Das Projekt „Die Zukunft des Luchses in Thüringen“ möchte unter Beteiligung unterschiedlicher Interessensgruppen eine Perspektive für den Luchs in Thüringen entwickeln.

Der Luchs kommt in Deutschland bislang nur in drei voneinander isolierten Verbreitungsgebieten vor: im Pfälzerwald, im Harz und in Ostbayern. Für den Luchs und seine langfristige Überlebensfähigkeit in Deutschland sind diese räumliche Isolation und die damit verbundene Inzucht bzw. genetische Verarmung eine der Hauptgefahren.

Aufgrund seiner zentralen Lage könnte dem Freistaat Thüringen eine Schlüsselrolle bei der Vernetzung der unterschiedlichen Luchsvorkommen zukommen. Insbesondere der Thüringer Wald bietet aufgrund seiner geografischen Lage und des geeigneten Lebensraums gute Voraussetzungen für den Luchs und somit die Verbindung der Harzer Luchspopulation mit der Population in Ostbayern.

Januar 2022: Gewilderter Luchs tot aufgefunden

Neben der räumlichen Isolation ist auch die Wilderei eine große Gefahr für den Fortbestand der Luchse. Bei Buttstädt im Landkreis Sömmerda wurde im Januar 2022 ein Luchs tot aufgefunden, der Opfer eines illegalen Abschusses wurde. Es ist der erste offiziell bekannte illegale Luchsabschuss in Thüringen. Gefunden wurde das Tier neben den Bahngleisen. „Wir müssen davon ausgehen, dass der Täter das Tier nach dem Abschuss zu den Bahnschienen transportierte, um einen vermeintlichen Verkehrstod vorzutäuschen", so Markus Port, Projektkoordinator Luchs beim BUND Thüringen.

Der WWF Deutschland, der BUND Thüringen und der Thüringer Landesjagdverband verurteilen die illegale Tötung und fordern konsequente und intensive Ermittlungen zur Aufklärung der Straftat. Der WWF setzt eine Belohnung in Höhe von 2.500 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. „Wilderei ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen“, sagt Moritz Klose, Programmleiter Wildtiere beim WWF Deutschland, zu dem Wilderei-Fall in Thüringen.

„Jeder Verlust eines dieser unter Naturschutz stehenden Tiere ist sehr schmerzlich sowohl für die Population dieser Wildtierart als auch für die Zukunft der Tiere im Freistaat. Wir hoffen auf schnelle Information zu den Ergebnissen der laufenden Ermittlungen", so Frank Herrmann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Thüringen e.V.

„Wilderei ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechen! Der Luchs ist eine gemäß Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Tierart. Deshalb müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, den Abschuss aufzuklären und den Täter zur Rechenschaft zu ziehen.“

Moritz Klose, Programmleiter Wildtiere beim WWF Deutschland

  • WWF Wilderei Notruf © WWF Der WWF-Wilderei-Notruf

    Die Natur im Fadenkreuz – auch in Deutschland. Streng geschützte Wildtiere wie Wölfe, Luchse oder Greifvögel stehen auf der Abschussliste von Kriminellen. Teilen Sie uns Ihre Beobachtungen oder Verdachtsmomente mit, wenn Sie möchten anonym! Zum Notruf

Welche Perspektiven bieten sich dem Luchs in Thüringen?

Luchs im Wald © Julius Kramer
Luchs im Wald © Julius Kramer

Auch wenn sich im Nordwesten Thüringens im Eichsfeld und Südharz Luchse der Harzer Population wieder natürlich angesiedelt haben, ist nicht davon auszugehen, dass – ohne aktive Unterstützung – in absehbarer Zeit eine Vernetzung zwischen den Populationen im Harz und Bayern stattfinden wird.

Das Projekt wird daher verschiedene Möglichkeiten untersuchen, wie sich dem Luchs in Thüringen perspektivisch am besten helfen lässt und ob neben den günstigen naturräumlichen Bedingungen auch die gesellschaftliche Akzeptanz bei der Bevölkerung und wichtigen Interessensgruppen vorhanden ist, um gegebenenfalls ein Projekt zur Bestandsstützung vorzubereiten.

Fotofallenmonitoring

Ein gezieltes Fotofallenmonitoring unter enger Einbindung der örtlichen Jägerschaft und Förster soll zudem klären, ob sich bereits jetzt Luchse dauerhaft im Thüringer Wald aufhalten.

Das macht der WWF zum Schutz der Luchse

Luchs im Wald © Julius Kramer
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Gemeinsam für den Luchs

BUND und WWF engagieren sich seit Langem für den Schutz und Erhalt der Artenvielfalt in Deutschland und bündeln ihre Erfahrungen und Kompetenzen in diesem gemeinsamen Projekt für den Luchs in Thüringen.

Das Thüringer Umweltministerium fördert das Projekt finanziell und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Überleben des Luchses.

So helfen Sie den Luchsen

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