Jeder von uns verbraucht Wasser. Ob beim Duschen, Kochen oder Trinken. Wasser ist Leben. Aber wieviel Wasser wird eigentlich für unsere Lebensmittel verbraucht, die wir uns täglich in den Einkaufskorb und auf den Teller legen? Wie hoch ist der Bedarf an zusätzlicher Bewässerung, um die Lebensmittel anzubauen? Welche Lebensmittel benötigen besonders viel Wasser im Anbau und wo werden diese angebaut?

Diesen Fragen geht der zweite Bericht aus der Reihe „So schmeckt Zukunft – der kulinarische Kompass für eine gesunde Erde“ nach. Zudem wurde erstmals untersucht, welches Risiko der Wasserknappheit damit für Menschen und Natur vor Ort entsteht.

Wasser ist Leben

Kirche im Hochwasser / Chiemgau © Melanie Haft / Nautilus-Film
Kirche im Hochwasser / Chiemgau © Melanie Haft / Nautilus-Film

Süßwasser ist die Voraussetzung allen Lebens und notwendiges Element für die Lebensmittelproduktion. Rund 70 Prozent allen genutzten Süßwassers wird durch den landwirtschaftlichen Sektor verbraucht; und der Druck auf Süßwasserressourcen wächst weltweit.

Hinzu kommen die Auswirkungen der Klimakrise mit häufigeren Dürren und Hochwassern. Wasserknappheit und deren Folgen gelten als eine der größten Gefahren für Mensch und Natur. 

Bedarf an künstlicher Bewässerung für unsere Nachfrage nach Lebensmitteln

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass unsere Nachfrage nach Lebensmitteln die Konflikte um die lebenswichtige Ressource Wasser in vielen mit Wassermangel kämpfenden Regionen verschärft.

Insgesamt werden 2,4 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Bewässerung durch unsere Nachfrage nach Lebensmitteln verbraucht – so viel wie der Chiemsee. Der Großteil davon wird außerhalb Deutschlands eingesetzt. Insbesondere Obst, Gemüse oder Nüsse aus trockenen Regionen wie Spanien, der Mittelmeerküste oder Kalifornien benötigen im Anbau viel Bewässerung.

Festgestellt werden kann: Für eine mehr pflanzenbasierte Ernährung ist Deutschland nicht vorbereitet. Bei gleichbleibenden Produktionsbedingungen und Herkunftsländern würde sich bei einer gesunden pflanzenbasierten Ernährung sowohl der Wasserverbrauch für Bewässerung als auch das Risiko zu mehr Wasserknappheit in bereits jetzt gefährdeten Regionen erhöhen. 

Die Politik ist gefragt

Fahrraddemo gegen Billigfleisch © Marlene Gawrisch / WWF
Fahrraddemo gegen Billigfleisch © Marlene Gawrisch / WWF

Um zu gewährleisten, dass wir uns in Deutschland zukünftig gesund und nachhaltig ernähren, ohne das Wasserrisiko in anderen Regionen zu erhöhen, braucht es eine grundsätzliche politische Weichenstellung. Denn bislang liegt der Fokus auf dem Anbau von Futtermitteln und der Tierhaltung. Wir sind in großen Anteilen abhängig von Importen für Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten oder Nüssen. Dies muss sich ändern.

Es gibt zwar eine Eiweißpflanzenstrategie, die darauf ausgerichtet ist, den Anbau und die Vermarktung von eiweißhaltigen Futtermitteln für Schweine, Geflügel und Co. zu verbessern. Ausgeklammert ist bisher die Proteinfrage für den Menschen. Dabei werden Erbsen, Bohnen und Co. als alternative Proteinquelle durch den boomenden Markt der Fleischersatzprodukte stark nachgefragt, dass Angebot kommt nicht hinterher.

Und es gibt noch eine starke Schieflage beim Preis: Pflanzliche Lebensmittel, insbesondere Fleischersatzprodukte, sind im Schnitt noch doppelt so teuer, wie Billigfleisch, wie unsere Rabattanalyse gezeigt hat.

Die Ernährungswende muss jetzt umgesetzt werden

Wir brauchen aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen eine Ernährungswende. Ohne Ernährungswende wird uns weder ein wirksamer Klimaschutz gelingen noch können wir das drastische Artensterben aufhalten. Dies zeigt deutlich der erste Teilbericht zu Fläche und Klima

Die kommende Bundesregierung muss

  • Eine ressortübergreifende Ernährungsstrategie etablieren, die sich an den planetaren Belastungsgrenzen orientiert
  • die Ausweitung des heimischen Anbaus von Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten umfassend unterstützen 
  • ein besseres Lieferkettengesetz verabschieden, welches die gesamte Lieferkette betrachtet inklusive der Umwelt – und damit auch Wasserrisiken beinhaltet und als als eigenständiges Schutzgut adressiert
  • eine Lenkungsabgabe auf tierische Lebensmittel bzw. mittelfristig eine Nachhaltigkeitssteuer einsetzen 
  • ein verpflichtendes Nachhaltigkeitslabel für Lebensmittel einführen, das über den Klimafußabdruck hinausgeht und beispielsweise Wasserrisiken und Biodiversitätsverlust umschließt

Ziel muss zukünftig sein, dass die einfache Wahl auch die gesunde und nachhaltige Wahl ist – auch für einkommensschwachen Haushalte. Ob beim Einkauf, im Restaurant oder in der Schule: eine planetarisch-kulinarische Ernährung sollte jedem zur Verfügung stehen. Frei von Beigeschmack.

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