Klimaschutz ist in aller Munde. Bilder von den brennenden Wäldern in Brasilien flimmern immer wieder über die Bildschirme. Doch welchen Anteil daran haben unsere Ernährungsgewohnheiten? Wie sind die Auswirkungen einzuschätzen und vor allem, welche Potentiale liegen in einer gesunden und nachhaltigen Ernährung?

Diesen Fragen geht der erste Teilbericht „So schmeckt Zukunft. Der kulinarische Kompass für eine gesunde Erde. Klimaschutz, landwirtschaftliche Fläche und natürliche Lebensräume“ nach. Er zeigt auf, wie groß unser derzeitiger Flächenfußabdruck ist und warum dies relevant für unsere Gesellschaft heute und in der Zukunft ist und wie dies mit einer nachhaltigen Landwirtschaft zusammenhängt. Er zeigt die Klimawirksamkeit von Lebensmitteln auf und geht der Frage nach, ob die Proteinfrage auch eine Klimafrage ist.

Der Flächenfußabdruck unserer Ernährung

Bewässerungsanlage auf einem Sojafeld in Brasilien © Peter Caton / WWF-UK
Bewässerungsanlage auf einem Sojafeld in Brasilien © Peter Caton / WWF-UK

Die Ergebnisse zeigen eindeutig: Unser Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche ist zu groß – bereits heute, aber noch viel erheblicher in der Zukunft. Fruchtbare Ackerböden sind eine wertvolle Ressource und stellen die Grundlage unseres Lebens dar. Und sie werden immer knapper, gegeben durch vielfältige Bedrohungen und das Bevölkerungswachstum.

Derzeit beträgt der durchschnittliche Flächenfußabdruck für unsere Ernährung pro Person 2.022 Quadratmeter pro Jahr, davon sind 75 Prozent auf den Anbau von Futtermitteln zur Erzeugung von tierischen Lebensmitteln wie z.B. Fleisch, Wurst, Milch oder Eier zurückzuführen.

Dabei benötigen wir Ackerland nicht allein zum Anbau von Futter- und Nahrungsmitteln, sondern auch für den Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung (z. B. Biogas, Biokraftstoffe), für die stoffliche Verwendung (z. B. Stärke, Bioplastik) oder Textilien (z. B. Baumwolle). 2050 stehen jedem Menschen laut Schätzungen nur noch im Schnitt 1.700 Quadratmeter zur Verfügung. Es stellt sich also die Frage, wie und wofür wir zukünftig unsere landwirtschaftlichen Flächen nutzen wollen.

Klimarelevanz unserer Ernährung

Auch mit Blick auf das Klima sind die Ergebnisse eindeutig. Unsere Ernährung trägt in erheblichem Umfang zum Klimawandel bei.

Derzeit hinterlassen die Einwohner:innen Deutschlands einen durchschnittlichen Klimafußabdruck von etwa 11 Tonnen CO2 pro Jahr, davon entfallen 2,5 Tonnen pro Person auf unsere derzeitigen Ernährungsgewohnheiten – also knapp ein Viertel. Wie beim Flächenbedarf ist ein Großteil der Treibhausgasemissionen unserer derzeitigen Ernährungsweise auf tierische Produkte zurückzuführen: insgesamt 69 Prozent.

Zudem sind die Emissionen aus Landnutzungsänderungen vor allem auf den Anbau von Futtermitteln zurückzuführen, dabei stellt Soja der mit Abstand größte Treiber für Landnutzungsänderungen dar. 

„Wie beim Flächenbedarf ist ein Großteil der Treibhausgasemissionen unserer derzeitigen Ernährungsweise auf tierische Produkte zurückzuführen.“

WWF Deutschland

Großes Potential für Klima- und Artenschutz – eine planetarisch-kulinarische Ernährung

Familieneinkauf im Supermarkt © Richard Stonehouse / WWF
Familieneinkauf im Supermarkt © Richard Stonehouse / WWF

Die Ergebnisse sind gleichermaßen motivierend: Denn schon eine flexitarische Ernährungsweise kann den Flächenbedarf um 18 Prozent reduzieren. Noch deutlicher ist das Reduktionspotential bei einer vegetarischen (46 Prozent) und bei einer veganen Ernährungsweise (fast 50 Prozent).

Die gilt gleichermaßen für den Klimaschutz. Insgesamt führte allein die Umstellung auf eine flexitarische Ernährungsweise zu einer Einsparung an Treibhausgasemissionen von etwa 56 Millionen Tonnen CO2. Noch mehr, nämlich etwa 98 Millionen Tonnen CO2, ließen sich mit einer vegetarischen und sogar 102 Millionen Tonnen CO2 mit einer veganen Ernährungsweise einsparen.

Die Ergebnisse zeigen: Ohne eine Ernährungswende wird ein wirksamer Klimaschutz und das Erreichen der Pariser Klimaziele nicht gelingen. 

Die Ernährungswende muss jetzt umgesetzt werden

Wir brauchen aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen eine Ernährungswende. Ohne Ernährungswende wird uns weder ein wirksamer Klimaschutz gelingen noch können wir das drastische Artensterben aufhalten. Dies zeigt deutlich der erste Teilbericht zu Fläche und Klima

Die kommende Bundesregierung muss

  • Eine ressortübergreifende Ernährungsstrategie etablieren, die sich an den planetaren Belastungsgrenzen orientiert
  • die Ausweitung des heimischen Anbaus von Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten umfassend unterstützen 
  • ein Lieferkettengesetz verabschieden, das die gesamte Lieferkette betrachtet und auch die Umwelt, und damit auch Wasserrisiken, als eigenständiges Schutzgut adressiert
  • eine Lenkungsabgabe auf tierische Lebensmittel bzw. mittelfristig eine Nachhaltigkeitssteuer einsetzen 
  • ein verpflichtendes Nachhaltigkeitslabel für Lebensmittel einführen, das über den Klimafußabdruck hinausgeht und beispielsweise Wasserrisiken und Biodiversitätsverlust umschließt

Ziel muss zukünftig sein, dass die einfache Wahl auch die gesunde und nachhaltige Wahl ist – auch für einkommensschwache Haushalte. Ob beim Einkauf, im Restaurant oder in der Schule: eine planetarisch-kulinarische Ernährung sollte jedem zur Verfügung stehen. Frei von Beigeschmack.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Jeder Bissen hin zu einer kulinarisch-planetarischen Ernährung zählt. Wie dies beispielsweise für eine flexitarische oder vegane Ernährungsweise ausschauen könnte, zeigen die WWF Wochenmenüs. Hier sehen Sie auf einen Blick: die Zukunft ist vielfältig und köstlich. Zu finden auf: wwf.de/besseresserinnen.
 

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    Unsere gegenwärtigen Ernährungssysteme stellen eine der größten Herausforderungen für unseren Planeten und das Fortbestehen der Menschheit dar. Zur Studie

  • Kind mit Gemüseernte © Yana Tatevosian / GettyImages Die Zeit ist reif für eine Ernährungswende

    Es bedarf einer Neugestaltung der Ernährungssysteme auf allen Ebenen. Denn: Die menschliche Gesundheit und die ökologische Nachhaltigkeit sind untrennbar. Zu den WWF-Forderungen

  • Sojabohnen-Ernte Brasilien © Peter Caton / WWF UK Soja als Futtermittel

    War die Sojabohne zunächst als alternative Proteinquelle geschätzt, ist der Grund der Anbau-Ausweitung eine zunehmende Nachfrage als Futtermittel. Weiterlesen ...