Begleite in unserem spannenden Video Gabriele, unsere WWF Geisternetz-Expertin, mit an die Ostsee! Gemeinsam mit einem Team birgt sie ein großes Geisternetz.
Geisternetze
Sie sind aus Plastik und liegen irgendwo in der Tiefe – keiner weiß, wo genau. Dort sind Geisternetze eine tödliche Gefahr für Fische, Meeressäuger, Meeresschildkröten und Seevögel. Deshalb sorgt der WWF vor der deutschen Ostseeküste dafür, diese Geisternetze zu finden und herauszuholen.
Geisternetze sind leider gar nicht selten. Allein in die Ostsee gelangen jährlich bis zu 10.000 herrenlose Netze, weil sie sich im Sturm losreißen oder von Fischerbooten verloren gehen. Das Tückische: Sie bestehen meist aus Plastik und sind enorm lange haltbar – bis zu 600 Jahre! So lange sind sie auch für die Tiere der Meere gefährlich. Denn sie können sich in ihnen verheddern.
Noch eine Gefahr geht von den Geisternetzen aus. Irgendwann dröseln sie sich nämlich auf und setzen kleine Mikroplastikteilchen frei, die dann ins Meer gelangen. Diese Stoffe sind höchstens fünf Millimeter groß. Sie werden von Fischen und anderen Meerestieren gefressen und können ihnen schaden. Und wenn wir Menschen Fische essen, landet das Mikroplastik irgendwann auch in unserem Magen. Höchste Zeit also, mit dem Aufräumen anzufangen und die Geisternetze einzusammeln. Der WWF tut das bereits seit 2013.
Die Suche nach Geisternetzen
Bei der Suche nach Geisternetzen in der Ostsee helfen viele Menschen mit! Der WWF arbeitet mit Fischerinnen und Fischern und Taucherinnen und Tauchern zusammen. Sie unterstützen die Suche nach Geisternetzen mit ihrer Berufserfahrung: Die Fischerinnen und Fischer kennen ihr Revier und die Taucherinnen und Taucher die Unterwasserlandschaft.
Mithilfe von Sonargeräten wird der Meeresboden nach verloren gegangenen Netzen und Tauen abgesucht. Manchmal sehen Geisternetze am Meeresboden bewachsenen Felsen zum Verwechseln ähnlich. Um das zu überprüfen, tauchen dann meist Sporttaucher und -taucherinnen hinab an die Stelle und verifizieren, ob es sich wirklich um ein Netz handelt.
Nicht nur in solchen Fällen, sondern auch wenn sie anderswo unterwegs sind, halten die Taucherinnen und Taucher nach verloren gegangenen Netzen Ausschau. Wird ein Netz entdeckt, können Fundort und geschätzte Größe des Netzes dem WWF in der App GhostNetZero gemeldet werden.
Auch KI hilft uns bei der Suche nach Geisternetzen, so wollen wir das Finden und Bergen noch schneller und effektiver angehen.
Was ist eigentlich … Ein Sonargerät?
Ein Sonargerät tastet mit Schallwellen den Meeresgrund ab und empfängt deren Echo. Die Echos werden im Computer in eine Strukturkarte des Meeresbodens umgewandelt. So entsteht ein genaues Bild vom Boden: Steine, Sandwellen und auch Geisternetze werden sichtbar.
Netze aus der Tiefe holen
Die Bergung von Geisternetzen ist sehr schwierig und gefährlich. Zusammen mit Forschungs- und Berufstaucherinnen und -tauchern fährt das WWF-Team mit einem Boot zum Fundort und begutachtet die Netze. Sind es leichte Netze, können sie es mit Muskelkraft auf das Taucherschiff ziehen. Fischerinnen und Fischer helfen oft, die tonnenschweren Geisternetze an Bord zu bekommen.
Größere Geisternetze müssen von Arbeitsschiffen geborgen werden. Die Taucherinnen und Taucher schwimmen zum Netz und hängen es an einen Haken. Ein Hebekran eines Kutters hievt es hoch.
So läuft eine Bergungsaktion ab
Geisternetze sind Sondermüll
Auch wenn sie geborgen sind, bleiben Geisternetze ein spezielles Problem, denn sie sind nicht zu recyceln. Ein Grund: Stellnetze etwa enthalten Gewichte aus Blei – einem weichen Schwermetall, das sich über Jahre am Sediment abreiben kann. Das Blei kann von Tieren mit der Nahrung aufgenommen werden. Auch das ist ein Grund, verlorene Stellnetze aus der Meeresumwelt zu entfernen.
Die Netze werden dann bei einem Müllverwerter von Hand in Stücke zerlegt, das Blei und andere Metallteile entfernt. Der Rest der Netze wird verbrannt.
Viel Aufwand, der aber lohnt. Je weniger Geisternetze in den Meeren sind, desto weniger Meerestiere müssen sterben.
Interview: Wir fragen den WWF
Gabriele ist beim WWF Expertin für Geisternetze. Du kannst sie in unserem Video weiter oben in Aktion sehen. Wir haben Gabriele rund um Geisternetze befragt.
Warum sind Geisternetze so gefährlich für Tiere?
Geisternetze „fischen“ jahrzehntelang weiter. Viele Tiere, wie zum Beispiel Seevögel, verheddern sich in ihnen und ertrinken, weil sie zum Luftholen nicht mehr an die Wasseroberfläche schwimmen können. Auch große Säugetiere, wie Wale, Robben und Schildkröten, sterben in den Netzen. Fische verfangen sich in den Netzen und verhungern. Geisternetze sind oft aus Plastik und setzen giftige Chemikalien und Mikroplastik frei, die dann ins Wasser gelangen. Das fressen die Meerestiere und sie werden davon krank oder sterben daran.
Was passiert mit den geborgenen Geisternetzen?
Die Netze aus der Ostsee sind oft mit Bleileinen versehen und Blei ist ein Umweltgift. Dadurch kann man sie schwer recyceln. Sie werden verbrannt und dabei wird Energie gewonnen. Anders ist das mit Fischernetzen, die kein Blei enthalten. In Chile zum Beispiel werden aus alten Netzen neue Dinge produziert. Schwere, große Netze werden dort zu Recycling-Granulat eingeschmolzen. Daraus werden dann beispielsweise neue Skateboards, Frisbees und Sonnenbrillen gefertigt. Ist das nicht toll?
Was können WWF Juniors tun?
Viele Dinge aus Plastik werden nur einmal verwendet und landen dann im Müll. Auf die meisten davon können wir verzichten. Schau doch mal zu Hause nach, was du alles aus Einwegplastik findest. Gibt es dafür vielleicht auch andere Verpackungen? Welche, die immer wieder nachgefüllt werden können, also Mehrweg sind? Außerdem ist es wichtig, Abfall nie in der Natur liegen zu lassen, sondern im Müll richtig zu entsorgen. Erzähle anderen, wie schädlich Plastik in der Natur ist. Vielleicht sammelst du auch beim nächsten Spaziergang Müll aus der Natur ein?
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