In den letzten Monaten hat die COVID-19-Pandemie die Schwachstellen und Ungleichheiten in den Ernährungssystemen offengelegt. Im Angesicht der Sorge um Versorgungsengpässe wurden wir Verbraucher:innen dazu angeregt, darüber nachzudenken, wo bestimmte Produkte und Lebensmittel eigentlich herkommen. Und wie selbstverständlich die Versorgung mit allen Lebensmitteln für uns ist – und was passiert, wenn die Wirtschaft nicht wie gewohnt laufen kann.

Was ist ein Ernährungssystem?

Bio-Anbau in Thailand © Baramee Temboonkiat / WWF Thailand
Bio-Anbau in Thailand © Baramee Temboonkiat / WWF Thailand

Unter einem Ernährungssystem werden alle Elemente (Umwelt, Menschen, Inputs, Prozesse, Institutionen usw.) und Aktivitäten zusammengefasst, die sich auf die Produktion, die Verarbeitung, den Vertrieb, die Zubereitung und den Verzehr von Lebensmitteln beziehen, sowie die Ergebnisse dieser Aktivitäten, einschließlich der sozioökonomischen und ökologischen Auswirkungen. 

Vor allem im Globalen Süden gerieten Menschen infolge der Corona-Pandemie in Existenznot. So konnten viele Landwirte in Thailand ihr Gemüse nicht mehr verkaufen und Konsument:innen kamen teilweise nicht an Lebensmittel heran, weil die Lieferketten unterbrochen und Märkte geschlossen wurden. Die Pandemie verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, die Ernährungssysteme nachhaltiger, inklusiver und widerstandsfähiger zu machen.  

Wie der jüngste WWF Living Planet Report zeigt, ist der wichtigste direkte Treiber des Biodiversitätsverlustes in den letzten Jahrzehnten der Landnutzungswandel, vor allem die Umwandlung natürlicher Lebensräume (Wälder, Grasland und Mangroven) in landwirtschaftliche Systeme.  

Ein Aufruf zum Handeln!

Der Food Systems Summit zielt darauf ab, die Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit der weltweiten Ernährungssysteme zu verbessern. Es ist ein Aufruf zum Handeln auf allen Ebenen der Ernährungssysteme, denn die notwendige Transformation können wir nur mit vereinten Kräften erreichen.  

Einen gemeinsamen Nenner zu finden ist dringender als je zuvor, um die Ernährungsbedürfnisse der heutigen und zukünftigen Bevölkerung zu befriedigen, die Lebensgrundlagen der Landwirte zu sichern und zu verbessern und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen und biologische Vielfalt zu erhalten.  

Eine Chance für Veränderungen

Eine pflanzenbasierte Ernährung kann zum Klimaschutz beitragen © Kristan Gabriel Villalon / WWF Philippines
Eine pflanzenbasierte Ernährung kann zum Klimaschutz beitragen © Kristan Gabriel Villalon / WWF Philippines

Der Summit bietet die einzigartige Chance, innovative Lösungen und Pläne zur Umgestaltung unserer Ernährungssysteme auf den Weg zu bringen und diese Veränderungen zu nutzen, um Fortschritte bei allen Sustainable Development Goals (SDGs), den globalen Nachhaltigkeitszielen, zu erzielen. Die Ziele sind Teil der Agenda 2030, die als Fahrplan für die Zukunft gesehen werden. Dahinter steht die Erkenntnis, dass die Transformation der Ernährungssysteme entscheidend ist, um die 17 SDGs bis 2030 zu erreichen. Alle SDGs sind eng verknüpft mit nachhaltigeren und gerechteren Ernährungssystemen.  

UN Food Systems Summit Dialogues

Über sämtliche Phasen des Summits hinweg werden Schlüsselakteur:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesundheitswesen sowie Landwirt:innen, indigene Völker, Jugendorganisationen, Verbraucher:innengruppen und Umweltaktivist:innen miteingebunden.  

Im Vorfeld finden Dialogforen statt, um einem breiten Spektrum von Interessengruppen die Möglichkeit zu geben, die Stellschrauben für Veränderungen in den Ernährungssystemen zu finden. Gemeinsam sollen Grundsätze und Wege entwickelt werden, diese Systeme bis 2030 und darüber hinaus nachhaltiger zu gestalten.  

Die Ergebnisse der Dialoge werden auf einer Austauschplattform veröffentlicht und fließen in die Gestaltung der Zeile des Gipfels ein. Regierungen und andere Interessengruppen werden so angeleitet, ihre Ernährungssysteme als Hebel zur Verwirklichung der SDGs umzugestalten.  

Die Rolle des WWF

In fünf Aktionsbereichen wird der Food Systems Summit Schritte einleiten, um:  

1. den Zugang zu nahrhaften Nahrungsmitteln zu gewährleisten 

2. zu nachhaltigem Konsum überzugehen 

3. eine naturverträgliche Produktion zu fördern 

4. gerechte Lebensgrundlagen zu schaffen 

5. die Widerstandsfähigkeit gegen Schocks und Stress zu steigern 

Joao Campari, Leiter der globalen WWF Food Practice, ist zum Vorsitzenden des Summit Tracks 3 „Boosting Nature Positive Production at Sufficient Scale” ernannt worden. Eine naturverträgliche Produktion zielt darauf ab, Nahrungsmittelsysteme aufzubauen, die dem grundlegenden Menschenrecht auf gesunde Nahrung global gerecht werden und gleichzeitig innerhalb der planetaren Grenzen liegen.  

Auf dem Food Systems Summit wird der WWF seine Erfahrungen und das Fachwissen der Organisation nutzen, um im Austausch mit anderen Interessengruppen wegweisende Transformationen herbeizuführen. 

Der Gipfel wird im September 2021 in New York stattfinden. 

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