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Stand: 15.11.2018

Die Rote Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten

Der ökologische Ausnahmezustand hält an

Zwar geht es einigen Walen und den Berggorillas wieder besser. Doch insgesamt sind fast 30 Prozent der untersuchten 96.951 Tier- und Pflanzenarten weltweit bedroht, so das Fazit der aktuellen Roten Liste, die am 14. November 2018 von der Weltnaturschutzunion IUCN veröffentlicht wurde.

 

Demnach schreitet das vom Menschen ausgelöste größte Artensterben seit Verschwinden der Dinosaurier unvermindert voran – und bedroht laut WWF auch unser Wohl. So zeigt die neue Rote Liste unter anderem, dass weltweit Fischarten durch Übernutzung zurückgehen und einige inzwischen sogar vom Aussterben bedroht sind. Eine Entwicklung mit gravierenden, negativen Folgen für die Ernährungssicherheit vieler Millionen Menschen.

Fast 30 Prozent der untersuchten Arten (26.840 von 96.951) werden von der Weltnaturschutzunion IUCN in deren aktualisierten Roten Liste als bedroht bewertet. Manche Arten taumeln regelrecht dem Aussterben entgegen – wie zum Beispiel der Amazonasflussdelfin oder mehrere südostasiatische Hornvogelarten, deren Schnabelaufsatz zum Teil als Elfenbeinersatz genutzt wird.

Einige Gewinner und Verlierer der aktuellen Roten Liste

Gewinner

Doch es gibt auch Lichtblicke. So hat sich der Status der Berggorillas auf der Roten Liste, dank länderübergreifender Schutzmaßnahmen und auch Hilfe durch den WWF, von „Vom Aussterben bedroht“ auf „Stark gefährdet“ verbessert. Aktuelle Schätzungen gehen von knapp über 1.000 Tieren aus.

 

Die Zahl der Finnwale hat sich seit den 1970ern auf nun etwa 100.000 erwachsene Tiere ungefähr verdoppelt, weshalb die Art jetzt nur noch als „Gefährdet“ und nicht mehr als „Stark gefährdet“ eingestuft wird.

 

Auch die Population der Westpazifischen Grauwale hat sich dank des internationalen Walfangmoratoriums und weiterer Schutzmaßnahmen unter anderem des WWF etwas erholt. Demzufolge hat sich die Einstufung der Unterart von „Vom Aussterben bedroht“ auf „Stark Gefährdet“ verbessert. Der Bestand bleibt jedoch mit geschätzten 100 bis 150 Tieren nach wie vor sehr klein.

 

Krisenmodus überwinden

„Einzelne Erfolge beim Artenschutz dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns in einem dauerhaften ökologischen Ausnahmezustand befinden. Die weltweite biologische Vielfalt ist durch den Menschen in einem ständigen Krisenmodus gefangen“, erklärt Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland, auch mit Blick auf die derzeit stattfindende Konferenz zum Schutz der weltweiten biologischen Vielfalt (CBD) im ägyptischen Sharm-El-Sheikh.

 

„Berggorilla, Finn- und Grauwal zeigen aber erfreulicherweise auch: Wenn entschlossen gehandelt wird, kann Naturschutz erfolgreich sein“, sagt Heinrich. „Umso tragischer, dass auf vielen Ebenen der politische Wille fehlt, geeignete Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt unseres Planeten zu ergreifen. Die Staaten müssen ihre eigenen Bekenntnisse endlich in die Tat umsetzen.“

 

Paris-Abkommen für Mensch und Natur

Bis 2020 haben sich die 196 CBD-Länder auf dem Papier viel vorgenommen. So soll unter anderem der Verlust natürlicher Lebensräume halbiert und die Überfischung der Weltmeere gestoppt werden. Ausgerechnet letzteres Ziel liegt laut der neuen Roten Liste jedoch in weiter Ferne.

 

„Das Erreichte ist mager und wird den unglaublichen Dimensionen des Massenaussterbens nicht gerecht“, kritisiert Christoph Heinrich die bisherigen Ergebnisse. Die Hälfte der CBD-Mitgliedsstaaten hat beim Erhalt von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere keine Fortschritte gemacht oder vermeldeten sogar Rückschritte. Ähnlich unbefriedigend sieht es beim Kampf gegen die Überfischung der Ozeane oder beim Schutz der Korallenriffe aus.“

 

Der WWF fordert daher ein „Paris-Abkommen für Mensch und Natur“ – getrieben von den Staats- und Regierungschefs persönlich und unterfüttert mit ambitionierten Zielen, funktionierenden Prüfmechanismen und konsequenter nationaler Umsetzung. Christoph Heinrich: „Politik und Wirtschaft brauchen eine Anschubhilfe. Eine starke, globale Bürgerbewegung für die Vielfalt des Lebens auf dieser Erde kann den entscheidenden Unterschied machen. Wir müssen jetzt über Grenzen hinweg unsere zivilgesellschaftlichen Kräfte bündeln, um das Blatt zu wenden.“

Was ist die Rote Liste der IUCN?

Die Rote Liste ist ein Indikator für den Zustand der Biodiversität. Herausgegeben wird die Rote Liste in regelmäßigen Abständen von der Weltnaturschutzunion IUCN.

Für die Erstellung Roter Listen werten Experten auf wissenschaftlichen Grundlagen alle relevanten und zugänglichen Daten aus. Die Darstellung in Gefährdungskategorien stellt die komprimierteste Form der naturwissenschaftlichen Analyse dar.

Nationale Rote Listen

Neben der internationalen gibt es in anderen Ländern auch nationale Rote Listen. In Deutschland existieren neben der bundesweiten Roten Liste sogar einzelne Listen der Bundesländer. Außerdem werden in Deutschland Pflanzen, Tiere, Biotoptypen und Pflanzengesellschaften in getrennten Listen geführt. Insgesamt sind im Bundesgebiet bislang fast 40.000 Tier- und Pflanzenarten bewertet worden. Über ein Viertel davon gilt als bedroht, beziehungsweise ausgestorben.

Unzählige Arten sterben jedes Jahr aus

Der Verlust der Artenvielfalt stellt heute eine der schlimmsten Katastrophen weltweit dar. Etwa zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bislang beschrieben worden. Doch zehn Millionen Arten soll es auf der Erde geben, vielleicht auch mehr. Unzählige davon verschwinden jedes Jahr.

 

Neuste Erhebungen gehen davon aus, dass sich die Aussterberate durch menschliche Einflüsse mittlerweile um den Faktor 1000 gegenüber der natürlichen Rate erhöht hat. Zu den weltweit wichtigsten Bedrohungsfaktoren für die Artenvielfalt zählen vor allem Lebensraumverlust und die massive Übernutzung der natürlichen Ressourcen wie etwa durch Überfischung oder auch Wilderei. Hinzu kommen Umweltverschmutzung, Klimakrise und die Verdrängung der heimischen Flora und Fauna durch eingeschleppte Arten.

Auch der Mensch ist dadurch bedroht

Das Aussterben einer Art ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Tiere und Pflanzen haben neben ihrem Eigenwert eine Funktion im Ökosystem. Gerät dieses durch Artensterben durcheinander, so entstehen auch Folgen für den Menschen. Nahrung, Wasser und Medizin hängen in weiten Teilen der Erde direkt von einem funktionierenden und gesunden Ökosystem mit einer hohen Artenvielfalt ab. Wird dieses Ökosystem durch Artenverlust zerstört, so gerät auch die Existenzgrundlage eines Großteils der Weltbevölkerung unmittelbar in Gefahr.

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