Ob beim Tanken, Heizen oder Einkaufen: Unsere Abhängigkeit von Öl und Gas hat ihren Preis. Allein 2025 kosteten Deutschland die Importe fossiler Energieträger unterm Strich 91 Milliarden Euro. Das zeigt eine neue Analyse des Öko-Instituts im Auftrag des WWF Deutschland. Das sind fast 250 Millionen Euro pro Tag. Zum Vergleich: Für diese Summe könnte man jeden Tag rund 500 neue Elektrobusse anschaffen oder mehr als zehn neue Schulen bauen. Und das Tag für Tag, ein ganzes Jahr lang.
Deutschlands teure Abhängigkeit
Eine neue WWF-Analyse zeigt, wie teuer uns die Abhängigkeit von Öl und Gas zu stehen kommt und warum eine beschleunigte Energiewende nicht nur gut fürs Klima, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist.
Warum betrifft uns das alle?
Natürlich handelt es sich dabei nicht allein um Steuergelder, sondern um Ausgaben für Energieimporte, die zunächst vor allem Unternehmen tätigen und die letztlich auch wir Verbraucher:innen mitbezahlen. Aber der Vergleich macht deutlich, um welche gewaltigen Summen es hier geht. Und zeitgleich wird der Verbrauch fossiler Energieträger staatlich subventioniert. Und das ist nicht das einzige Problem: Unsere Abhängigkeit von Öl und Gas macht uns auch anfällig für internationale Krisen und steigende Energiepreise.
Deutschland hat kaum eigene Öl- und Gasvorkommen. Deshalb müssen wir einen Großteil dieser fossilen Energieträger aus dem Ausland einkaufen. Das macht uns abhängig von internationalen Märkten und politischen Entwicklungen, auf die wir wenig Einfluss haben.
Wie teuer diese Abhängigkeit werden kann, zeigte die Energiekrise 2022: Die Importkosten schossen in die Höhe, und Millionen Menschen mussten deutlich mehr fürs Heizen und Tanken bezahlen. Auch Unternehmen gerieten unter Druck.
Wahre Kosten für fossiler Energien viel höher
Was die Analyse dabei noch gar nicht berücksichtigt: Die Schäden, die durch das Verbrennen dieser teuer importierten fossilen Energieträger entstehen. Denn Öl und Gas treiben die Erderhitzung weiter an – mit Folgen, die uns ebenfalls teuer zu stehen kommen.
Ob Überschwemmungen, Dürren, Waldbrände oder Hitzewellen: Die Klimakrise verursacht schon heute Schäden in Milliardenhöhe. Hinzu kommen die Kosten, um unsere Städte, Gebäude, Infrastruktur und Landwirtschaft an die Folgen der Erderhitzung anzupassen. Für zerstörte Straßen und Häuser, Ernteausfälle oder zusätzliche Schutzmaßnahmen zahlen am Ende wir alle mit, über Steuern, Versicherungsbeiträge oder aus eigener Tasche.
Die Rechnung für fossile Energien ist also gleich doppelt teuer: Erst bezahlen wir für ihren Import und dann für die Schäden, die ihre Nutzung mitverursacht. Und je weiter die Erderhitzung voranschreitet, desto höher drohen diese Folgekosten auszufallen.
Wir können zukünftig doppelt sparen
Wind und Sonne haben wir auch in Deutschland. Je mehr Energie wir aus diesen unerschöpflichen Quellen erzeugen und je stärker wir auf elektrische Antriebe und Heizungen umsteigen, desto weniger Öl und Gas müssen wir teuer importieren.
Laut der neuen WWF-Analyse könnten die jährlichen Nettoimportkosten allein durch eine stärkere Elektrifizierung um rund 30 Milliarden Euro sinken. Geld, das nicht mehr für fossile Energieimporte ausgegeben werden müsste und stattdessen beispielsweise stärker in heimische Wertschöpfung fließen könnte.
Doch damit nicht genug: Erneuerbare Energien und Elektrifizierung schützen auch das Klima. Wenn wir weniger Kohle, Öl und Gas verbrennen, sinken unsere Treibhausgasemissionen. Gemeinsam mit konsequentem Klimaschutz weltweit können wir so die Erderhitzung begrenzen und künftige Klimaschäden verringern.
„Öl- und Gasimporte sind die energiepolitischen Achillesfersen Deutschlands und befeuern die Erderhitzung massiv.“
Felix Schmidt, Energieexperte beim WWF Deutschland
Energiewende stärken statt absägen
In Deutschland stehen wichtige Entscheidungen über die Zukunft der Energiewende an. Die Bundesregierung hat eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und das sogenannte Netzpaket auf den Weg gebracht. Aktuell befasst sich der Bundestag mit den beiden Gesetzen, die maßgeblich darüber entscheiden, wie schnell wir künftig Wind- und Solarenergie ausbauen können.
Aktuell drohen die Pläne der Bundesregierung die Energiewende auszubremsen und uns in fossilen Strukturen gefangen zu halten. Zusätzliche Hürden für neue Wind- und Solaranlagen und erschwerte Bedingungen beim Netzanschluss könnten den Ausbau erneuerbarer Energien verlangsamen.
Der WWF fordert deshalb: Der Bundestag muss die Gesetze erheblich nachbessern. Wir brauchen einen konsequenten Ausbau von Wind- und Solarenergie, leistungsfähige und intelligente Stromnetze sowie bessere Bedingungen für den Umstieg auf Wärmepumpen und Elektromobilität.
Internationale Klimafinanzierung
Was für Deutschland gilt, gilt auch weltweit: Die Abkehr von Kohle, Öl und Gas ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch der wirtschaftlichen Sicherheit.
Bei der UN-Klimakonferenz COP31 im November 2026 in der Türkei muss die internationale Staatengemeinschaft deshalb konkrete Fortschritte beim Ausstieg aus fossilen Energien erzielen.
Gleichzeitig müssen wohlhabende Industriestaaten wie Deutschland ihrer Verantwortung bei der internationalen Klimafinanzierung gerecht werden. Denn gerade ärmere Länder benötigen Unterstützung, um ihre Energieversorgung klimafreundlich umzubauen und sich vor den Folgen der Klimakrise zu schützen.
Die Energiewende lohnt sich mehrfach
Die Energiewende lohnt sich mehrfach: Sie macht uns unabhängiger von fossilen Energielieferanten, senkt unsere Importkosten und schützt uns vor den immer teureren Folgen der Klimakrise.
Statt weiter Milliarden für fossile Abhängigkeiten auszugeben, sollten wir in eine sichere, klimafreundliche und bezahlbare Energieversorgung investieren. In Deutschland. Und weltweit.
Weitere Informationen und Downloads
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