Schokolade gehört zu den beliebtesten Süßwaren der Deutschen. Jede:r von uns verspeist etwa 9,2 Kilogramm der Leckerei pro Jahr. Die Kakaobohnen, die für die Herstellung benötigt werden, stammen aus tropischen Gebieten, meist aus Afrika aber auch aus Südamerika. Dass der Anbau von Kakaobohnen einen Beitrag zum Erhalt der lokalen Biodiversität leisten kann, zeigt ein Projekt, das von der GIZ gefördert und gemeinsam von WWF Ecuador und WWF Deutschland durchgeführt wird.

Jahrtausende alte Tradition bewahren

Mahlen des Kakaos © Alejandro Janeta / WWF Ecuador
Mahlen des Kakaos © Alejandro Janeta / WWF Ecuador

Die Kakaobohne stammt ursprünglich aus dem Amazonasgebiet, bereits 3.300 Jahre v. Chr. wurden in Ecuador erste Spuren der Bohne entdeckt. Von da aus breitete sich die gesunde Bohne in der Welt aus, über Mexiko auf den afrikanischen Kontinent, wo sie heute besonders im Westen weit verbreitet ist.

Aber auch in Ecuador spielt Kakao weiterhin eine wichtige Rolle. Der Anbau ist tief in der Kultur verankert und bietet eine Lebensgrundlage für tausende Familien. Häufig wird der Kakao in traditionellen Anbausystemen kultiviert, so auch in Napo, dem kleinsten Bundesstaat Ecuadors. Hier wird die Pflanze von indigenen Gemeinden in Agroforstsystemen angepflanzt, in sogenannten Chakras. Neben Kakao werden in den Chakra-Systemen weitere Kulturen wie Früchte und Heilpflanzen angebaut. Die traditionelle Anbauweise zu erhalten, ist gerade jetzt von größter Bedeutung, denn unser Hunger nach Schokolade wächst. Um Platz für neue Plantagen zu schaffen, muss auch in Ecuador immer häufiger der Regenwald weichen. Dabei gehört der tropische Regenwald im Amazonas zu den artenreichsten Orten dieser Welt und beherbergt seltene Arten wie den Flussdelfin oder den Jaguar.

Produktion in Chakra-Agroforstsystemen

Um diesen Lebensraum zu schützen und gleichzeitig dafür zu sorgen, die Lebensgrundlage der Kakaobäuer:innen zu erhalten, arbeitet der WWF mit lokalen und indigenen Kooperativen zusammen. Bereits seit 2009 wird so in verschiedenen Projektregionen nachhaltiger Kakao angebaut. Die Produktion erfolgt nach ökologischen Standards in dynamischen Agroforstsystem. Diese Anbaumethode hat viele Vorteile gegenüber der Monokultur. Der vielschichtige, diversifizierte Anbau sorgt dafür, dass die Kakaobäume im Schatten wachsen. Die Systeme sind widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen und Bodenerosion und erfordern weniger chemischen Input.

Die vielfältige Gestaltung der Systeme, zum Beispiel mit Holzbäumen, Bananen und Leguminosen (Hülsenfrüchten), bietet den Vorteil, dass die Bäuer:innen ihr Einkommen diversifizieren können, indem sie neben Kakao auch andere Produkte für den eigenen Verbrauch oder den lokalen Markt produzieren. Darüber hinaus profitieren Ecuadors Kleinbäuer:innen von der steigenden Nachfrage nach Kakao aus diversifizierten Systemen, da ein Großteil des weltweiten Kakaos in Monokulturen angebaut wird. Um die Wertschöpfung vor Ort zu erhöhen, werden die Bäuer:innen auch in der Weiterverarbeitung der kostbaren Bohne geschult, beispielsweise bei der Trocknung und der Herstellung von Produkten wie Kakaomasse oder -butter.

Über die Grenzen Ecuadors hinaus

Geschäftsführer vom WWF Ecuador beim Mahlen des Kakaos © Alejandro Janeta / WWF Ecuador
Geschäftsführer vom WWF Ecuador beim Mahlen des Kakaos © Alejandro Janeta / WWF Ecuador

Um den beteiligten Kooperativen eine langfristige Sicherheit und den Bäuer:innen eine dauerhafte Lebensgrundlage bieten zu können, wird zusätzlich zu den Aktivitäten vor Ort auch an einer Lieferkette nach Deutschland oder Europa gearbeitet. Denn nur wenn der nachhaltig angebaute Kakao auch nachgefragt wird, kann diese Art der Produktion langfristig bestehen bleiben.

Die Bohnen aus der Projektregion sind nicht nur mit verschiedenen Standards wie Bio, Demeter und Fairtrade zertifiziert, sondern entsprechen auch höchsten Qualitätsmerkmalen. Die verwendete Sorte Arriba Nacional zählt zu den Edelkakaosorten und ist daher für die Verarbeitung in feinsten Edelschokoladen geeignet. Eine gute Grundlage für nachhaltigen Genuss also. Der WWF arbeitet zusammen mit interessierten Unternehmen daran, diese Lieferkette von Ecuador nach Deutschland aufzubauen.

Für interessierte Unternehmen: Machen Sie mit!

Sie legen Wert auf Qualität, Transparenz und Nachhaltigkeit in Ihrer Lieferkette? Sie wollen direkte Beziehungen zu den Kooperativen vor Ort aufbauen und wissen, woher der Kakao kommt?

Werden Sie Teil des Projektes und bauen Sie gemeinsam mit uns eine Lieferkette von Ecuador nach Deutschland auf. Gemeinsam zeigen wir, dass der Konsum von Schokolade auch mit positiven Effekten für Mensch und Umwelt einhergehen kann.

Ihre Ansprechpartnerin

Kerstin Weber

Referentin Agrarökologie

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