Landwirtschaft und Ernährung nehmen in hohem Maße Einfluss auf unsere Umwelt. Der ökologische Fußabdruck unserer Ernährungssysteme ist enorm. Wir überschreiten planetare Grenzen und "verbrauchen" mehr Land, Wasser und Nährstoffe als nachhaltig ist, vor allem Stickstoff und Phosphat. Unsere intensive, auf chemische Inputs angewiesene Form der Landwirtschaft trägt zur Zerstörung von Artenvielfalt und natürlichen Lebensräumen bei und befeuert die Klimakrise.

Unsere Ernährung verursacht ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen

Auslauf für Schweine © Arnold Morascher / WWF
Auslauf für Schweine © Arnold Morascher / WWF

Auf das globale Ernährungssystem sind bis zu 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen zurückzuführen. Das ist mehr als ein Drittel. Direkte Emissionen tragen hierzu circa 12 Prozent bei. Das beinhaltet Methan aus Reisfeldern und von Wiederkäuern, und Lachgas, das aus landwirtschaftlich genutzten Böden entweicht. Beides sind potente Klimagase. Methan ist 25 mal so wirksam wie Kohlendioxid, Lachgas sogar 298 mal. Das heißt bereits kleine Mengen haben hohe Treibhauswirkung. Kohlendioxid wird unter anderem durch den direkten Verbrauch von fossilen Brennstoffen in der Landwirtschaft frei. Indirekte Emissionen machen weitere 12 Prozent der weltweiten Emissionen aus. Hierzu trägt die Abholzung von (Regen-)Wäldern und die Nutzung von Savannen und Graslandflächen bzw. die Umwandlung von einzigartigen Lebensräumen in landwirtschaftliche Flächen bei sowie der Verlust von Kohlendioxid aus landwirtschaftlich genutzten Böden. Und schließlich: rund 13 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen entstehen im Zuge der weiteren Verarbeitung oder beispielsweise des Transports oder der Kühlung von Lebensmitteln.

Brennende Wälder von Brasilien bis Brandenburg

Regenwald am Amazonas © Luis Barreto / WWF-UK
Regenwald am Amazonas © Luis Barreto / WWF-UK

Indirekte Emissionen – Abholzung und Freisetzung von CO2 durch Landnutzungswandel – schlagen vor allem in den Ländern des globalen Südens massiv zu Buche. Die brennenden Regenwälder in Brasilien stehen hier bildlich für diese katastrophalen Auswirkungen. Der Klima-Fußabdruck unseres Ernährungssystems in Deutschland trägt dazu bei: Das Umweltbundesamt beziffert die Gesamtemissionen für Deutschland in 2018 auf 805 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. In solchen Äquivalente werden Methan und Lachgas unter Zuhilfenahme der obengenannten Faktoren (25 und 298) umgerechnet, um eine gemeinsame Betrachtungsbasis zu schaffen. Pro Person fallen also 8,6 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr an. Davon sind 1,7 Tonnen CO2-Äquivalente Ernährung, das sind ungefähr 20 Prozent der Gesamtemissionen. Das entspricht in etwa den Emissionen für Mobilität.

Essen wir also unser Klima auf? Die Antwort lautet: ja!

Schauen wir uns dazu kurz den Landverbrauch an. Denn wie oben bereits angedeutet, verursachen Landnutzung und vor allem Landnutzungswandel, das heißt die Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen, leider erhebliche Treibhausgasemissionen!

69 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen gehen in Deutschland auf das Konto von tierischen Lebensmitteln. Fast 50 Prozent könnten wir einsparen, wenn wir auf eine pflanzenbasierte Ernährung umstellten.

Silke Oppermann, WWF-Referentin für Nachhaltige Ernährung und Klimaschutz

Wir (ver)brauchen Fläche in den Ländern des globalen Südens

Unsere jetzige Ernährungsweise in Deutschland erfordert eine landwirtschaftliche Fläche von 16,61 Millionen Hektar oder 2.022 Quadratmetern pro Einwohner:in und Jahr. Die deutsche landwirtschaftlich genutzte Fläche ist aber nicht so groß. Sie beträgt nur rund 16,7 Megahektar. Davon sind circa 71 Prozent Ackerland, 28 Prozent Dauergrünland und 1 Prozent Dauerkulturen. Das heißt, um die Produktion von Lebensmittel in Deutschland zu sichern, benötigen wir Land in anderen Ländern. Netto wären dies rund 2,7 Megahektar; eine Fläche fast so groß wie Belgien.

Die für unsere heutige Ernährungsweise benötigte landwirtschaftliche Fläche befindet sich nicht nur in Deutschland. Allein für Soja benötigen wir eine Fläche von 2,84 Millionen Hektar, wovon wiederum 2,73 Millionen Hektar oder 96 Prozent der Fläche für die Erzeugung tierischer Lebensmittel, also als Futtermittelanbaufläche genutzt werden. Die Flächen befinden sich überwiegend in den USA und Brasilien und zu einem geringen Anteil in Argentinien. Nur 4 Prozent des angebauten Sojas verzehren wir in Form von Tofu, Sojamilch oder als Sojabohne.

Von den 11 Tonnen CO2-Emissionen, die jedem Menschen in Deutschland pro Kopf und Jahr zugerechnet werden, entfallen fast ein Viertel auf unsere Ernährungsweise. 2.060 Kilogramm CO2e können dabei direkt unserer Ernährung zugeordnet werden, dazu kommen aber noch einmal 492 Kilogramm CO2e, die durch Landnutzungsänderungen anfallen. Von diesen dann insgesamt 2.552 Kilogramm CO2e entfallen

  • 1.116 Kilogramm auf Fleisch und Wurst,
  • 779 Kilogramm auf pflanzliche Lebensmittel und
  • 646 Kilogramm auf Eier, Milch und sonstige Molkereiprodukte.

Fleisch frisst Klima!

Ressourcenverbrauch Fleisch und Soja © Ecologic 2019
Ressourcenverbrauch Fleisch und Soja © Ecologic 2019

Vor allem der Fleischkonsum schlägt massiv zu Buche. Der Land-, Wasser und Energieverbrauch, und damit der CO2-Fußabdruck von Fleisch im Vergleich zur gleichwertigen Menge an Proteinen aus Sojaprodukten ist um ein Vielfaches höher.

Im Schnitt werden rund 650 Gramm Soja benötigt um – zusammen mit anderen Futtermitteln – ein Kilogramm Schweinefleisch zu erzeugen. Der Sojaimport nach Deutschland beläuft sich pro Jahr auf circa vier Millionen Tonnen, davon kommen momentan ca. 20 Prozent aus Brasilien. Weniger als ein Viertel dieses Sojas ist nachweislich entwaldungsfrei, beziehungsweise als solches zertifiziert. Die EU ist nach China der zweitgrößte Importeur von Soja aus Südamerika. Unsere Importe sind folglich keineswegs vernachlässigbar!

Laut der Europäischen Kommission stammen heutzutage mehr als 30 Prozent der für unseren Konsum importierten Lebensmittel aus tropischen Ländern mit zerstörerischer Waldnutzung. In den letzten Jahren werden vermehrt Savannen und Graslandflächen, beispielsweise die Cerrado-Region Brasiliens, für den Sojaanbau geopfert.

Es kommt drauf an, was wir essen

Die Art und Weise unserer Ernährung hat also einen großen Einfluss auf unseren Verbrauch an landwirtschaftlicher Fläche, insbesondere auf die relativ knappe und wertvolle Ackerfläche. Nach den Vorgaben der EAT-Lancet-Kommission für eine flexitarische Ernährung (d.h. maximaler Fleischkonsum laut EAT-Lancet was einer Fleischmahlzeit pro Woche entspricht) würde sich unser persönlicher Flächenfußabdruck von 2.022 Quadratmeter landwirtschaftlicher Fläche um 18 Prozent auf 1.658 Quadratmeter reduzieren. Bei einer vegetarischen Ernährung würde der Rückgang 924 Quadratmeter oder 46 Prozent betragen und eine vegane Ernährung zu einem Rückgang in der Flächennutzung um 992 Quadratmeter oder 49 Prozent führen.

Lebensmittel wegschmeißen schadet dem Klima massiv

Zweite Baustelle Lebensmittelverschwendung: Es wird angenommen, dass Lebensmittelverluste – das Wegschmeißen von Lebensmitteln entlang der gesamten Lebensmittelkette, vom Acker bis zum Teller – fast 10 Prozent aller Emissionen des globalen Ernährungssystems ausmachen. In Deutschland werden 313 Kilo Lebensmittel weggeschmissen – pro Sekunde! Etwa 40 Prozent der weltweit produzierten Nahrungsmittel werden nie gegessen. Wäre Lebensmittelverschwendung ein Land, wäre es der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen, direkt nach den USA und China –­­ so die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen, kurz FAO.

Allein vor, bei und nach der Ernte gehen demnach jährlich geschätzte 1,2 Milliarden Tonnen genießbarer Nahrungsmittel verloren. Zusätzlich zu den rund 931 Millionen Tonnen (FAO, 2021) entlang der Lieferkette und rund 400 Millionen Tonnen im Bereich des Konsums sind das insgesamt 2,5 Milliarden Tonnen an Lebensmittelabfällen, die eigentlich zum Verzehr gedacht wären. Beladen auf LKWs wäre das eine Kolonne, die zwei Mal zum Mond und zurück reicht. Die Lebensmittelverschwendung ist für rund zehn Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich – knapp zweimal so viel wie der jährliche Ausstoß des Autoverkehrs in der EU und den USA zusammen.

Ja, wir essen das Klima auf! Aber viel wichtiger ist die Frage, können wir daran etwas ändern? Und auch hier lautet die Antwort: ja! Denn, es kommt ganz entscheidend drauf an, was wir essen, wie viel wir wegschmeißen und welches Lebensmittel wir produzieren und importieren. Eine Umstellung hin zu einer pflanzenbetonten Ernährung und eine vermehrte Produktion von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen in Bioqualität in Deutschland sind der Weg in eine Zukunft, die gesund für uns Menschen ist und gesund für unsern Planeten – und unsere heimische Ernährungssicherheit stabilisiert.

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