In einem breiten Bündnis aus zehn Partnern werden wir im Rahmen des Projekts „Luchs Thüringen  – Europas Luchse vernetzen“ bis 2027 bis zu 20 Luchse im Thüringer Wald auswildern und damit eine nachhaltige Perspektive für den Luchs in Thüringen und Mitteldeutschland schaffen.

Bislang kommt der Luchs in Deutschland nur in drei voneinander isolierten Verbreitungsgebieten vor: im Pfälzerwald, im Harz und in Ostbayern. Im Thüringer Wald und im Schwarzwald entwickeln sich Populationen gerade – auch durch unsere Arbeit. Für den Luchs und seine langfristige Überlebensfähigkeit in Deutschland sind räumliche Isolation und die damit verbundene Inzucht beziehungsweise genetische Verarmung eine der Hauptgefahren.

Aufgrund seiner zentralen Lage kommt dem Freistaat Thüringen eine Schlüsselrolle bei der Vernetzung der unterschiedlichen Luchsvorkommen zu. Insbesondere der Thüringer Wald bietet aufgrund seiner geografischen Lage und des geeigneten Lebensraums gute Voraussetzungen für den Luchs und somit die Verbindung der Harzer Luchspopulation mit der Population in Ostbayern. Wie ein Trittsein, der es ermöglicht von der einen Seite eines Baches auf die andere zu gelangen, würde eine stabile Luchspopulation im Thüringer Wald eine Verbindung der einzelnen Luchsvorkommen in Mitteldeutschland und darüber hinaus ermöglichen.

Welche Perspektiven bieten sich dem Luchs in Thüringen?

Luchs im Wald © Julius Kramer
Luchs im Wald © Julius Kramer

Auch wenn sich im Nordwesten Thüringens im Eichsfeld und Südharz Luchse der Harzer Population wieder natürlich angesiedelt haben, ist nicht davon auszugehen, dass – ohne aktive Unterstützung – in absehbarer Zeit eine Vernetzung zwischen den Populationen im Harz und Bayern stattfinden wird.

Das Projekt im Thürngern Wald hat daher zum Ziel, durch Auswilderungen von Luchsen dem Bestand gezielt auf die Sprünge zu helfen. Denn nicht nur die naturräumlichen Bedingungen sind günstig, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz bei der Bevölkerung und wichtigen Interessensgruppen ist gegeben. In einer von uns in Auftrag gegebenen repräsentativen forsa-Umfrage fand sich mit 87 Prozent eine breite Mehrheit für eine Wiederansiedlung von Luchsen in Thüringen. Im Thüringer Wald waren die Menschen im Mittel sogar noch positiver gegenüber dem Luchs eingestellt als der Thüringer Durchschnitt.

April 2026 | Willkommen in Thüringen, Gabriel

Luchs Gabriel Auswilderung Thüringen
Erfolgreiche Auswilderung von Luchs Gabriel © Max Boxleitner / WWF

Die Rückkehr der „Pinselohren“ nach Mitteldeutschland nimmt weiter Fahrt auf. Der stolze Luchskuder Gabriel verstärkt ab dem Frühjahr 2026 das junge Luchsvorkommen im Thüringer Wald.

Der etwa fünf bis sechs Jahre alte und 23,6 Kilogramm schwere Luchs stammt ursprünglich aus den wilden Wäldern Rumäniens (Region Ardeluța). In den Karpaten konnte er behutsam mittels einer Lebendfalle gesichert werden, um nun im Rahmen des Projektes eine Schlüsselrolle einzunehmen.

Mit Gabriels Ankunft wächst die Population im Thüringer Wald auf mindestens acht selbstständige Tiere an. Doch es geht um mehr als nur Zahlen: Als „Umsiedler“ bringt Gabriel frisches Blut in die Region, was für die langfristige Gesundheit der Population entscheidend ist.

Nach seiner Ankunft in Thüringen verbrachte Gabriel zunächst einige Zeit im Auswilderungsgehege, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Nun streift er frei durch den Thüringer Wald und reiht sich in die Gruppe der bisher ausgewilderten Luchse Carlo, Frieda, Viorel, Vreni, Kilian und Ionel ein. 

Ein Jahr lang wird jetzt auch Gabriel mithilfe eines GPS-Senders beobachtet, der Einblicke in sein Verhalten erlaubt. Anschließend fällt das Halsband automatisch ab.

Der Projektverlauf im Überblick

GPS-Halsbänder und Fotofallen geben Aufschluss über Projektfortschritt

Alle ausgewilderten Luchse wurden mit GPS-Halsbändern ausgestattet, um ihre Bewegungen in den ersten Monaten nach der Freilassung überwachen zu können.

Neben der Überwachung durch GPS-Halsbänder bildet das systematische Fotofallenmonitoring die Grundlage für die Erfassung des Status Quo der Luchse im Thüringer Wald.

Das macht der WWF zum Schutz der Luchse

  • Eurasischer Luchs © Ralph Frank / WWF
    In Rheinland-Pfalz
    Der Pfälzerwald bietet gute Voraussetzungen für Luchse, sich dauerhaft anzusiedeln.
    Mehr erfahren
  • Luchs in Deutschland © Robert Günther / WWF
    In Bayern
    Zwischen 2019 und 2020 wurden 70 selbständige Luchse sowie 27 Jungtiere nachgewiesen.
    Mehr erfahren
  • Eurasischer Luchs © Ralph Frank / WWF
    In Baden-Württemberg
    Der WWF unterstützt in Baden-Württemberg die Umweltbildungsarbeit zum Luchs.
    Mehr erfahren
  • Eurasischer Luchs © Robert Günther / WWF
    In Europa
    In den Wäldern des Dreiländerecks Bayern, Tschechien & Österreich leben derzeit 50 Luchse.
    Mehr erfahren
  • Luchs im Wald © Julius Kramer
    Internationaler Tag des Luchses
    Der Luchs kehrt in unsere Wälder zurück. Was macht die heimische Katze so faszinierend?
    Mehr erfahren

Gemeinsam für den Luchs

Zusammen mit dem BUND Thüringen und den unterschiedlichsten Akteuren aus Forst, Jagd und Naturschutz bündeln wir unsere Erfahrungen und Kompetenzen in diesem gemeinsamen Projekt, das dem Luchs eine Rückkehr in den Thüringer Wald ermöglichen soll.

Das Thüringer Umweltministerium fördert das Projekt über das Programm „Förderung von Vorhaben zur Entwicklung von Natur und Landschaft“ (ENL) mit 2.827.917,40 Euro. 

Mehr Informationen über das Projekt finden Sie auch auf unserer offiziellen Projekt-Website.

Projektpartner und Geldgeber von „Trittstein Thüringer Wald – Die Rückkehr des Luchses nach Mitteldeutschland“

Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

So helfen Sie den Luchsen

Weitere Informationen

  • Luchs Weibchen mit Nachwuchs © Staffan Widstrand / WWF Luchse mit dem WWF schützen

    Der Luchs wurde wegen seines begehrten Fells, als Räuber von Nutztieren und als Konkurrent für Jäger gnadenlos bejagt. Weiterlesen...

  • Naturschutzgebiet Thüringer Wald © Thomas Stephan / WWF Thüringen

    Was bedeutet eigentlich Wildnis? Wozu brauchen wir Urwälder? Und: Was krabbelt und kriecht da eigentlich unter meinen Füßen? Solche Fragen beantwortet der Thüringer Urwaldpfad. Weiterlesen...