Luchs in Deutschland © Robert Günther / WWF

Luchse in Baden-Württemberg

Der WWF arbeitet daran, dass Luchse hier wieder heimisch werden - und wir freuen uns über einen historischen Erfolg.
Stand: 26.06.2026

In Baden-Württemberg werden seit einigen Jahren einzelne Luchse nachgewiesen. Für eine stabile Luchspopulation fehlen bislang jedoch weibliche Tieren. Ein vom WWF unterstütztes Wiederansiedlungsprojekt soll das ändern. Nun gibt es erste Erfolge.

Historischer Luchs-Nachwuchs im Schwarzwald
Historischer Luchs-Nachwuchs im Schwarzwald © FVA / BW / Seeger

Erstmals seit der Ausrottung des Luches im 19. Jahrhundert ist im Schwarzwald wieder ein Jungtier in freier Wildbahn nachgewiesen worden. Der Fund ist ein historischer Erfolg für das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Wiederansiedlung der scheuen Wildkatze erfolgreich verläuft.

Vor rund 200 Jahren verschwand der Luchs aus Baden-Württemberg. Zwar wanderten in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder einzelne männliche Tiere aus der Schweiz in den Schwarzwald ein. Für eine stabile Population reichte das jedoch nicht, denn Weibchen fehlten nahezu vollständig.

Deshalb startete der WWF zusammen mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), dem Landesjagdverband, dem Zoo Karlsruhe und weiteren Partnern 2023 das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“. Ziel ist es, wieder eine dauerhaft überlebensfähige Population aufzubauen.

Erstes Jungtier entdeckt: Ein Erfolg, der Hoffnung macht

Ein Jungtier der Luchsdame Elisabeth wird vom Projektteam des FVA Wildtierinstituts im Schwarzwald untersucht.
Luchskatze Elisabeth hat Nachwuchs im Schwarzwald bekommen © FVA / BW / Seeger

Nun hat die erst 2025 ausgewilderte Luchsin Elisabeth ein Jungtier zur Welt gebracht. Als Vater kommt der 2024 ausgewilderte Luchs Reinhold in Frage. Das Jungtier wurde in einer Wurfhöhle entdeckt, gechipt, geimpft – und als gesund bestätigt. Es ist der erste bekannte Nachwuchs wildlebender Luchse in Baden-Württemberg seit mehr als zwei Jahrhunderten.

Dieser Nachweis ist weit mehr als eine erfreuliche Einzelmeldung. Denn es zeigt, dass die ausgewilderten Tiere geeignete Reviere finden, sich etablieren und erfolgreich fortpflanzen können – die wichtigste Voraussetzung für eine langfristige Rückkehr der Art.

„Der kleine Luchs steht damit für einen der größten Artenschutzerfolge der jüngeren Zeit – und für die Chance, dass die „Pinselohren“ dauerhaft in die Wälder des Schwarzwalds zurückkehren. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald noch mehr Nachwuchs vermelden können.“

Sybille Klenzendorf, Artenschutzexpertin beim WWF Deutschland

Wie viele Luchse gibt es inzwischen?

Karte: Wo die Luchse leben © FVA Baden-Württemberg
Wo die Luchse leben © FVA Baden-Württemberg

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt deutlich nach oben. Aktuell streifen insgesamt mindestens elf Luchse durch den Schwarzwald. Darunter befinden sich fünf im Rahmen des Projekts ausgewilderte Tiere sowie sechs männliche Luchse, die auf natürlichem Weg aus benachbarten Populationen eingewandert sind.

Das ist besonders wichtig, weil es zeigt: Die Vernetzung der Bestände funktioniert. Unser Ziel ist nicht nur eine kleine Population im Schwarzwald, sondern die Verbindung mit den Luchsvorkommen im Schweizer Jura, den Vogesen und dem Pfälzerwald. Langfristig soll so eine grenzüberschreitende, genetisch vielfältige Metapopulation entstehen.

Diese Luchse prägen derzeit die Population:

  • Elisabeth – ausgewildert im September 2025, Mutter des ersten Jungtiers
  • Martin – ausgewildert im Juli 2025
  • Verena – seit Ende 2024 im Nordschwarzwald unterwegs
  • Reinhold – ebenfalls Ende 2024 ausgewildert
  • Portus – zugewandert und inzwischen sesshaft im Nordschwarzwald
  • Toni – residenter Kuder im Nordschwarzwald
  • Wilhelm – residenter Kuder im Südschwarzwald

Was jetzt besonders wichtig ist für die Luchse

Der Nachwuchs ist ein Meilenstein, aber noch keine Erfolgsgarantie. Die Population ist weiterhin klein und verletzlich. Zu den größten Herausforderungen zählen:

  • Verkehrsunfälle, die bereits mehrfach Luchsen das Leben gekostet haben,
  • die geringe Zahl fortpflanzungsfähiger Weibchen,
  • die langfristige Vernetzung der Lebensräume, die auch über Ländergrenzen hinweg erhalten werden und wieder restauriert werden müssen
  • sowie die Akzeptanz des Luchses bei Waldbesitzenden, Jägerschaft und Bevölkerung

Gemeinsam für die Rückkehr des Luchses

Der aktuelle Erfolg ist das Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit vieler Menschen und Organisationen. Das Projekt „Luchs Baden-Württemberg“ wird gemeinsam vom WWF, der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, der Luchs Initiative sowie dem Landesjagdverband Baden-Württemberg umgesetzt. Hinzu kommen zahlreiche weitere Partner aus Naturschutz, Forstwirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung.

Eine entscheidende Rolle spielen auch die Menschen in der Region. Waldbesitzer:innen, Jäger:innen, Förster:innen sowie ehrenamtliche Luchsbeauftragte helfen dabei, Tiere zu beobachten, Hinweise zu dokumentieren und die Rückkehr des Luchses zu begleiten. Ohne ihre Unterstützung wäre ein erfolgreiches Monitoring undenkbar.

Besonders wichtig ist zudem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Partnern in der Schweiz, woher mehrere der ausgewilderten Tiere stammen und von wo weiterhin Luchse auf natürlichem Weg zuwandern.

Darüber hinaus ermöglichen Spender:innen das Projekt, sie unterstützen die Wiederansiedlung des Luchses finanziell.

Helfen Sie uns beim Schutz der Luchse

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