Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt und zeichnet sich durch eine einzigartige Artenvielfalt aus. Neben Säugetieren wie Orang-Utans leben hier auch hunderte Vogel-, Amphibien- und Fischarten. Der Wald auf Borneo gehört zu den wichtigsten Regenwaldgebieten der Erde, doch in den letzten Jahrzehnten mussten große Flächen dieses bedeutsamen Ökosystems bereits Palmölplantagen weichen.

Großindustrien aus dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft, aber auch Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, roden Naturwald, um neue Palmölplantagen anzulegen, weswegen die Region für den WWF ein stark priorisiertes Gebiet für Naturschutz ist.

Unterstützung von Kleinbäuerinnen- und Kleinbauern in West Kalimantan

Projektbesuch WWF- und Beiersdorf-Mitarbeiter:innen des Verbandes „Mitra Bersama“ © WWF Indonesien
Projektbesuch WWF- und Beiersdorf-Mitarbeiter:innen des Verbandes „Mitra Bersama“ © WWF Indonesien

In West Kalimantan, dem indonesischen Teil der Insel Borneo, haben der WWF und Beiersdorf von 2018 bis 2022 mit rund 240 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in den drei Dörfern Seberu, Sungai Sena und Pala Kota, im Distrikt Kapuas Hulu, zusammengearbeitet. Die Ziele des Projekts waren: 

•    Verhinderung der weiteren Entwaldung im Projektgebiet
•    Förderung des Anbaus von nachhaltigem Palmöl
•    Verbesserung des Lebensstandards der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und ihrer Familien

Projektphase 1: Grundlagen für den nachhaltigen Anbau von Palmöl

Um die genannten Ziele zu erreichen, wurde in der ersten Projektphase bis Juni 2022 bei Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie in Gemeinden und bei lokalen Behörden und Unternehmen ein Bewusstsein für den nachhaltigen Anbau von Palmöl gestärkt. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern wurden dabei unterstützt, ihre Palmölplantagen professioneller und nachhaltiger zu bewirtschaften. Dazu wurden unter anderem Schulungen zur Bearbeitung des Bodens, zum Umgang mit Setzlingen und zu Erntemethoden durchgeführt.

Das Projekt hat zudem die Gründung und den Aufbau von sechs Gruppen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und den übergeordneten Verband „Mitra Bersama“ gefördert. Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit war es, den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dabei behilflich zu sein, die notwendigen Dokumente zur Legalisierung ihrer Anbauflächen zu bekommen. Darüber hinaus wurden sie dabei unterstützt, Zugang zu qualitativ hochwertigen Setzlingen zu erhalten. Außerdem wurden erste Kontakte zu Vertreter:innen der lokalen Palmöl-Mühlen hergestellt, um einen besseren Marktzugang zu realisieren.

Die ebenfalls für die erste Projektphase vorgesehene Zertifizierung der Palmölfelder auf nachhaltigere Produktion gemäß des ISPO-Standards (indonesischer Standard für nachhaltiges Palmöl) konnte nicht erreicht werden: Bei der ISPO-Zertifizierung müssen alle Voraussetzungen, unter anderem legale Vorgaben wie die Registrierung der Plantagen, Standards bezüglich Anbau- und Erntemethoden sowie Plantagenmanagement, auf einmal erfüllt werden. Gleichzeitig bietet das ISPO-Zertifizierungssystem den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern jedoch keinerlei Anreize für eine Zertifizierung. Aus diesen Gründen war es für das Projektteam sehr schwierig, sie für den langwierigen und aufwendigen Prozess der ISPO-Zertifizierung zu gewinnen, weshalb das Ziel für die zweite Projektphase (2022 bis 2026) angepasst wurde.

Unterstützung der Gemeinden vor Ort

Training mit Frauengruppe Tuah Menua © Alfeus Krispinus
Training mit Frauengruppe Tuah Menua © Alfeus Krispinus

Ein weiterer Aspekt der Arbeit des WWF und von Beiersdorf war es, die lokalen Gemeinden zu stärken. So wurde der Zugang zu sauberem Trinkwasser im Dorf Sungai Mali gesichert und für die Bevölkerung vor Ort wurden weitere Einkommensquellen, die nicht vom Wald abhängen, erschlossen. Im Rahmen des Projekts wurde die Frauengruppe „Tuah Menua“ gegründet. Die Frauen stellen Kunsthandwerk her und wurden durch gezieltes Training unterstützt. In diesen Trainingseinheiten ging es unter anderem darum, Produkte nach einheitlichen Standards herzustellen und neue Produkte zu entwickeln. Zudem wurde eine Galerie errichtet, in der sich die Frauen treffen, Schulungen durchführen und ihre Produkte ausstellen können. 

Einige Kleinbäuerinnen und Kleinbauern haben in Schulungen gelernt, wie sie Kautschuk nachhaltig anbauen und ihre Erträge gemeinsam vermarkten können. Außerdem wurde ihnen dabei geholfen, zwei Gruppen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu gründen. Der WWF unterstützte die Gruppen mit Schulungen zur Organisationsentwicklung, dem Management und der Verwaltung ihrer Plantagen. Die Verbesserung der Trinkwasserversorgung wurde ergänzt durch ein „Green School“-Konzept, das die Bedeutung von sauberem Trinkwasser für die Gesundheit sowie weitere Umweltbildung an einer Schule verankert hat.

Projektphase 2: Zertifizierung für 200 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern

In einer zweiten Projektphase, die von 2022 bis 2026 läuft, setzen der WWF und Beiersdorf die bisherige Arbeit in Kapuas Hulu fort. Dabei kann das Projekt auf den in der ersten Projektphase erreichten Zielen aufbauen. Als neuer Partner engagiert sich auch das Spezialchemieunternehmen Evonik, ein Zulieferer von Beiersdorf. 

Ziel dieser zweiten Projektphase ist es, mindestens 200 Mitglieder des Verbands der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern „Mitra Bersama“ mit einer Fläche von insgesamt etwa 300 Hektar Land nach dem „Roundtable on Sustainable Palm Oil“-Standard (RSPO-Standard) zertifizieren zu lassen. Ein weiteres Ziel ist es, den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einen direkten Marktzugang zu einer Palmölmühle zu ermöglichen.

RSPO ist heute der am weitesten verbreitete Standard im Palmölsektor. Er sieht für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern spezielle Prinzipien und Kriterien vor, die sie dabei unterstützen, ihre Kapazitäten für den nachhaltigen Anbau von Palmöl auszubauen und ihren Lebensunterhalt zu verbessern. So wird das Risiko für Entwaldung reduziert. Um Kleinbäuerinnen und Kleinbauern den Einstieg in die Zertifizierung zu erleichtern, gilt für sie ein mehrstufiger Prozess:

  1. Eligibility: In dieser Phase müssen Mindestkriterien erfüllt sein, um in den Zertifizierungsprozess einzusteigen. 
  2. Milestone A: In dieser Phase müssen innerhalb von zwei Jahren weitere Kriterien erfüllt werden, die den Fortschritt zeigen.  
  3. Milestone B: In dieser Phase müssen innerhalb eines weiteren Jahres alle aufgestellten Kriterien erfüllt werden. Mit Erreichen von Milestone B ist die volle Zertifizierung erreicht. 

Anders als der indonesische Standard ISPO schafft RSPO dabei von Anfang an Anreize für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, eine Zertifizierung anzustreben. Bereits im ersten der drei Zertifizierungsschritte können sie sogenannte „Book and Claim“-Zertifikate für ihre nachhaltig produzierten Ölpalmfrüchte verkaufen. 

Was sind „Book and Claim“-Zertifikate?

Book and Claim ist ein Zertifikatehandel im Rahmen von RSPO. Bisher ist es sehr schwierig, gerade unabhängige Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in die internationalen Lieferketten zu integrieren. Deshalb sieht RSPO spezielle „Independent Smallholder“-Zertifikate vor, die für von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern produzierte Palmölfrüchte ausgestellt werden können. Unternehmen können diese Zertifikate dann über eine Handelsplattform ersteigern.

Nächste Schritte für zertifiziertes Palmöl

Um die RSPO-Zertifizierung des Verbands „Mitra Bersama“ mit 200 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bis 2026 zu erreichen, sind folgende nächste Schritte geplant: 

  • Registrierung des Verbands „Mitra Bersama“ beim RSPO
  • Besuch von „Mitra Bersama“-Mitgliedern beim Verband der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern „Rimba Harapan“ im Nachbardistrikt Sintang. Letzterer wurde im November 2022 erfolgreich nach dem RSPO-Standard zertifiziert. Ziel des Besuchs ist es, die Vorteile der Zertifizierung aufzuzeigen und Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. 
  • Beginn des ersten Auditierungsprozesses (Eligibility) mit dem Ziel, den ersten Zertifizierungsschritt bis Dezember 2023 abzuschließen
Kooperationslogo Beiersdorf AG / WWF
Kooperationslogo Beiersdorf AG / WWF

 

 


Der WWF und die Beiersdorf AG arbeiten gemeinsam daran, sowohl die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern als auch die Natur in Indonesien zu schützen.

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