Doch ohne Schutz- und Zuchtbemühungen würde es sie gar nicht mehr geben. Ihr Lebensraum schwindet und lange wurden die stattlichen Tiere bejagt – für ihr Fleisch, vor allem aber als Trophäe und Statussymbol.

Wiederkehr einer verschwundenen Art

1927 wurde der letzte Wisent im Kaukasus erschossen. Damit waren freilebende Wisente dort ausgerottet. Trotzdem kehren die Wildrinder heute zurück in den Kaukasus - im Flugzeug! Die ersten zehn Wisente sollen jetzt im Shahdag-Nationalpark im Norden Aserbaidschans ausgewildert werden. Weitere werden folgen. Sie kommen aus Zoos und Wildgehegen aus Belgien, Frankreich und Deutschland und werden in einer aufwendigen Reise zunächst über Land, dann auf dem Luftweg nach Aserbaidschan gebracht. Das Ganze ist Teil eines großen Wiederansiedlungsprogramms im gesamten Kaukasus. „Auf russischer Seite konnten wir bereits dazu beitragen, dass Wisente wieder heimisch sind. Im Tseyskiy-Schutzgebiet beispielsweise freuen wir uns jedes Jahr über Nachwuchs. Die letzte Winterzählung ergab einen Wisentbestand von 83 freilebenden Tieren.“, berichtet Aurel Heidelberg vom WWF, der das Programm leitet. Er wünscht sich, dass eines Tages wieder große Herden von Wisenten durch Eurasiens Wälder ziehen. Denn die Wälder brauchen die gewaltigen Tiere.

Faszination Wisent

Wisentkuh mit ihrem Kalb © Viktor Jivotchenko / WWF Russland
Wisentkuh mit ihrem Kalb © Viktor Jivotchenko / WWF Russland

Wisente sind genügsame und ruhige Tiere, dabei aber sehr neugierig. Ihre Schritte messen anderthalb Meter und sie fressen bis zu 60 Kilogramm Gräser, Laub, junge Triebe und Baumrinde am Tag. Wisente ernähren sich vegetarisch und sind als sogenannte Megaherbivore - also Großpflanzenfresser - unersetzlich für die Natur. „Durch ihren enormen Nahrungsbedarf nehmen Wisente Einfluss auf die Vegetation“, sagt WWF-Experte Aurel Heidelberg. „Im Wald halten sie große Flächen offen, sorgen also für Lichtungen und Sonneneinstrahlung bis zum Boden. Dies erhöht die biologische Vielfalt des Waldes.

Wisente sind eng verwandt mit den etwas kleineren, amerikanischen Bisons. Europäische Bisons werden sie auch genannt und sie lebten einst fast überall in Europa, selbst in Teilen des heutigen Russlands und der Mongolei. Langfristig lässt sich ihre Art nur erhalten, wenn es gelingt, heute wieder überlebensfähige Wisentbestände in der Wildnis aufzubauen.

Mit dem Transport ist es nicht getan

Eine Wiederansiedlung ist kein leichtes Unterfangen und ein kostspieliger und langwieriger Prozess. Das beginnt mit der Auswahl eines geeigneten Geländes und der richtigen Tiere, endet aber noch lange nicht nach erfolgreicher Eingewöhnung. Denn auch wenn Wisente heute nicht mehr gejagt werden dürfen, müssen sie in ihrer neuen Heimat vor Wilderei geschützt, muss ihre Entwicklung überwacht und die Tiere zum Beispiel vor Gefahren wie Rinderkrankheiten und dem Verhungern in harten Wintern bewahrt werden.

Die Auswilderung der Wisente in Aserbaidschan ist ein gemeinsames Programm der KfW-Entwicklungsbank, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit dem WWF, um langfristig eine gesunde Population im Kaukasus aufzubauen und ihr Überleben nachhaltig zu sichern.

Helfen Sie uns, die Wisente zurück in ihre alte Heimat zu bringen und die letzten Wildrinder Europas dauerhaft zu retten!

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