Wilderei und der illegale Handel mit bedrohten Arten sind milliardenschwere Geschäfte. Der WWF hat in einer Studie untersucht, welche Länder erfolgreich gegen den „Wildlife Crime“ von Elefanten-, Nashorn- und Tiger-Produkten kämpfen – und welche dabei versagen.

Der Schmuggel bedrohter Arten boomt. Rheumamittel aus Tigerknochen, Nashornpulver als Statussymbol oder Schmuck aus Elfenbein – je seltener und bedrohter die Tiere, desto begehrter werden sie. 2015 wurden über 1.300 Nashörner in Afrika getötet. Nur noch etwa 3.200 Tiger leben weltweit in der Wildnis und jährlich werden zehntausende Elefanten vor allem in Afrika für das Elfenbein ihrer Stoßzähne abgeschlachtet. Illegaler Wildtierhandel steht auf einer Stufe mit Drogen-, Menschen- und Waffenhandel. Dahinter stecken häufig organisierte Banden, die über Kontinente hinweg operieren und ganze Populationen an den Rand der Ausrottung bringen.

Mangelnde Umsetzung internationaler Abkommen

Gewilderter Elefant in Dzanga Sangha © Martin Harvey / WWF Canon
Gewilderter Elefant in Dzanga Sangha © Martin Harvey / WWF Canon

Verstöße gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES werden in verschiedenen Nationen sehr unterschiedlich geahndet. 2012 erstellte der WWF in Zusammenarbeit mit dem Artenschutzprogramm TRAFFIC für insgesamt 23 Staaten Scorecards: eine Einstufung der Länder, wie eine Art Ampelsystem. Damit wird der Druck erhöht, um Wilderei und illegalen Handel wirkungsvoller zu bekämpfen. Auf einen Blick ist so zu erkennen, wo Artenschutz nur ein Lippenbekenntnis bleibt.

Die untersuchten Nationen sind in unterschiedlichem Ausmaß am illegalen Artenhandel beteiligt: Entweder als Herkunfts-, Transit-, oder Bestimmungsland von Produkten aus Tigern, Nashörnern und Elefanten. Das Ergebnis dieser Untersuchung verdeutlicht die Grundproblematik: Die Schmugglerbanden arbeiten grenz- und kontinentübergreifend.

Elfenbeinjagd in Zentralafrika

Gewilderter Elefant in Dzanga Sangha © Martin Harvey / WWF Canon
Gewilderter Elefant in Dzanga Sangha © Martin Harvey / WWF Canon

In Zentralafrika sind es vor allem Kamerun, die Demokratische Republik Kongo und die Zentralafrikanische Republik, die bei der Bekämpfung der Elfenbein-Wilderei versagen. Zentralafrika hat zwischen 2000 und 2013 schätzungsweise 65 Prozent seiner Waldelefanten verloren. Im Garamba Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo, wo in den 1970ern noch über 20.000 Elefanten lebten, leben heute nur noch 1800. Das Ndoki-Likouala-Gebiet in der Republik Kongo hat allein zwischen 2001 und 2006 mehr als 50 Prozent seiner Elefanten verloren. Im Weltnaturerbe Nationalpark Dzanga-Ndoki in der Zentralafrikanischen Republik haben Wilderer Anfang Mai 2013 ein Blutbad unter einer der letzten großen Waldelefantenpopulation angerichtet. Parkranger fanden 26 Elefantenkadaver, davon zwei Jungtiere, in der Regenwaldlichtung Dzanga Bai.

Ägypten, Sambia, Mosambik und Kenia gelten als die wichtigsten Umschlagplätze für Elfenbein auf dem Weg nach Asien. Allein in Mosambik sind im Februar 2012 über eine Tonne beschlagnahmtes Elfenbein einfach verschwunden, in Sambia im Juni 2012 sogar über drei Tonnen. Beide Staaten gelten ebenfalls als wichtige Umschlagplätze für Nashorn-Hörner. China ist nach wie vor ein wichtiger Markt für Elfenbeinprodukte. Über Vietnam, Myanmar, Thailand oder Laos gelangt es oftmals nach Zentralasien.

Jagd auf südafrikanische Nashörner

Die südostasiatischen Staaten Vietnam, Myanmar und Laos dienen nicht nur als Transitland für Elfenbein. Vor allem Vietnam ist auch ein Bestimmungsland für Nashornprodukte. Hier gilt Nashorn-Pulver neuerdings als ein Statussymbol. „Wir bezeichnen diesen Zusammenhang als ,Ferrari-Faktor‘“, sagt Doug Henrie von der Nichtregierungsorganisation „Education for Nature-Vietnam“. „Die Neureichen suchen etwas, das selten, exotisch und teuer ist, um so ihren Erfolg zu verdeutlichen.“ Trauriger Wilderei „Hot-Spot“ für Nashörner ist Südafrika.

In Vietnam gibt es zudem ein sehr populäres Gerücht, das die Schwarzmarktpreise für Nashorn-Horn zusätzlich befeuert. In Pulverform soll es nämlich gegen Krebs helfen, obwohl die Wissenschaft keinen solchen Zusammenhang nachweisen konnte. Die vietnamesische Regierung tut bisher zu wenig gegen die Nashorn-Wildereikrise. Der WWF fordert, dass die bisherige Strafgesetzgebung überarbeitet wird und die Regierung endlich effektiv den illegalen Handel eindämmt.

Der internationale Schutz der Tiger

Amur Tiger in Fluss © Shutterstock / Ondrej Prosicky / WWF-Sweden
Amur Tiger in Fluss © Shutterstock / Ondrej Prosicky / WWF-Sweden

Gemahlene Tigerkrallen gegen Schlaflosigkeit, Tigerknochen gegen Kopfschmerzen oder Arthritis, die Geschlechtsteile zur Behandlung von Impotenz – der Glaube an die Heilkräfte verbotener Tigerprodukte reißt nicht ab und bringt die Großkatze an den Rand der Ausrottung. Nicht zu vergessen das begehrte Fell! Die Kombination aus Wilderei und so genannten Rachetötungen hat den Tiger an den Rand der Ausrottung gebracht: streiften vor 100 Jahren noch etwa 100.000 Tiger durch Asien, so waren es 2010 schätzungsweise  nur noch 3.200 Individuen.

Um dieser dramatischen Entwicklung entgegenzuwirken und ein Aussterben der Art zu verhindern, haben die 13 asiatischen Tiger-Länder auf dem Tigergipfel in St. Petersburg 2010 beschossen, mit vereinten Kräften die Zahl der Tiger bis 2022 zu verdoppeln. Dort wurde das internationale Ziel bestätigt, die Zahl der in Freiheit lebenden Tiger von derzeit 3.200 Tiger bis zum Jahr 2022 zu verdoppeln. Dafür wurden ein Ausbau der Schutzgebiete, härtere Strafen, bessere Überwachung und eine rasche Umsetzung der Anti-Wilderei-Strategie (Towards Zero Poaching) gefordert. Trotz ersten Fortschritten müssen vor allem die Anstrengungen zur Bekämpfung der Wilderei in vielen der Tigerstaaten deutlich vergrößert werden.

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