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Stand: 12.07.2018

Projekt Wildkatze an der Mittleren Elbe

Seit Mitte 2017 kontrolliert das Dessauer WWF-Team ausgesuchte Standorte im Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe bei Dessau (Sachsen-Anhalt) per Wildtierkamera, um herauszufinden, welche Bewohner sich in der weitläufigen und naturnahen Auenlandschaft gekonnt vor den Blicken der Menschen verbergen. Neben den üblichen Verdächtigen wie z.B. Wildschwein, Reh und Fuchs wurden bald auch erstmals interessant aussehende Katzen beobachtet.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) © Ralph Frank / WWF
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) © Ralph Frank / WWF

In einem von der Deutschen Postcode-Lotterie und dem Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt unterstützten Projekt will der WWF nun nachweisen, dass es sich um die streng geschützte Europäische Wildkatze handelt und wie sie ihren offenbar neu besiedelten Lebensraum nutzt. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen zusätzlich Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden, die einen Erhalt und die Wiederausbreitung dieses scheuen Jägers begünstigen.

Die Wildkatze

Die Wildkatze besitzt ein überwiegend ocker-graues und durch eine eher verwaschene Zeichnung geprägtes Fell und ist von Hauskatzen u.a. durch einen dicken, mit zwei bis drei schwarzen Ringen und einem stumpfen Ende versehenen Schwanz zu unterscheiden. Vor allem im Winterfell wirkt sie deutlich kräftiger als die Hauskatze, jedoch kann eine Unterscheidung von wildfarbenen Exemplaren nur anhand von genetischen Proben sicher durchgeführt werden. In Deutschland lebt die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) bevorzugt in struktur- und totholzreichen Laub- und Mischwäldern, Halboffenlandschaften aber auch in abwechslungsreichen Kulturlandschaften.

In ihrem Lebensraum werden die scheuen Jäger oft kaum wahrgenommen. Tagsüber ruhen sie meist in einem sicheren Versteck und gehen im Schutz der Dunkelheit auf die Jagd oder auf Streifzüge durch ihr bis zu 8 Quadratkilometer großes Revier, wobei die Kater teils bis zu 30 Quadratkilometer große Streifgebiete nutzen. Als Nahrung dienen überwiegend verschiedene Kleinsäuger. Die Paarungszeit liegt im Januar/Februar und nach ca. 68 Tagen Tragzeit werden im März/April meist drei bis sechs Junge geboren. Es sind aber ebenso auch Sommer- und Herbstwürfe möglich.

Noch im 19. Jahrhundert war die Wildkatze über weite Teile Europas und Deutschlands verbreitet. Durch den Verlust oder die Veränderung der Lebensräume und eine intensive Bejagung reduzierten sich ihre Vorkommen zum Ende des letzten Jahrhunderts auf wenige waldreiche, oft isolierte Mittelgebirgsregionen. Aktuell ist eine Wiederausbreitung in geeignete Lebensräume zu beobachten.

Auenlandschaft an der Mittleren Elbe © Bernd Eichhorn / WWF
Auenlandschaft an der Mittleren Elbe © Bernd Eichhorn / WWF

WWF an der Mittleren Elbe

Die Auen der Mittleren Elbe bilden eine Schwerpunktregion der WWF-Naturschutzarbeit in Deutschland. Immerhin verwaltet die Umweltstiftung hier ein zusammenhängendes Flächeneigentum von ca. 1300 Hektar (davon ca. 1000 Hektar Wald).

Die naturnahen und langfristig für den Naturschutz gesicherten Auenwälder und Wiesenlandschaften bieten optimale Bedingungen, um eine stabile Population der gefährdeten Wildkatze aufzubauen und langfristig zu sichern.

Projekt Wildkatze an der Mittleren Elbe bei Dessau

Ziel des von der Deutschen Postcode-Lotterie finanzierten und mit Unterstützung des Landesamts für Umweltschutz Sachsen-Anhalt durchgeführten Projektes an der Mittleren Elbe ist die Erforschung und langfristige Etablierung einer stabilen Population der Wildkatze vor Ort. Zunächst soll der aktuelle Wildkatzenbestand im Untersuchungsgebiet durch genetische Analysen sicher nachgewiesen und untersucht werden. Hierzu werden u.a. Holzpfähle mit einer Baldriantinktur, auf die die Tiere insbesondere in der Paarungszeit reagieren, eingesprüht und im Gelände aufgestellt. Die beim Reiben an den Lockstäben verlorenen Fellhaare werden gesichert, um sie im Labor genetisch untersuchen zu lassen.


Zusätzlich werden die Tiere mit Hilfe von Wildtierkameras beobachtet, um möglichst viele Informationen über die Populationsgröße, Revierabgrenzungen und Wanderwege zu sammeln. Aus den gewonnenen Informationen werden konkrete Schutzmaßnahmen zur Biotopvernetzung und -verbesserung abgeleitet und umgesetzt. Die Laufzeit des Projekts ist vorerst auf das Jahr 2018 begrenzt, eine Fortführung und Ausweitung der Forschungsarbeit sowie der Umsetzung von Schutzmaßnahmen wird angestrebt.

Fotofallenaufnahme im Projektgebiet © Sven Guttmann / WWF
Frisch installierter Lockstab © Anne Lewerentz / WWF
Frisch installierter Lockstab © Anne Lewerentz / WWF
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