Huuu Huhuhuuu! So klingt der bekannteste Eulenruf, er stammt vom Waldkauz-Männchen. Eulen können aber auch pfeifen, krächzen, kreischen, quietschen, klackern und schnattern. Wie andere Vögel nutzen sie ihre Stimmen, um sich mit Artgenossen zu verständigen. Doch wenn sie auf die Jagd gehen, werden sie mucksmäuschenstill.
Sie können im Dunklen super sehen, enorm gut hören und auch noch lautlos fliegen. Kein Wunder, dass Eulen perfekte Nachtjäger sind. Was können Eulen noch? Und welche Arten gibt es bei uns? Wir verraten es dir.
Auf lautlosen Schwingen
Eulen sind Nachttiere. Den Tag verschlafen sie meist gut versteckt in einer Baumhöhle, einer Felsnische oder einem anderen Unterschlupf. Deswegen sagt man zu jemandem, der abends besonders lange wach ist, „Nachteule“.
Sobald die Dämmerung einsetzt, begeben sich die Eulen auf die Jagd. Eulen können fast geräuschlos fliegen, weil sie ganz besondere Federn haben. Und weil sie in der Dämmerung und in der Nacht auf die Jagd gehen, gibt es für die meisten Beutetiere kein Entrinnen. Denn sie hören und sehen nicht die nahende Gefahr.
Mit den Fängen voran stürzen sie herab, packen mit ihren scharfen Krallen zu und töten ihre Beute mit einem kräftigen Biss.
Leckerbissen der Eulen
Eulen fressen meist Mäuse, verspeisen aber auch Käfer, Schmetterlinge, Echsen, Frösche, kleine Vögel, Hasen und sogar Fische. Große Eulen machen auch Jagd auf Igel, junge Füchse und Rehkitze.
Meistens bringen Eulen ihre Beute zum Unterschlupf. Erst dort verschlingen ihre Beute oft in wenigen Happen mit Haut und Haaren. Nach der Mahlzeit spucken sie Unverdauliches wie Knochen, Zähne oder Federn ihrer Beutetiere in grauen Klumpen wieder aus – den so genannten Gewöllen.
Bauplan der Natur
Der Uhu
- 1,5 bis 4,2 Kilogramm schwer
- 66 bis 71 Zentimeter groß
- 160 bis 180 Zentimeter Flügelspannweite
- 50 Kilometer pro Stunde schnell
Der Trick mit dem Blick
Eulen können wir richtig in die Augen schauen! Bei den meisten anderen Vögel geht das nicht, denn die haben ihre Augen an der Seite des Kopfes. Dazu kommt noch der Eulenschnabel als „Nase“ und schon haben wir den Eindruck, ein richtiges menschliches Gesicht vor uns zu haben. Das ist ein Grund, warum viele Menschen Eulen so faszinierend finden. Es gibt aber noch mehr Gründe ...
Was Eulen alles können
Den Kopf verdrehen
Eulen können ihren Kopf bis zu 270 Grad drehen. Das ist so, als könntest du deinen Kopf so weit nach rechts drehen, bis du deine linke Schulter sehen kannst! Mit solch einem „Schraubenkopf“ können Eulen Beutetiere enorm gut verfolgen. Sie können das, weil sie 14 Halswirbel haben. Zum Vergleich: Die meisten Säugetiere und damit auch wir Menschen haben nur 7!
Im Dunkeln sehen
Eulen können nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht sehr gut sehen. Damit Eulen auch bei wenig Licht jagen können, haben sie riesengroße, sehr lichtempfindliche Augen. Hättest du im Verhältnis zu deinem Gesicht solche Augen, dann wären sie so groß wie Äpfel!
Lautlos fliegen
Eulenfedern sind flauschig locker, weich wie Samt und an den Spitzen besonders gezähnt, ähnlich wie eine Briefmarke. Dadurch fliegen Eulen fast lautlos durch die Luft.
Kräftig zupacken
An den vier Zehen sitzen gekrümmte, messerscharfe Krallen: Zwei Zehen zeigen nach vorne, eine nach hinten. Die vierte Zehe ist eine Wendezehe. Die Eule kann sie nach vorne oder hinten drehen.
Auf Beutezug helfen Eulen nicht nur die scharfen Krallen, sondern auch ihr kräftiger Hakenschnabel. Der Schnabel ist schmal, spitz und gekrümmt.
Super hören
Ihre Gesichtsfedern wirken wie Antennen, die alle Geräusche ihrer Umgebung auffangen und zu ihren Ohren leiten. Ein Raufußkauz zum Beispiel erkennt eine kleine Maus aus bis zu 70 Metern Entfernung in völliger Dunkelheit – und sogar unter einem halben Meter Schnee.
Schon gewusst?
Die auffälligen spitzen „Federohren“ oben auf dem Kopf von Waldohreule und Uhu sind Federn und keine Ohren! Die echten Ohren sind kleine Öffnungen, die etwa auf Augenhöhe links und rechts am Kopf sitzen.
Wie viele Eulenarten gibt es?
Weltweit gibt es rund 200 Eulenarten. Alle Eulen bilden eine eigene Vogelgruppe und sind nicht mit den Greifvögeln verwandt. In Deutschland brüten und leben zehn Eulenarten. Wir stellen sie dir vor und starten mit der größten Eule.
Zu Besuch in Deutschland
Die Schneeeule lebt in der Arktis und kommt nur in sehr kalten Wintern im deutschen Wattenmeer vorbei. Sie wird bis zu 2 Kilogramm schwer und ist die einzige Eulenart, die sich im Sommer bis zu 800 Gramm Körperfett anfuttern kann, um so den arktischen Winter zu überstehen.
Schon gewusst?
Auch Käuze sind Eulen. Der einzige Unterschied ist, dass Käuze keine Federohren auf dem Kopf haben.
Jungeulen: Supersüß und neugierig
Die Jungeulen sind sehr neugierig: Sie verlassen ihr Nest lange bevor sie richtig fliegen können. Als so genannte Ästlinge hüpfen sie dann von Ast zu Ast, bis sie im Herbst richtig flügge werden. Erst dann suchen sie sich ein eigenes Revier. Solange füttern ihre Eltern sie weiter.
Die meisten Eulenarten bauen übrigens keine eigenen Nester. Sie suchen sich einfach verlassene Nester anderer Vögel oder nisten in Höhlen oder auf Dachböden. Ab April legen sie zwischen zwei bis zwölf Eier und brüten bis zu 34 Tage. Während die Eulenmutter brütet, übernimmt der Eulenvater das Fressenholen.
Eulen in Not
Obwohl alle einheimischen Eulenarten streng geschützt sind, stehen die meisten von ihnen auf der Liste der bedrohten Arten. Denn es gibt nicht mehr viele Orte, an denen Eulen ungestört Familien gründen und leben können. Vor allem Arten, die auf einen bestimmten Lebensraum oder bestimmte Beutetiere angewiesen sind, haben es schwer.
Kein Platz mehr
Viele Eulen lieben alte Bäume mit großen Höhlen, in denen sie sich verstecken und brüten können. Durch die Abholzung naturnaher Wälder gibt es immer weniger solcher Verstecke. Die Sumpfohreule leidet unter der Entwässerung von Mooren und Sümpfen. Auch die Schleiereule hat es oft schwer. Früher gab es für sie zahlreiche alte Scheunen, Dachböden und baufällige Kirchtürme. Heute sind viele renoviert oder abgerissen und bieten Eulen keinen Platz mehr.
Zu viele Straßen und zu viel Verkehr
Straßen eignen sich für viele Eulen hervorragend als Jagdplatz. Sie sind im Sommer frei von Pflanzen und im Winter frei von Schnee. Mäuse, die über die Straße flitzen, sind besonders leicht zu erbeuten. Beim Abflug von einem Ast oder einem Straßenschild neben der Straße stoßen viele Eulen mit Autos zusammen. Oft gehen diese Unfälle für die Vögel tödlich aus.
Äcker ohne Mäuse
In der modernen Landwirtschaft finden viele Tiere keine Nahrung oder keinen Unterschlupf mehr. Mäuse und andere Nagetiere – die Hauptbeutetiere vieler Eulen – sind dadurch seltener geworden.
Wir helfen den Eulen
Alle Eulen mögen Landschaften mit alten Bäumen mit Höhlen zum nisten. Und mit vielen Beutetieren, auf die sie Jagd machen können – so wie hier in den Auenwäldern an der Elbe.
Unser Plan
Wir wollen, dass die Auenwiesen und Auenwälder an der Elbe wieder natürlich überflutet werden, damit viele seltene Tiere und Pflanzen dort wieder leben können. Wie die Sumpfohreule: Sie ist die einzige in Deutschland lebende Eule, die ihr Nest am Boden baut und dort brütet. Und sie ist superselten!
An der Mittleren Elbe bei Dessau liegt unser größtes Naturschutzprojekt. Das Projektgebiet ist so groß wie 13.000 Fußballfelder! Hier gab es einen langen Deich, der verhindert hat, dass Hochwasser in den Wald dahinter strömen konnte. Wir haben in einiger Entfernung vom Fluss einen neuen über 7 Kilometer langen Deich gebaut. In den alten Deich haben wir viele Löcher gebaggert. Jetzt kann die ganze Fläche bis zum neuen Deich wieder natürlich vom Flusswasser überschwemmt werden. Gut für Sumpfohreulen, gut für die ganze Natur!
Urwäldern von morgen
Der Auwald reicht nicht über die gesamte Fläche. Dort, wo früher Äcker oder Wiesen waren, pflanzen wir Eichen, Ulmen und andere Bäume, die in einen Auwald gehören. Damit das Wasser bei Hochwasser auch gut vom Fluss in die Aue strömen kann, baggern wir kleine Rinnen zum Wald hin. Die gibt es auch in den natürlichen Auen. In unserem Projektgebiet dürfen sich die Auwälder zu „Urwäldern von morgen“ entwickeln. Bäume dürfen nicht gefällt, sondern können alt und dick werden. Spechte lieben alte Bäume. Sie bauen dort ihre Höhlen. Und als „Nachmieter“ können die Eulen einziehen. Da die Wälder ungestört sind, tummeln sich dort auch viele Mäuse und andere kleine Tiere – die Beute der Eulen.
Was ist eigentlich ... eine Aue?
Natürlicherweise treten Flüsse und Bäche immer wieder über ihre Ufer und überschwemmen die Umgebung. Solche Hochwasser gibt es zum Beispiel, wenn es lange und viel regnet oder wenn im Frühjahr der Schnee schmilzt. Der Bereich am Fluss, der mehrmals im Jahr überschwemmt wird, wird Aue genannt. Dort fühlen sich etliche verschiedene Tiere und Pflanzen wohl. Viele von ihnen sind bei uns in Deutschland sehr selten geworden. Zum Beispiel die Sumpfohreule. In Europa gibt es nirgendwo so viele verschiedene Arten wie in den Auen.
Was noch den Eulen hilft
Heute stehen Eulen bei uns unter strengem Schutz. Auch Schutzgebiete und Naturflächen sind für Eulen wichtig, wo sie Brutplätze in alten Bäumen und genügend Beute finden können. Für beides setzt sich der WWF seit vielen Jahren ein. Der WWF hilft auch in Auffangstationen verletzten Eulen wie auf dem Bild. Außerdem werden seltene Eulen aus der Nachzucht von Zoos erfolgreich ausgewildert.
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Brutplatz für Schleiereulen | WWF Junior
Was du tun kannst
Hilf mit, Brutplätze für Eulen zu sichern: Denn vielen Eulen fehlt ein Platz zum Brüten. Manche Eulenarten brüten gerne in der Nähe des Menschen, zum Beispiel in Kirchtürmen und Scheunen, aber auch in alten Bäumen von Parks und Obstgärten.
Geh‘ einfach mal mit deinen Freunden auf die Suche nach möglichen Eulenbrutplätzen in eurer Umgebung. Macht eine Liste oder zeichnet sie auf einer Karte ein und gebt sie an den Naturschutzbeauftragten eures Stadtteils. Bittet ihn, diese Plätze für Eulen mit deren Besitzern zu sichern.
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