Böden. Ganz abgesehen von der eigenen Gesundheit. 

Folgen für Wald und Menschen

Mais-Plantage © WWF Thailand
Mais-Plantage © WWF Thailand

Um sich neues, fruchtbares Ackerland zu erschließen, drangen die Kleinbäuer:innen aus Thipkamporns Gemeinde und den anderen Dörfern Bua Yais in Waldgebiete ein und brandrodeten Flächen

Rechtliche Konsequenzen und Bußgelder der Behörden verstärkten ihre Not zusätzlich. Ein Kreislauf, den Thipkamporn durchbrechen wollte. „Es hängt alles mit allem zusammen“, betont die Bäuerin. „Wenn wir Nachhaltigkeit für unser Leben und unser Eigentum schaffen wollen, müssen wir mit ehrlichen Lebensgrundlagen arbeiten.“

Nachhaltigkeit als Schlüssel

Den Weg zur Lösung der Probleme ihrer Gemeinde sah Thipkamporn in einer nachhaltigen, die Böden und nicht zuletzt den Wald erhaltenden Landwirtschaft. 

„Indem die Bäuerinnen und Bauern hier anstelle von Monokulturen viele verschiedene einjährige und mehrjährige Pflanzen anbauen, können sie höhere Erträge erwirtschaften“, so Thipkamporn. Nachhaltigkeit sei der Schlüssel - und um diese zu erreichen, müssten die Landwirt:innen es als ihr Hauptziel ansehen, die Gesundheit für sich selbst und andere zu verbessern. „Durch den Verzicht auf giftige Chemikalien schonen sie sich und ihr Land, können die Gemeinden mit giftfreiem, umweltfreundlichem und erschwinglichem Obst und Gemüse versorgen und die Wälder und Böden bekommen die Chance, sich zu erholen.“

Netzwerk von Verbündeten

Für die Umsetzung ihres Lösungsansatzes suchte Thipkamporn nach Verbündeten. Immer größer wurde ihr Netzwerk und schließlich war es der WWF Thailand, der sie und die Landwirt:innen ihrer Heimat bei der Umstellung von ihrer chemieintensiven Monolandwirtschaft auf agrarökologische Anbausysteme unterstützte. 

„Auf unserer Erde hängt alles mit allem zusammen.“

Thipkamporn Gongsorn, Bäuerin in Bua Yai

Lokales Bio-Zertifikat

Dank der Unterstützung des WWF konnte Thipkamporn daraufhin eine weitere Idee verwirklichen: Ein lokal angepasster Zertifizierungsmechanismus für die ökologisch erzeugten Produkte der Kleinbäuer:innen auf Gemeindeebene. 

Das partizipative Garantiesystem (PGS) ist das bisher bekannteste alternative Zertifizierungssystem und weltweit verbreitet. Es bietet sich vor allem für Kleinbäuerin:innen an. 

Die Handlungs- und Entscheidungsmacht liegt bei den Bäuer:innen und die Standardsetzung erfolgt nach ihren eigenen Bedürfnissen. Dabei steht die Einbeziehung verschiedener Interessengruppen im Vordergrund, in einem Peer-to-Peer-Ansatz werden Kriterien definiert, die Umsetzung gestaltet und überprüft.

In Thailand ist das System mittlerweile landesweit von der Regierung und großen Einzelhandelsunternehmen anerkannt und sichert den Bio-Lebensmitteln aus Thipkamporns Dorf Absatzmärkte.

Von ihrem Dorf in die ganze Provinz

Obst und Gemüse auf Jing Jai Farmers Market, Thailand © WWF Thailand
Obst und Gemüse auf Jing Jai Farmers Market, Thailand © WWF Thailand

Kürbisse, Orangen, Kakao und Cashewnüsse verschaffen Thipkamporn Gongsorns Gemeinde heute ein Einkommen und den Betrieben, die auf die nachhaltige Landwirtschaft umgestellt haben, Erfolge mit Vorbildfunktion. 

Immer mehr konventionelle Betriebe erwägen, nachzuziehen. Innerhalb eines Jahres konnte Thipkamporn das Programm von nur einem Bezirk auf Kleinbäuer:innen der gesamten Provinz ausweiten. Neben ihrer eigenen landwirtschaftlichen Tätigkeit engagiert sie sich inzwischen außerdem in fünf ehrenamtlichen Führungspositionen für eine Transformation der gängigen landwirtschaftlichen Praktiken hin zu mehr Nachhaltigeit.

Die Umstellung auf eine waldschonende, nachhaltige Landwirtschaft in Bua Yai zahlt ein auf die umfassende Wiederherstellung von Waldlandschaften, die der WWF weltweit verfolgt und gehört zum ebenfalls weltweiten WWF-Großprojekt für nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion, das von der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) finanziert wird.

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