Was können wir tun, um die Ressourcen der Erde nachhaltig zu nutzen, damit sie für alle ausreichen, ohne dabei das Klima und die Umwelt zu schädigen?

Nach einer Prognose der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung bis 2050 um zwei Milliarden Menschen wachsen, in dreißig Jahren würden dann etwa zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben, deren Versorgung gesichert sein will.  

In einem Bericht der Food and Agriculture Organization (FAO) war 2019 fast jeder zehnte Mensch unterernährt. Die Zahl der Hungernden steigt seit 2014 wieder an, eine der Ursachen ist laut FAO der Klimawandel, doch auch die Corona-Pandemie wird weitere Auswirkungen haben. 

Aktuell werden 38 Prozent der weltweiten Landfläche, das entspricht fünf Milliarden Hektar, landwirtschaftlich genutzt, ein Drittel davon ackerbaulich, zwei Drittel dienen als Weideland.  

Es wird geschätzt, dass etwa 70 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel von Kleinbäuerinnen und -bauern, die weniger als zwei Hektar Land zur Verfügung haben, hergestellt werden. Ein Drittel wird lediglich für den eigenen Verbrauch genutzt, So können diese Bäuerinnen und Bauern keine Rücklagen bilden und sind den Folgen des Klimawandels und weiteren Krisen und Konflikten besonders ausgeliefert. 

Folgen der Lebensmittelerzeugung

Entwaldung © David Bebber / WWF UK
Entwaldung © David Bebber / WWF UK

Laut Living Planet Report 2020 des WWF ist die heutige Form der Lebensmittelerzeugung verantwortlich für 80 Prozent der Entwaldung, 70 Prozent des Verlustes der Biodiversität und etwa 33 Prozent der Treibhausgasemissionen.  

Die deutsche Landwirtschaft trägt erheblich dazu bei, nicht zuletzt, weil in Deutschland so viele tierische Produkte produziert und gekauft werden. 75 Prozent der Fläche, auf der für den deutschen Markt produziert wird, werden für die Produktion von Tierfutter genutzt. Da der Bedarf jedoch so hoch ist, werden 90 Prozent des Tierfutters auf Ackerland erzeugt, das gar nicht in Deutschland liegt und häufig durch Entwaldung geschaffen wurde.  

2020 wurde weltweit so viel Waldfläche zerstört, wie in den vergangenen 20 Jahre nicht. Das ist besonders bitter, wenn man sich bewusst macht, dass ein Drittel der weltweit erzeugten Lebensmittel verloren geht, sei es durch nicht vorhandene Lagermöglichkeiten relativ am Anfang oder durch das Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel am Ende der Lieferkette. 

Chancen der Agrarökologie

Der Begriff Agrarökologie bezeichnet einen übergeordneten Ansatz, bei dem neben wirtschaftlichen, auch ökologische und soziale Prinzipien in die Planung und Umsetzung von Agrar- und Ernährungssystemen einfließen. Die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren, Menschen und der Umwelt sollen genutzt und optimiert werden.  

Besonders wirtschaftlich und klimatisch benachteiligte Gebiete profitieren von einem solchen Ansatz. Ziel ist es nicht, möglichst hohe Erträge von nur einer Kultur wie zum Beispiel Weizen oder Raps pro Fläche zu erzeugen, sondern eine möglichst große Vielfalt an unterschiedlichen Kulturen, Pflanzen, Tieren und auch Bäumen oder Hecken zu haben, die sich gegenseitig positiv beeinflussen. Durch diese Vielfalt kann sogar die Produktivität gesteigert und gleichzeitig Biodiversität gefördert und das Klima geschützt werden. Zudem sichert es den Landwirt:innen langfristig Sicherheit, indem solche Systeme widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels sind.   

Ein Beispiel sind Agroforst-Systeme, bei denen Ackerbau und Holzproduktion kombiniert werden. Dort zeigt sich bereits, dass so nicht nur die Flächenproduktivität erhöht, sondern auch das Einkommen diversifiziert werden kann. 

Vom WWF unterstützte Projekte mit Agroforstsystemen

Um den Lebensraum vieler seltener Arten in Ecuador zu schützen und gleichzeitig dafür zu sorgen, die Lebensgrundlage von Kakaobäuerinnen und -bauern zu erhalten, arbeitet der WWF mit lokalen und indigenen Kooperativen zusammen. Bereits seit 2009 wird so in verschiedenen Projektregionen nachhaltiger Kakao angebaut. Die Produktion erfolgt nach ökologischen Standards in dynamischen Agroforstsystem.

Im atlantischen Regenwald in der Projektregion Alto Paraná in Paraguay setzt der WWF ein Anbauprojekt um, das eine naturnahe Art der Landwirtschaft anstrebt, die an die Folgen des Klimawandels angepasst ist. Der in Paraguay heimische Mate-Baum spielt im Projekt eine besondere Rolle. Durch Aufbau von Agroforstsystemen werden naturnahe Systeme geschaffen und degradierte Flächen wieder nutzbar gemacht. Dabei wird der Mate-Baum zusammen mit anderen heimischen Baumarten angebaut. Unter den Bäumen werden noch weitere Pflanzen wie Maniok oder sogar Melonen gepflanzt. Die Bäume und Pflanzen profitieren voneinander.

Naturverträgliche Produktion

Kartoffel-Ernte © Ola Jennersten / WWF Schweden
Kartoffel-Ernte © Ola Jennersten / WWF Schweden

Agrarsysteme sind nur zukunftsfähig, wenn sie gleichzeitig Ökosysteme schützen und Biodiversität bewahren oder aufbauen. Es gilt also, die Lebensmittelproduktion so zu verbessern, dass sie die Tragfähigkeit unserer Ökosysteme und des Planeten nicht überschreiten.  

Deshalb müssen wir weg von einer Maximierung von Produktion und Gewinn auf Kosten der Natur, hin zu einer naturverträglichen Produktion, die nicht im Widerspruch zu Biodiversitätserhalt und Klimaschutz stehen. Außerdem gilt es, die natürliche Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder wiederaufzubauen und die Nährstoffkreisläufe zu verbessen, denn 52 Prozent der Ackerflächen der EU gelten bereits als degradiert. 

Insbesondere kleinere Betriebe können von agrarökologischen Ansätzen profitieren. Viele gelungene Beispiele aus benachteiligten Regionen zeigen dies bereits. Aber auch für Großbetriebe ist eine Umstellung sinnvoll und notwendig.

Umsetzung der Agrarökologie mithilfe von fünf Hebeln

Umsetzung von Agrarökologie mithilfe von fünf Hebeln © WWF 2021, nach Gliessman 2014 und 2016
Umsetzung von Agrarökologie mithilfe von fünf Hebeln © WWF 2021, nach Gliessman 2014 und 2016

Der WWF verdeutlicht den Weg zur Agrarökologie mit einem Fünf-Schritte-System. Im ersten Schritt sollen Ressourcen besser genutzt werden, der zweite Schritt führt zu einer Verringerung negativer Umwelteffekte, indem eher Nützlinge anstatt Pestizide oder robustes, stress-tolerantes Saatgut verwendet werden. Der dritte Schritt steht für Neukonzeption der Anbaumethoden und somit für die Schwelle zur Transformation zu einem agrarökologischen System. Hier werden regionale Kreisläufe geschlossen, Mischkulturen oder die Verbindung von Ackerbau und Tierhaltung angeregt.

„Die Betrachtung der gesamten Landschaft und nicht nur der Betriebsgrenzen ist essenziell, um positive Effekte auf die Biodiversität, das Klima und den Ressourcenschutz, beispielsweise der Wasserressourcen zu erzielen.“

Michael Berger, WWF-Referent für nachhaltige Landwirtschaft und Ressourcenschutz

Im vierten Schritt kommt die soziale Komponente ins Spiel, indem wieder Verbindungen zwischen Produzenten und der Bevölkerung hergestellt werden. Im letzten Schritt soll eine globale Veränderung der Ernährungssysteme bewirken, dass nicht nur wenige profitieren, sondern alle Menschen Zugang zu gesunden, fair und nachhaltig produzierten Lebensmitteln haben und letztlich wesentlich weniger im Abfall landet. In Europa könnte so eine halbe Milliarde Menschen 2050 trotz Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und Düngemittel ernährt werden.

Wandel nötig

Weideland auf entwaldeten Fläche © Adriano Gambarini / WWF Brasilien
Weideland auf entwaldeten Fläche © Adriano Gambarini / WWF Brasilien

Um aus diesem selbstzerstörerischen System auszubrechen, müssen Landwirt:innen weltweit zu höheren Umwelt- und Sozialstandards produzieren können und entsprechend besser bezahlt werden. Schließlich produzieren sie nicht nur Lebensmittel, sondern tragen so auch zum Schutz von Ökosystemen bei, die letztlich der gesamten Gesellschaft nutzen.  

Umwelt- und Klimaschutz müssen unbedingt in betriebswirtschaftliche Erwägungen eingepreist werden. Jeweils geltende Steuer- und Subventionssysteme müssen angepasst werden, damit weltweit umwelt- und klimaschonende Praktiken bei der Lebensmittelerzeugung einen finanziellen Vorteil bieten und für Produzent:innen attraktiv sind.  

Genauso dürfen Lebensmittel, die umwelt- und klimafreundlich, zu fairen Löhnen und hohen sozialen Standards produziert wurden, nicht teurer sein, als Lebensmittel, die zu hohen Kosten für die Gesellschaft, Klima und Umwelt hergestellt wurden. Auch deshalb setzt sich der WWF für ein starkes Lieferkettengesetz ein. 

Durch eine ökologische und sozial verträglichere Gestaltung der Agrar- und Ernährungssysteme werden Ökosysteme und damit auch die Artenvielfalt geschützt, Anpassungen an den Klimawandel ermöglicht und die sozioökonomische Situation der Landwirtinnen und Landwirte in kleinbäuerlichen Strukturen verbessert. Wer Klima und Umwelt schützt, sichert die Ernährung von zehn Milliarden Menschen.  

Allein wenn wir weniger Fleisch und stattdessen mehr Pflanzliches essen würden, wäre für die Sicherung der Welternährung und gleichzeitig für den Schutz von Umwelt und Klima schon ein erster großer Schritt getan. Mehr dazu können Sie in unserer Besseresser:innen-Studie lesen.

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