Wir produzieren global viel zu viel Plastikmüll und recyceln viel zu wenig – auch in Deutschland. Das bedroht die Umwelt, die Meere und am Ende auch uns, deshalb müssen wir jetzt handeln: Einwegverpackungen müssen teurer werden, Recyclingfähigkeit von Verpackungen belohnt werden, bestimmte Formen von Plastikprodukten – wie Mikroplastik in Kosmetik – müssen ganz verboten werden. Wir brauchen einen Masterplan gegen die Vermüllung der Meere und die Verpackungsflut, und zwar jetzt.

Unser globales Ziel: den Eintrag von Plastik in die Umwelt zu beenden

Die Herausforderung ist komplex und global, das Ziel jedoch eindeutig. Kunststoff muss als das genutzt und behandelt werden, was es ist: als Hochleistungsmaterial, das nicht in die Natur gelangen darf. Der WWF hat sich zum Ziel gesetzt, den Plastikeintrag in die Umwelt bis zum Jahr 2030 zu beenden und hat deshalb die „No Plastic in Nature“ Initiative ins Leben gerufen.

Die interaktive Karte zeigt das Ausmaß der Plastikverschmutzung der Ozeane:

Benötigt werden zukunftsfähige Konzepte und Lösungen, um den primären Ressourcenverbrauch und das Abfallaufkommen insgesamt zu reduzieren. Es braucht funktionierende Abfallmanagementsysteme weltweit (erweiterte Produzentenverantwortung) und systemische Veränderungen, welche nur gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft formuliert und umgesetzt werden können.  

WWF Studie: Verpackungswende jetzt! Wie eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffverpackungen in Deutschland funktionieren kann.

In Plastik verpacktes und komplett unverpacktes Gemüse © GettyImages
Kunststoffverpackung © Getty Images

Verpackungen landen in Deutschland in den meisten Fällen nicht in der Umwelt. Aber: Deutschland verschwendet wertvolle Ressourcen im Umgang mit Kunststoffverpackungen. Zu rund 90 Prozent werden sie aus Neukunststoff gefertigt, über die Hälfte wird nach Gebrauch verbrannt. Jährlich sind das 1,6 Mio. Tonnen Kunststoffverpackungen im Wert von 3,8 Mrd. Euro. Trotz hoher Sammel- und Recyclingquoten ist das deutsche Kunststoffsystem derzeit hoch linear, das heißt eine Einbahnstraße von der Produktion zur Entsorgung. Eine von WWF und SYSTEMIQ gemeinsam erstellte Studie analysiert und quantifiziert die schon heute zur Verfügung stehenden Hebel im deutschen Verpackungssystem und beweist, dass deutlich mehr Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffverpackungen möglich ist. Zu den wichtigsten Stellschrauben zählen demnach innovative Wiederverwendungsmodelle, Vermeiden und Minimieren unnötiger Verpackungen sowie recyclinggerechtes Design.

Bis 2040 könnten auf diese Weise mehr als 20 Mio. Tonnen Kunststoff eingespart werden – das entspricht mehr als dem sechsfachen Jahresverbrauch an Kunststoffverpackungen in Deutschland. Die Analyse zeigt, dass Deutschland bis 2040 das Gesamtabfallvolumen um 40 Prozent, den Verbrauch von Neuplastik um rund 60 Prozent und die Verbrennung von Abfällen zur Energiegewinnung um über 70 Prozent reduzieren kann. Dies wäre ein wirksamer Baustein für den Klimaschutz: 68 Millionen Tonnen Treibhausgase können so bis 2040 eingespart werden. Läuft dagegen alles weiter wie bisher, wird allein die Herstellung und Entsorgung von Kunststoffverpackungen ca. fünf Prozent des deutschen Treibhausgasbudgets bezogen auf das 1,5 Grad Ziel des Pariser Klimaabkommens beanspruchen.

Für den Zeithorizont bis 2040 zeigt die WWF-Studie drei konkrete Szenarien auf:

1. Weiter wie bisher (Business-as-usual)

Verbleib von Kunststoffverpackungsabfällen im Szenario „Business-as-usual“ © WWF

Unter einem Szenario „Weiter wie bisher“ oder „Business-as-usual“ (BAU) ist ein mäßiges Wachstum der Kunststoffmengen für Verpackungen zu erwarten: 
ca. 0,6 Prozent pro Jahr bzw. 14 Prozent bis 2040.

2. Die Entwicklung unter Berücksichtigung derzeitiger Verpflichtungen aus Politik und Wirtschaft, wie z.B. die Umsetzung der EU-Einwegkunststoffverordnung

Auswirkungen der bestehenden Verpflichtungen auf Abfallverringerung und -verbrennung (2019–2040) © WWF

Die bestehenden Verpflichtungen reichen nicht aus, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft im Verpackungswesen zu ermöglichen. Selbst wenn sämtliche bestehende Verpflichtungen vollständig umgesetzt, durchgesetzt und erfüllt würden, stiege der Neuplastikverbrauch um 4 Prozent; das Gesamtaufkommen an Abfällen würde sich um 5 Prozent gegenüber 2019 verringern.

3. Ein Systemwechsel, in dem alle heute verfügbaren Hebel auf Kreislaufwirtschaft für Plastikverpackungen ausgerichtet würden.

Verbleib von Verpackungsabfällen aus Kunststoff – Szenario „Systemwandel“ © WWF

Die Analyse zeigt, dass Deutschland bis 2040 das Gesamtabfallvolumen um 40 Prozent, den Verbrauch von Neuplastik um rund 60 Prozent, und die Verbrennung von Abfällen zur Energiegewinnung um über 70 Prozent reduzieren kann.

Die Analyse macht deutlich: Die bisherigen politischen Verpflichtungen werden zwar die Recyclingquote steigern und die Verbrennungsrate senken, doch der Abfallberg wächst weiter. Für einen Kurswechsel reicht das nicht. Selbst wenn alle aktuellen Verpflichtungen vollständig umgesetzt würden, stiege der Bedarf an Neuplastik um vier Prozent an. Entscheidend für die Neuausrichtung ist ein grundlegendes Umdenken, das konsequent auf Abfallvermeidung fokussiert statt nur auf die Erhöhung der Recyclingmengen wie bisher.

Damit der Systemwandel Realität wird, muss die Regierung verbindliche Leitplanken setzen, die ressourcenarme Verpackungen belohnen, das Gesamtabfallaufkommen reduzieren, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen verbessern, die Sammlung und Sortierung vorantreiben und Anreize für die Verwendung von Rezyklaten in Verpackungen schaffen.

Unsere Forderungen

  • Ein internationales politisches Abkommen auf UN-Ebene mit klarem Bekenntnis der Nationalstaaten, den Eintrag von Plastikmüll in die Umwelt und Meere zu stoppen.
  • Entwicklung von Konzepten zur Abfallvermeidung mit konkreten Zielen, Maßnahmen und Zeitvorgaben auf politischer Ebene
  • Aktive Unterstützung von Mehrweglösungen durch Politik und Unternehmen auch jenseits des Getränkesegments (vor allem im Transportsektor und Lebensmitteleinzelhandel)
  • Design for Recycling: Material muss so lange wie möglich in hochwertigen Kreisläufen geführt werden. Kein Produkt darf nur für die einmalige Nutzung konzipiert werden, Wiedernutzung und Recycling müssen von Anfang an mitgedacht werden.
  • Kein Einsatz von Materialien, Bestandteilen und Substanzen, die potenziell gesundheitlich bedenklich oder umweltgefährdend sind und in der Folgenutzung stören.
  • Beteiligung von Unternehmen, die Plastikprodukte und Plastikverpackungen herstellen oder diese in Verkehr bringen, an den Entsorgungskosten im Sinne einer „erweiterten Produzentenverantwortung“. Während dieser Ansatz in vielen europäischen Ländern bereits etabliert ist, fehlt er noch in den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern. Dies muss gefördert und finanziell unterstützt werden.
  • Das freiwillige Engagement von Unternehmen, die sich zum Beispiel der Initiative zur Förderung der Kreislaufwirtschaft der Ellen Mc Arthur Foundation angeschlossen haben, wird begrüßt. 

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Laura Griestop

Project Manager Sustainable Business & Markets