Kaum ein Lebewesen auf der Erde fasziniert und berührt uns Menschen so sehr wie die Wale. Blauwale sind die größten Tiere der Erde, Schwertwale leben in engen sozialen Strukturen und Buckelwale kommunizieren über große Entfernungen hinweg mithilfe komplexer Gesänge.

Im ökologischen Gefüge der Ozeane sind Wale unverzichtbar: Mit ihren Ausscheidungen versorgen sie das marine Ökosystem mit Nährstoffen, fördern das Wachstum von Phytoplankton und helfen damit sogar beim Kampf gegen die Klimakrise. Denn Phytoplankton kann enorme Mengen CO2 aufnehmen. So sorgt ein einziger Wal in seinem Leben im Durchschnitt für die Speicherung von so viel Kohlenstoff wie 1.000 Bäume.

Auch wenn sich die Bestände der großen Wale mit dem Walfangverbot 1986 wieder etwas erholt haben, sind sie inzwischen einer nicht minder tödlichen Gefahr ausgesetzt: Der Bedrohung durch Plastikmüll. Kein Winkel des Ozeans ist mehr frei von Plastik, ob im 8.000 Meter tiefen Pazifikgraben oder direkt an der Meeresoberfläche.

An die Faszination, die Schönheit aber auch die Bedrohung der großen Meeressäuger erinnert seit 1980 jedes Jahr am dritten Sonntag im Februar der Welt-Wal-Tag.

Chris Johnson, Globale Leitung der Initiative zum Schutz von Walen und Delfinen des WWF International

Plastikmüll ist überall

Buckelwal © Alexis Rosenfeld
Buckelwal © Alexis Rosenfeld

Von den Stränden der Nordsee über abgelegene tropische Inseln bis hin zu arktischen Regionen belastet Plastikmüll unsere Meere und gefährdet Leben und Gesundheit von Walen und Delfinen, aber auch Fischen, Meeresschildkröten und Seevögeln.

Gefahr durch Plastikmüll droht auf drei verschiedene Arten: Als vermeintliches Beutetier, das den Magen verstopft, als verlorenes Geisternetz, das zur verheerenden Falle wird oder in Form von millimeterkleinem Mikroplastik, das in seine giftigen Bestandteile zerfällt.

Jeder zweite Wal hat Plastik im Magen

Wale und Delfine verschlucken vermutlich deshalb so viele Plastiktüten, weil sie sie mit Beutetieren wie zum Beispiel Quallen oder Tintenfischen verwechseln. Sie verhungern, während ihr Magen mit Plastik vollgestopft ist.

Forscher:innen gehen davon aus, dass sich je nach Art und Region bei bis zu 60 Prozent der Wale Plastik im Magen befindet! Besonders stark davon betroffen sind Pottwale, die für die Jagd nach Tintenfischen in große Tiefen von mehreren tausend Metern tauchen. Im Magen eines vor Sardinien gestrandeten Pottwals wurden im April 2019 ganze 22 Kilogramm Plastikmüll gefunden. Besonders tragisch: Das Pottwalweibchen war schwanger, mit ihm starb auch sein Junges.

In Deutschland sorgte ein im Januar 2016 an der deutschen Nordseeküste gestrandeter männlicher Pottwal für Aufsehen, aus dessen Magen man ein Fischernetz holte, das fast so lang war wie der Wal selbst.

Geisternetze fangen jahrzehntelang weiter

Pottwal im Indischen Ozean © Alexis Rosenfeld
Pottwal im Indischen Ozean © Alexis Rosenfeld

Walen, Delfinen und Meeresschildkröten droht Lebensgefahr auch durch verlorene Fischernetze, die sogenannten Geisternetze. Das sind Fischernetze, die versehentlich oder aus Bequemlichkeit im Meer entsorgt wurden.

Jedes Jahr verheddern sich 300.000 Wale und Delfine in ihnen und sterben einen langsamen und qualvollen Tod durch Verhungern, Erschöpfung oder Ersticken. Zehn Prozent allen Plastikmülls im Meer besteht aus solchen Netzen und Seilen.

Mikroplastik – winzig und giftig

Plastik braucht hunderte von Jahren, bevor es zerfällt. Hunderte von Jahren, in denen es im Meer schwere Verwüstungen anrichtet. Aber auch als winziges Mikroplastik ist der Müll kaum weniger gefährlich. Immer wieder werden kleinste Plastikteile in den Mägen von Walen und ihrer Beute gefunden.

Mikroplastik zerfällt unter dem Einfluss von Sonnenlicht in seine unsichtbaren, giftigen Bestandteile. Diese Gifte arbeiten sich über Generationen in der marinen Nahrungskette nach oben und können die Fruchtbarkeit und Gesundheit von Meerestieren beeinträchtigen. In Fischgerichten und Meeresfrüchten landet das Mikroplastik schließlich auch auf unserem Teller. Wie es im menschlichen Körper wirkt, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Bald mehr Plastik als Fische?

Südlicher Glattwal mit Taucher © Brian J. Skerry / National Geographic Stock / WWF
Südlicher Glattwal mit Taucher © Brian J. Skerry / National Geographic Stock / WWF

Ob als Plastiktüte im Magen, als tödliche Schlinge um den Hals oder als Giftstoff: Für Meerestiere gibt es keine Chance, dem Plastik zu entkommen. Auf der ganzen Welt wurde in den Mägen von über 240 Tierarten Plastikmüll gefunden.

Jedes Jahr fließt eine Plastikflut von mehr als 19 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer und in Gewässer. Wenn das so weitergeht, könnte es im Jahr 2050 nach Gewicht berechnet mehr Plastik im Meer geben als Fische.

Globales Problem – globale Lösung

Innerhalb von nur einer Generation ist Plastikmüll im Meer zu einer dramatischen Bedrohung geworden. Es liegt in der Verantwortung aller Länder, das Problem auch innerhalb einer Generation wieder zu lösen. Deshalb hat der WWF die Petition „Beenden wir die Plastikflut” gestartet und fordert: Eine rechtlich bindende UN-Konvention muss verabschiedet werden, um den weiteren Eintrag von Plastik ins Meer bis zum Jahr 2030 zu stoppen. Klare, global wirksame Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten sind nötig, um die Entsorgung von Plastikmüll zu kontrollieren. Eine solche UN-Konvention muss auch den Übergang zu zirkularen Wirtschaftskreisläufen mit Recycling, Pfandsystemen und Wiederverwendung forcieren. Oberstes Ziel muss sein, dass Plastik gar nicht erst zu Müll und damit zum Problem wird.

Die UN-Mitgliedsstaaten müssen die Globale Geisternetz Initiative (Global Ghost Gear Initiative/ GGGI) unterschreiben und Managementsysteme einführen, die dem Verlust von Fischernetzen vorbeugen. Die GGGI ist eine weltweit einzigartige globale Allianz aus über 100 unterschiedlichen Organisationen, der auch der WWF angehört. Die Initiative stärkt den kollektiven Einfluss auf die Fischereiindustrie und hilft, globale Lösungen für das Problem der Geisternetze zu entwickeln.

Jeder UN-Mitgliedsstaat muss sich strenge Ziele für die schrittweise Verringerung des Plastikmülleintrags setzen.

Jeder Staat muss verpflichtet werden, nationale Aktionspläne zu implementieren, um diese Ziele zu erreichen.

Gemeinsam gegen Plastikmüll im Meer

Buckelwal-Schwanzflosse © Copr. 2016 / Richard Barrett
Buckelwal-Schwanzflosse © Copr. 2016 / Richard Barrett

Wale sind wunderschöne und faszinierende Tiere, ihre Intelligenz und Anmut inspirieren Menschen auf der ganzen Welt. Für ihre Rettung brauchen wir gesunde Meere und einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Plastikmüll innerhalb einer Generation. Nur wenn wir gemeinsam, global und koordiniert handeln, können wir die Wale und anderen Meeresbewohner vor der Plastikflut retten. Die gute Nachricht ist, dass bereits zwei Millionen Menschen die WWF Petition für eine verbindliche UN Konvention zum Kampf gegen Plastikmüll unterschrieben haben! Und immer mehr Länder und Firmen unterstützen sie.

Der Welt-Wal-Tag immer am dritten Sonntag im Februar erinnert uns daran, dass wir für die Ozeanriesen und alle anderen Meerestiere – aber auch für uns selbst – den Ausstieg aus der Plastikgesellschaft beginnen und das Ende der Plastikkrise einläuten müssen. Am besten noch heute.

Unterstützen Sie den WWF im Kampf gegen die Plastikflut

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