Anfang 2026 hat der brasilianische Verband der Pflanzenölindustrie (ABIOVE) angekündigt, das brasilianische Soja-Moratorium zu verlassen. Diese Entscheidung schwächt ein historisches Abkommen zur Bekämpfung der Abholzung im Amazonasgebiet.

Rückschlag für den Umweltschutz

Soja-Feld in Brasilien © Peter Katon / WWF
Soja-Feld in Brasilien © Peter Katon / WWF

Die Ankündigung des Branchenverbands ABIOVE, dass seine Mitgliedsunternehmen aus dem Soja-Moratorium aussteigen und somit ihre Verpflichtung aufgeben, kein Soja aus abgeholzten Gebieten des Amazonas zu beziehen, ist ein herber Rückschlag für den Umweltschutz in Brasilien.

Mit diesem Schritt schwächen die Unternehmen eines der wichtigsten Mittel gegen die Abholzung.

Gleichzeitig setzen sie auch die Agrarindustrie selbst steigenden Risiken aus, weil sie die Gesundheit der Wälder gefährden. Diese sind jedoch entscheidend für ein stabiles Klima und verlässliche Regenfälle – beides ist für die landwirtschaftliche Produktivität unverzichtbar.

Was ist das Soja-Moratorium?

Um den Schutz der brasilianischen Regenwälder zu stärken, wurde im Jahr 2006 das Amazonas-Soja-Moratorium (ASM) ins Leben gerufen.

In diesem branchenweiten Bündnis einigten sich Produzenten, Händler, Vertreter der Zivilgesellschaft, Industrie und staatliche Stellen darauf, Soja weder zu handeln noch zu finanzieren, sofern es auf Flächen angebaut wurde, die nach 2008 durch Abholzung entstanden sind. Ziel ist es, Entwaldung aus den Lieferketten von Soja aus dem Amazonas komplett zu verbannen.

In der Folge sank die Entwaldung für Soja im brasilianischen Amazonas um über 98 Prozent. Sollte das Abkommen auslaufen, bedeutet das laut WWF eine zusätzliche Bedrohung für den weltgrößten Regenwald.

Ein gesunder Amazonas ist entscheidend

Am Amazonas wurden riesige Waldgebiete unter Schutz gestellt © Ricardo Lisboa /WWF-US
Der Amazonas-Regenwald ist einzigartig und reich an Superlativen. © Ricardo Lisboa /WWF-US

Bereits im August 2025 wurde das Soja-Moratorium auf den Prüfstand gestellt. Damals forderte die brasilianische Wettbewerbsbehörde (Cade), das Moratorium auf Eis zu legen. Doch die weitere Ausdehnung des Sojaanbaus und die damit verbundene Entwaldung im Amazonas sind mit nicht hinnehmbaren Risiken für Umwelt und Klima in Brasilien und weltweit verbunden.

Der Amazonas-Regenwald ist nicht nur eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde, sondern spielt auch eine zentrale Rolle für das Klima in ganz Südamerika. Über seine sogenannten fliegenden Flüsse – das sind Wolkenströme, die Wassermassen transportieren – verteilt er Feuchtigkeit in weite Teile des Landes und stabilisiert damit die Niederschläge, auf welche die Stromerzeugung aus Wasserkraft, die Trinkwasserversorgung der Städte und auch die landwirtschaftliche Produktion unmittelbar angewiesen sind.

Die Entwaldung im Amazonas-Regenwald verstärkt Klimaextreme wie langanhaltende Dürren und heftige Regenfälle und beeinflusst die landwirtschaftliche Produktivität und die Verfügbarkeit von Wasser selbst in weit entfernten Regionen wie dem Süden und Südosten Brasiliens.

Durch ein Ende des Soja-Moratoriums würden sich Sojafelder wieder vermehrt in den Regenwald ausdehnen, was langfristig sowohl wichtige Wirtschaftssektoren als auch die Lebensqualität der Bevölkerung gefährdet.

Auf dem Papier besteht das Moratorium weiter

Rechtlich besteht das Moratorium zwar weiter, da es nicht durch die Anpassung von Gesetzen geändert wurde. Doch durch den Rückzug der Unternehmen wurde seine Wirksamkeit ausgehöhlt.

Mit ihrer Entscheidung signalisieren die Unternehmen, dass ihnen steuerliche Anreize und Profite wichtiger sind als der Kampf gegen Entwaldung und die Übernahme von Verantwortung angesichts der Klimakrise.

Umweltschutz in Gefahr: Was einst galt, gilt jetzt nicht mehr?

Europäisches Parlament © artJazz/iStock/GettyImages
Europäisches Parlament © artJazz / iStock / GettyImages

Auch in der EU droht eine Abschwächung und Aushöhlung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsregularien, vorangetrieben unter anderem von Industrie und Wirtschafts-Lobbyverbänden mit einem Verweis auf notwendige wirtschaftliche Entlastung – eine kurzfristige Argumentation, die die Abhängigkeiten von Wirtschaft und Natur außer Acht lässt.

Ein Beispiel ist die Europäische Waldschutzverordnung (EUDR). Mit diesem Gesetz, das ursprünglich Ende 2025 in Kraft treten sollte, wäre erstmals sichergestellt worden, dass in Europa verkaufte Produkte wie Soja, Rindfleisch oder Kakao nicht zur Zerstörung der Wälder beitragen.

Doch Vertreter des EU-Parlaments und des EU-Rats haben sich im Dezember 2025 dafür entschieden, das Gesetz entscheidend abzuschwächen und seinen Start weiter zu verschieben.

„Europa ist in der Verantwortung. Unser Konsum treibt die Zerstörung des Regenwalds voran. Die EU muss sich auf eine zügige und konsequente Umsetzung der Waldschutzverordnung EUDR einigen und so verhindern, dass die Zerstörung des Amazonas auf unserem Teller landet.“

Ulrike Hardner, Expertin für nachhaltige Landnutzung beim WWF Deutschland

Wir müssen uns stark machen für unsere Wälder

Der WWF bleibt dabei: Der Schutz des Amazonas darf nicht weiter geschwächt werden. Weder durch von wirtschaftlichen Interessen getriebene Entscheidungen in der EU noch in Brasilien. Gerade jetzt ist es umso wichtiger, dass die EU ein starkes Zeichen für den Schutz der Wälder setzt.

Helfen Sie uns, den Amazonas zu schützen

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