Es gibt hierzulande wohl kaum jemanden, der nicht weiß, wie süß Schokolade auf der Zunge zergehen kann. Unser Pro-Kopf-Verbrauch liegt höher als in den meisten anderen europäischen Ländern, und auch weltweit steigt jährlich die Nachfrage. Doch wie nachhaltig ist unsere Lieblingsschokolade? Und unter welchen Bedingungen wurde sie produziert? Welche Schokoladenhersteller sind vorbildlich, und welche sollte man meiden?

Getrocknete Kakaobohnen © Endémica Studios - Camilo Castaño / WWF

Welche Schokolade man guten Gewissens kaufen kann, ist nicht immer leicht zu beantworten. Viele Schokoladenhersteller können ihre komplizierten Lieferketten selbst nicht einmal einwandfrei zurückverfolgen und sicher sein, dass bei der Produktion nicht gegen Menschenrechte verstoßen oder die Umwelt illegal zerstört wurde.

Um Licht in das dunkle Geschäft mit der Schokolade zu bringen und Verbraucher:innen bei ihrer Kaufentscheidung zu unterstützen, bewertet die sogenannte Schokoladen-Scorecard jährlich die größten Schokoladenhersteller unter Gesichtspunkten der Umweltfreundlichkeit und fairen Produktion.

  • Schokolade © Katrin Havia / WWF-Finland Die Schokoladen-Scorecard 2026

    Bessere Schokolade ist besser für Menschen und den Planeten! Die Schokoladen-Scorecard findet heraus, was wirklich in der Schokolade steckt. Zur Schokoladen-Scorecard-Website

Schokoladenhersteller unter der Lupe

Kakaoblüten © Endémica Studios - Camilo Castaño / WWF

Die Schokoladen-Scorecard wird – unterstützt vom WWF – von der Organisation Be Slavery Free herausgegeben. Ihre Grundlage sind Befragungen der Hersteller und Kakaoverarbeitende. 2026 erscheint sie bereits zum siebten Mal, 49 Teilnehmer:innen waren dabei – 34 große und mittlere Unternehmen, fünf kleine Unternehmen und zehn Einzelhändler. Angefragt waren insgesamt 80 Unternehmen, 31 gaben keine Auskunft.

Die einzelnen Kriterien, nach denen die Schokoladen-Scorecard die Unternehmen und Einzelhändler beurteilt und in einer Rangliste sortiert, sind Rückverfolgbarkeit und Transparenz der Lieferkette, existenzsicherndes Einkommen, Kinder- und Zwangsarbeit, Entwaldung, Pestizideinsatz und Agroforstwirtschaft Klima und Gendergerechtigkeit.

Nachhaltige und faire Schokolade: Die besten Hersteller 2026

Flüssige Schokolade.
Flüssige Schokolade © Artem Zakharov / iStock / Getty Images

Auf den Plätzen eins bis drei landen in diesem Jahr bei den mittleren bis großen Herstellern HALBA aus der Schweiz, Tony's Chocolonely aus den Niederlanden und – etwas abgeschlagen – Ritter Sport aus Deutschland. Während sich HALBA mit einer Gesamtwertung von 85 Prozent in allen untersuchten Kategorien im grünen Bereich bewegt, hat Tony’s Chocolonely mit einer Gesamtwertung von 83 Prozent Nachholbedarf in Sachen Agroforstwirtschaft & Klima und Pestizideinsatz. Ritter Sport erreicht insgesamt nur 71 Prozent und befindet sich trotz des dritten Platzes nicht mehr im grünen Bereich. Zwar hat sich das schwäbische Familienunternehmen im Bereich Pestizideinsatz im Vergleich zum Vorjahr verbessert, schneidet dafür aber beim existenzsichernden Einkommen schlechter ab.

Bei den kleinen Herstellern erreicht Original Beans eine Gesamtwertung von 90 Prozent und landet damit auf Platz eins. Das niederländische Unternehmen kommt in den Bereichen existenzsicherndes Einkommen und Pestizideinsatz auf die volle Punktzahl und setzt Standards. Nur in Sachen Geschlechtergerechtigkeit besteht deutlicher Verbesserungsbedarf. Der zweite Platz geht ebenfalls in die Niederlande: Der Kleinhersteller Chocolate Makers erreicht eine Gesamtwertung von 83 Prozent, gefolgt von der schwedischen Malmö Chokladfabrik, die mit 80 Prozent auf den dritten Platz kommt.

Die Nachfrage nach umweltfreundlicher und fair produzierter Schokolade und dass der Schokoladenindustrie genauer auf den Zahn gefühlt wird, scheint Wirkung zu zeigen. Das ist bitter nötig, denn noch immer fällt die Produktion des süßen Genussmittels viel zu oft zu Lasten der Natur – und ebenfalls zu Lasten der Menschen, die den Kakao dafür pflücken.

Ganz okay bis stark verbesserungswürdig

Im Mittelfeld tummeln sich globale Player wie Lindt & Sprüngli, Nestlé und Ferrero. Vor allem in Sachen Rückverfolgbarkeit und Transparenz der Lieferkette gibt Ferrero mit einer Punktzahl von 84 Prozent ein gutes Bild ab. Lindt & Sprüngli hat sich im Vergleich zum Vorjahr in den Kategorien Entwaldung und existenzsicherndes Einkommen verschlechtert und erreicht Platz 13.

Verlierer der Schokoladen-Scorecard 2026

Auf dem letzten Platz der Schokoladen-Bewertung rangiert wie im Vorjahr Daito Cacao.  Das japanische Unternehmen schneidet in allen Kategorien schlecht ab und erreicht insgesamt gerade mal acht Prozent der Gesamtpunkte. Die Unternehmen Morinaga und Glico – ebenfalls aus Japan – belegen die Plätze 33 und 32.

Undurchsichtig bis zum Schluss

Bei den Kakaoproduzent:innen kommt nur ein kleiner Teil des Erlöses an © Endémica Studios - Camilo Castaño / WWF

Leider gibt es immer noch genügend Firmen, die nicht offenlegen wollen oder können, ob ihre Schokolade frei von Kinderarbeit, Armut und Abholzung ist und unter welchen Bedingungen der Kakao dafür angebaut wurde. Wie im vergangenen Jahr fällt hier die US-amerikanische Firma Mondelēz International negativ auf, die unter anderem Marken wie Milka, Oreo, Toblerone, Cadbury, Marabou, Côte d’Or und Suchard produziert. Eine denkbar schlechte Figur gibt auch Starbucks ab. Das globale Unternehmen landete in den vergangenen Jahren vor allem in den Kategorien Kinder- und Zwangsarbeit und existenzsicherndes Einkommen regelmäßig auf den hinteren Rängen. 2026 verweigerte Starbucks die Teilnahme an der Schokoladen-Scorecard komplett.

Nachhaltiger Kakao ohne moderne Sklaverei? Auch Supermärkte wurden bewertet

Einkaufswagen im Supermarkt © iStock
Einkaufswagen im Supermarkt © iStock

Mit ihren Schokoladeneigenmarken konkurrieren Supermärkte direkt mit den Produkten der Markenhersteller. Welche Supermarktketten zeigen Initiative für Kakao und Schokolade aus besserem Anbau? Geht das Engagement durch eigene Programme und Partnerschaften sogar noch darüber hinaus? Unter diesen Fragestellungen bewertet die Schokoladen-Scorecard 2026 auch Einzelhändler.

Die ersten drei Plätze belegen die Schweizer Kette Coop, Ahold Delhaize in den Niederlanden und System U in Frankreich, wobei es nur Coop in den grünen Bereich schafft. EDEKA landet auf Platz 5, Aldi Süd, im vergangenen Jahr noch auf Platz drei, rutscht auf Platz sechs ab. Aldi Nord kommt auf den siebten Platz. Der letzte Platz geht an Foodstuff aus Neuseeland.

69 Prozent der angefragten Supermarktketten haben aber gar nicht geantwortet – darunter Lidl, REWE und die US-amerikanische Kette Walmart.

Entwaldungsfreier Kakao ist möglich – aber noch immer die Ausnahme

Abholzung © Brent Stirton / Getty Images / WWF UK
Abholzung © Brent Stirton / Getty Images / WWF UK

Kakao ist ein wertvoller Rohstoff. Sein Anbau gehört zu den größten Verursachern von Entwaldung weltweit und befeuert damit die Erderhitzung. Dazu kommen ein enormer Wasserverbrauch und der Einsatz hochgefährlicher Pestizide.

Ab dem 30. Dezember 2026 darf Kakao, der in der EU verkauft wird, nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn er nachweislich entwaldungsfrei ist. Das sieht die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) vor, die am 29. Juni 2023 in Kraft getreten ist. Acht der für die aktuelle Schokoladen-Scorecard befragten Unternehmen erfüllen diesen Standard bereits. Darunter kleine, spezialisierte Hersteller wie Original Beans, Chocolate Makers und Malmö, aber auch Schokoladenriesen wie Ritter Sport.

Ein Großteil des Kakaos in den Lieferketten entzieht sich jedoch nach wie vor der Überwachung. Er stammt oft aus Ländern mit schwachen staatlichen Strukturen und noch weitgehend intakten Wäldern: Weil beispielsweise in Ghana und Elfenbeinküste engmaschiger kontrolliert wird, verschiebt sich die Entwaldungsfront nach Liberia und in das Kongobecken, wo noch niemand so genau hinschaut.

Das ist nicht nur ein Problem der Rückverfolgbarkeit. Es offenbart auch ein System, das Abholzung begünstigt. Denn obwohl die Schokoladenindustrie hohe Gewinne einstreicht, leben viele Kakaobäuer:innen unter dem Existenzminimum. Sie erhalten nur einen winzigen Bruchteil des Erlöses und sind nicht selten darauf angewiesen, ihre Kinder in die schwere Arbeit einzubinden, um die Familie gerade eben ernähren zu können. Solange Armut und Unsicherheit bestehen, bleibt die Rodung neuer Flächen für viele Kakaobäuer:innen der einzige Weg.

Wie Schokoladenanbau nachhaltig funktionieren kann

Immer noch bleibt also oft im Dunkeln, wie der Kakao für unsere Schokolade angebaut wurde und welche Wege er genommen hat. Und immer noch übernehmen zu wenige Unternehmen die Verantwortung für transparente, entwaldungsfreie Lieferketten. Doch der Kakaoanbau kann nachhaltiger und fairer gelingen als in Monokulturen. Eine Alternative sind Agroforstsysteme.

In Agroforstsystemen finden auch viele Tiere Nahrung und Lebensraum © Endémica Studios - Camilo Castaño / WWF

Nachhaltige Anbaumethode: Das Agroforstsystem

In Agroforstsystemen werden Landwirtschaft und Forstwirtschaft kombiniert, wachsen also Bäume neben Acker- und Gemüsepflanzen. Im Fall des Kakaos bedeutet Agroforstwirtschaft, dass die Kakaobäume gemeinsam mit anderen Bäumen und Nutzpflanzen angebaut werden. Monokulturen werden vermieden und der Pflanzenmix fördert die Widerstandsfähigkeit und Produktivität.

Unsere Projekte

WWF setzt sich für einen Kakaoanbau in Südamerika ein, der Wälder schützt und die Biodiversität erhält. In Kolumbien unterstützen wir Kooperativen, die Kakao nachhaltig in Agroforstsystemen anbauen und dabei die Vorgaben der Europäischen Entwaldungsverordnung erfüllen

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