Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) werden derzeit 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel unnötigerweise weggeworfen. Mit der Lebensmittelverschwendung einher geht eine Ressourcenverschwendung von ungeheurem Ausmaß, denn für jedes weggeworfene Lebensmittel werden natürlich auch wertvolle Ressourcen wie Wasser, Boden und Energie eingesetzt. Beispielsweise wächst eine Ananas zwei Jahre bis sie genussreif ist. Dann wird sie aus Costa Rica oder Kolumbien nach Deutschland gebracht, nur um am Ende hier weggeworfen zu werden.

Mehr als die Hälfte der anfallenden Lebensmittelabfälle wäre jedoch vermeidbar. Bereits durch kleine Maßnahmen, ob bei Verbraucher:innen, in der Gastronomie, im Supermarkt oder auf dem Acker – könnten Verluste vermieden und damit wertvolle Ressourcen eingespart werden.

Ursachen der Verschwendung

 Frisch geerntete Kartoffeln © Ola Jennersten / WWF-Sweden
Frisch geerntete Kartoffeln © Ola Jennersten / WWF-Sweden

Die Ursachen für Lebensmittelverschwendung sind vielfältig. Dies fängt schon auf dem Acker an. Aufgrund der strengen Handelsnormen und hohen Anforderungen der Supermärkte oder der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie wird ein Teil der Ernte bereits auf dem Feld aussortiert. Während der Weiterarbeitung entstehen Verluste durch Transportschäden, falsche Lagerung oder technische Ursachen. In der Gastronomie liegen die Gründe z.B. an der schlechten Planbarkeit, der Überproduktion für Buffets oder den zu großen Portionen. Oft fehlt den Betrieben das Wissen, wo an welcher Stelle wie viele Lebensmittelabfälle anfallen und wie viel dies in der Gesamtheit pro Tag, pro Woche oder pro Monat ist.

Ebenso werden im Groß- und Einzelhandel große Mengen Lebensmittel aussortiert. Ist eine Orange im Netz oder eine Tomate in der Kiste verdorben, wird alles weggeschmissen. Ein weiterer Grund liegt in dem Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Ist das MHD bald erreicht, gilt die Ware nicht mehr als verkäuflich. Anreize an die Verbraucher, mehr und größere Packungen zu kaufen, sorgen wiederrum dafür, dass Abfälle in den Privathaushalten anfallen. Auch im privaten Haushalt sind die Gründe für Lebensmittelverschwendung vielfältig. Hier liegt es oft an der falschen Lagerung, der mangelhaften Einkaufsplanung oder daran, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum als Wegwerfdatum gesehen wird.

Was können wir gegen diese unglaubliche Verschwendung tun?

Acker mit Wildblumen © photonaj / iStock / Getty Images Plus
Acker mit Wildblumen © photonaj / iStock / Getty Images Plus

Lebensmittel müssen wieder mehr wertgeschätzt werden. Dabei spielen unsere Konsumgewohnheiten eine große Rolle. Es ist gar nicht so schwer Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Wir müssen uns erst einmal bewusst machen, dass Obst und Gemüse natürliche Produkte sind und es daher ganz selbstverständlich ist, dass sie nicht immer perfekt aussehen. Als Verbraucher ist es hilfreich, zu schauen, was man eigentlich wegwirft und dort sollte man ansetzen.

Wer häufig zu viel einkauft, könnte Listen schreiben und ganz genau planen. Ansonsten kann man Überschüssiges auch einfrieren, an Freundinnen und Freunde und Nachbarinnen und Nachbarn weitergeben oder einfach etwas Kreatives daraus kochen. Zudem sollte das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht als Stichtag zum Wegwerfen gesehen werden. Durch riechen oder probieren kann die Verzehrbarkeit geprüft werden.

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Insgesamt sollte die gesamte Lebensmittelversorgungskette in die Pflicht genommen werden. Denn nur gemeinsam, vom Acker bis zum Teller, können wir das globale Ziel, die Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren, auch erreichen. Zu diesem Ziel hat sich auch Deutschland mit der nationalen Strategie gegen die Verschwendung von Lebensmittelabfällen verpflichtet. Es sind also alle gefragt, ihren Beitrag zu leisten. In Zukunft sollte es für die Unternehmen, ob Gastronomie oder Handel oder Lebensmittelindustrie, zum alltäglichen wirtschaftlichen Handeln gehören, regelmäßig Lebensmittelabfälle zu erheben, die Ursachen zu identifizieren sowie Maßnahmen zu deren Reduzierung umzusetzen und auf deren Wirksamkeit zu überprüfen.

Wesentlich ist, dass die gesamte Lieferkette mit einbezogen wird, von der Ernte bis zur Verarbeitung und Verkauf. Ebenso wie die Themen Energie oder Wasser sollte auch die Vermeidung von Lebensmittelabfällen Teil der Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen sein. Angesichts knapper werdender Ressourcen, insbesondere von fruchtbarem Ackerland, können wir es uns zukünftig nicht mehr leisten, verschwenderisch mit unseren Ressourcen umzugehen. Lebensmittel sind unsere „Mittel zum Leben“ und ein sorgsamer und wertschätzender Umgang mit ihnen sollte selbstverständlich sein.

Das tut der WWF gegen Lebensmittelverschwendung

Der WWF engagiert sich auf sehr vielfältige Weise zum Thema Lebensmittelverschwendung. Durch Kampagnen tragen wir das Thema in die breite Öffentlichkeit und versuchen die Aufmerksamkeit für die Problematik zu erhöhen. In verschiedenen Studien zeigen wir auf, wie sich unser alltäglicher Umgang mit Lebensmitteln auf die Umwelt auswirkt, blicken dabei aber auch auf die sozialen Konsequenzen. Darüber hinaus schauen wir auf die Politik. Welche internationalen Ziele gibt es und wie werden diese umgesetzt, wie spiegelt sich dies in der europäischen Politik wider und wie ist die Politik der Bundesregierung und der Bundesländer zu bewerten.

Durch die fortwährende Politikarbeit versucht der WWF politische Handlungsoptionen aufzuzeigen und umzusetzen, damit das Ziel der Halbierung der Lebensmittelabfälle bis 2030 auch erreicht wird. Durch unsere Projekte arbeiten wir ganz konkret mit Akteuren der Lebensmittelmittelversorgungskette und entwickeln gemeinsam Maßnahmen zur Reduzierung. Dabei kann der WWF Deutschland auf vielfältige Erfahrungen aus dem internationalen WWF-Netzwerk zurückgreifen. Ein Beispiel ist das Projekt "Nachhaltiger Konsum in Südostasien"

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