Schokolade gehört zu Ostern einfach dazu. Doch hinter der süßen Versuchung verbirgt sich eine ernste Realität: Der weltweite Kakaoanbau trägt in vielen Regionen massiv zur Entwaldung bei und bedroht einzigartige Ökosysteme. Eine neue Analyse zeigt, warum sich dieses Muster immer wiederholt. Wir zeigen, was jetzt getan werden muss.

Schokolade ist die unangefochtene Nummer eins unter den Lieblingssüßigkeiten der Deutschen. Im Durchschnitt essen wir hierzulande rund 9,2 Kilogramm Schokolade pro Person und Jahr. Besonders zu Ostern hat sie Hochkonjunktur: Schoko-Hasen, Eier und Pralinen gehören für viele einfach dazu.

Doch der große Appetit auf Schokolade bleibt nicht ohne Folgen für die Natur und die Menschen in den Anbauländern. Eine neue WWF-Analyse zeigt: Der Kakaoanbau gehört weltweit zu den größten landwirtschaftlichen Treibern der Entwaldung.

Warum Kakao dort wächst, wo Wälder verschwinden

Entwaldung im Kongo © Jaap van der Waarde / WWF-Netherlands

Die Ursachen liegen im problematischen System des konventionellen Kakaoanbaus. Viele Kakaoplantagen sind bereits sehr alt und die Bäume tragen deutlich weniger Früchte als möglich wäre. Gleichzeitig wird der Großteil des Kakaos in Monokultur angebaut. Das schwächt die Böden, macht die Plantagen anfällig für Krankheiten und verringert die Erträge langfristig.

Hinzu kommt: Viele Bäuer:innen besitzen keine gesicherten Landrechte. Für sie lohnt es sich daher oft nicht, langfristig in nachhaltigere Anbaumethoden zu investieren.

Wenn die alten Bäume kaum noch Früchte tragen, bleibt vielen Kleinbäuer:innen nur eine Möglichkeit: Sie ziehen weiter und erschließen neue Flächen – oft durch Brandrodung im Wald.

Die Folgen sind gravierend. Mit jedem abgeholzten Waldstück verschwindet Lebensraum für unzählige Arten wie Vögel, Fledermäuse, Insekten, aber auch Säugetiere. Gleichzeitig verschlechtert der routinemäßige Einsatz von Pestiziden die Bodenqualität und reduziert die natürlichen Feinde von Schädlingen. Auch die Biodiversität in nahegelegenen Gewässern wird beeinträchtigt.

Seit dem Jahr 2000 ist der Kakaoanbau für mehr als 60 Prozent der durch Agrarrohstoffe verursachten Waldverluste in Côte d’Ivoire, Ghana und Kamerun verantwortlich.

Liberia: Ein neuer Entwaldungs-Hotspot

Kakao-Produktion © Germund Sellgren / WWF Schweden
Kakao-Produktion © Germund Sellgren / WWF Schweden

Dieses Muster zeigt sich inzwischen auch in anderen Ländern. Besonders deutlich wird das in Liberia. Das Land beherbergt rund 50 Prozent des Oberguineischen Regenwalds. Doch der Waldverlust nimmt bereits alarmierende Ausmaße an. Zwischen 2021 und 2024 gingen 2,52 Millionen Hektar Baumfläche verloren. Schon heute lassen sich etwa 15 Prozent dieser Entwaldung auf den Kakaoanbau zurückführen.

Ein wichtiger Treiber ist die Migration von Bäuer:innen aus Nachbarländern, insbesondere von Bäuer:innen aus Burkina Faso. Viele von ihnen hatten sich zuvor in der Côte d’Ivoire angesiedelt, doch die erschöpften Böden bieten ihnen dort kein Einkommen mehr. In Liberia suchen sie nun nach neuem Land.

Der WWF warnt: Liberia steht kurz davor, seine Naturschätze auf ebenso dramatische Weise zu verlieren wie Côte d’Ivoire. Dort sind in den vergangenen sechs Jahrzehnten bereits 94 Prozent der Wälder verschwunden.

Das Kongobecken gerät in den Fokus

Berggorilla © Eric Rock

Im Kongobecken zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Der zweitgrößte Regenwald der Erde galt lange als stabil. Doch inzwischen nimmt auch hier der Druck zu.

Allein im Jahr 2023 wurden in Kamerun 103.000 Hektar Primärwald gerodet – so viel wie noch nie zuvor. Viele der betroffenen Gebiete überschneiden sich genau mit Regionen, die besonders gut für den Kakaoanbau geeignet sind.

Das ist besonders problematisch, weil das Kongobecken zu den artenreichsten Regionen der Erde gehört. Jede fünfte bekannte Art lebt hier, darunter Waldelefanten, Menschenaffen und zahlreiche einzigartige Pflanzenarten. Eine Zerstörung dieser Wälder hätte daher weitreichende Folgen auch für das Klima.

Klima verschärft die Entwicklung

Die Klimakrise verschärft die Situation zusätzlich. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschläge machen viele traditionelle Kakaoanbaugebiete zunehmend ungeeignet für die empfindliche Pflanze.

Wenn es zu heiß oder zu trocken wird, weichen Produzent:innen auf neue Regionen aus, häufig in bislang unberührte Waldgebiete. Dadurch entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Die Entwaldung verstärkt die Klimakrise, die Klimakrise treibt wiederum neue Entwaldung voran.

Soziale Probleme erhöhen den Druck

Kakaobäuerin in Westafrika.
Kakaobäuerin in Westafrika © Media Lens King / iStock / GettyImages

Neben den ökologischen Ursachen spielen auch soziale Faktoren eine große Rolle. Die Preise, die Bäuer:innen für ihre Kakaobohnen erhalten, sind häufig nicht existenzsichernd und schwanken stark. Von dem Preis, den wir im Supermarkt für eine Tafel Schokolade bezahlen, kommen bei den Produzent:innen oft nur wenige Cent an.

Viele Familien sind deshalb darauf angewiesen, dass ihre Kinder auf den Plantagen mitarbeiten – teilweise in schweren Formen von Kinderarbeit.

Durch den Anbau in Monokultur ist Kakao außerdem oft die Haupteinnahmequelle. Fallen die Preise oder fällt die Ernte schlecht aus, verlieren Familien teilweise ihre gesamte Lebensgrundlage. Gleichzeitig werden die Bohnen meist exportiert und im Ausland weiterverarbeitet, sodass nur wenig Wertschöpfung in den Anbauländern bleibt.

Solange die Zerstörung von Wäldern der billigste Weg zum Profit ist, werden einzelne Nachhaltigkeitsinitiativen diese Entwicklung kaum stoppen können. Der WWF fordert daher eine grundlegende Transformation des Kakaosektors.

Was jetzt passieren muss

Der Bericht warnt: Ohne schnelles Handeln könnten Wälder bald einen Punkt erreichen, ab dem sich die Schäden nicht mehr rückgängig machen lassen.

Um die Entwaldung zu stoppen, braucht es mehrere Schritte gleichzeitig:

  • sichere Landrechte für Kleinbäuer:innen
  • massive Investitionen in Finanzierung und Bildung in Gemeinschaften, die in der Nähe von Wäldern leben
  • sowie Schutz und Aufforstungsstrategien auf Landschaftsebene.

Gleichzeitig muss der weltweite Waldverlust drastisch reduziert werden. Laut Global Forest Watch müsste die Entwaldung ab 2025 jedes Jahr um 20 Prozent sinken, um die globale Klima- und Biodiversitätsziele zu erreichen. Der Kakaosektor spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der WWF ruft daher Regierungen, Unternehmen und Konsument:innen dazu auf gemeinsam zu handeln, um die letzten Wälder zu schützen und die Zukunft der Bäuer:innen sowie des Kakaos zu sichern.

Für eine starke EU-Entwaldungsverordnung: Unterzeichnen Sie unsere Petition

Was Konsument:innen tun können

Schokolade im Supermarkt.
Schokolade im Supermarkt © JackF / iStock / GettyImages

Auch Verbraucher:innen können dazu beitragen, dass Schokolade nachhaltiger wird. Nachhaltigkeitslabels können beim Einkauf eine erste Orientierung bieten. Sie bieten zwar keine hundertprozentige Garantie für faire Bedingungen und Ressourcenschutz, doch Siegel wie GEPA, Fairtrade oder Bio-Standards wie „Naturland Fair“ haben soziale und ökologische Kriterien entwickelt und können Orientierung bieten.

Eine weitere Möglichkeit ist, Produkte von Initiativen zu unterstützen, bei denen ein großer Teil der Wertschöpfung im Ursprungsland bleibt – also Schokolade, die direkt in den Anbauländern hergestellt wird, etwa von Unternehmen wie Fairafric in Ghana oder Paccari in Ecuador.

Das macht der WWF

Der WWF setzt sich für entwaldungsfreie und biodiversitätsfreundliche Kakaolieferketten ein. In Kolumbien arbeiten wir im Amazonasgebiet mit kleinbäuerlichen und indigenen Kooperativen zusammen. Sie produzieren Kakao in Agroforstystemen. Ein Anbau, der auf eine Vielfalt an Pflanzen setzt, die sich gegenseitig Schutz, Schatten und Nährstoffe schenken.

Dieses System schafft legale Einkommen, reduziert den Druck auf die Wälder und ermöglicht gleichzeitig die Wiederaufforstung bereits entwaldeter Flächen. Vielfältige Agroforstsysteme können so am Rand von Schutzgebieten als Pufferzonen und Wildtierkorridore dienen.

Ostern bewusst genießen

Und nicht zuletzt gilt: Schokolade ist ein Luxusgut. Wer sie bewusst genießt, sie wertschätzt und sich über ihre Herkunft informiert, trägt dazu bei, den Druck auf Menschen und Natur zu reduzieren.

Gerade zu Ostern, wenn besonders viel Schokolade gekauft wird, lohnt sich ein genauer Blick auf Herkunft und Herstellung. Denn klar ist: Auch in Zukunft können wir Schokolade nur genießen, wenn jetzt die richtigen Schritte unternommen werden, um Wälder zu schützen und den Kakaoanbau anzupassen.

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