Im äußersten Westen von Simbabwe, nur einen Steinwurf von den weltberühmten Victoriafällen entfernt, erstreckt sich das größte Schutzgebiet des Landes: der Hwange-Nationalpark. Der Park beheimatet nicht nur eine gewaltige Vielfalt bedeutender Tier- und Pflanzenarten, sondern ist auch elementarer Bestandteil des Kavango-Zambesi-Schutzgebietsnetzwerks, kurz KAZA. Es ist das mit Abstand größte terrestrische, grenzüberschreitende Schutzgebietsnetzwerk der Erde.

Die Hauptattraktion des Hwange-Nationalparks sind zweifellos die zahlreichen Afrikanischen Elefanten, die in großen Familienverbänden durch die Savanne streifen. Mit einem aktuellen Bestand von mehr als 45.000 Tieren wird Hwange völlig zu Recht als „Elefanten-Paradies“ bezeichnet.

Doch der Park ist auch das Zuhause anderer ikonischer Arten wie Löwen und Nashörner – Arten, die für die Gesundheit des gesamten Ökosystems entscheidend sind.

Von Wasserstellen und ungezähmter Natur

Hwange-Nationalpark zum Ende der Regenzeit.
Hwange-Nationalpark zum Ende der Regenzeit © William Crosmary / WWF

Im Hwange-Nationalpark gibt es kein permanentes natürliches Oberflächenwasser. Somit bestimmen ausgetrocknete Feuchtgebiete oder Auen, die sogenannten Vleis, sowie Böden aus Kalaharisand, der feinpulverige, rote Sand der Kalahari-Halbwüste, das Landschaftsbild.

Um Wildtiere dauerhaft in dem Gebiet anzusiedeln, wurden in den 1930er-Jahren, wenige Jahre nach der Eröffnung des Parks, etwa 60 künstliche Wasserstellen bis in die 1970er-Jahre angelegt. Heute sind viele davon funktionsfähig und helfen den Tieren, die monatelangen Trockenperioden zu überstehen.

Eine weitere Besonderheit ist die sehr große „Wilderness-Zone“ im Südwesten des Parks. Dieses Gebiet wird sich selbst überlassen und soll den Wildtieren Ruhe vor dem Menschen gewähren. Für den Tourismus hingegen ist der nördliche Abschnitt des Parks zugänglich. Besucher:innen schätzen die Weitläufigkeit des Parks. Abseits vom Massentourismus, wie in manch anderem Park, fühlt man sich im Hwange-Nationalpark der afrikanischen Wildnis besonders nah. Doch diese Wildnis ist bedroht.

Die Tierwelt im Hwange-Nationalpark ist bedroht

Nashorn-Wilderei © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK
Nashorn-Wilderei © Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK

Besonders die Elefanten litten unter der Gier nach Elfenbein: Ein erschütterndes Beispiel hierfür ist die Massentötung von 81 Tieren im Jahr 2013, als Wilderer Wasserstellen mit Zyanid vergifteten. Diese grausame Methode tötete nicht nur Elefanten, sondern auch zahlreiche andere Tiere und verdeutlicht, wie erbarmungslos die Wilderer vorgehen.

Aktuell allerdings sind die dringlicheren Herausforderungen für den Elefantenschutz in Hwange Klimaschwankungen und Dürren, Konflikte zwischen Mensch und Wildtieren sowie die eingeschränkte Vernetzung der Lebensräume. Dennoch muss die Wilderei angesichts der anhaltenden internationalen Nachfrage nach Elfenbein und der Gefahr plötzlicher Spitzen bei illegalen Aktivitäten sorgfältig überwacht werden.

Noch dramatischer ist die Lage der Nashörner: Nur noch etwa zehn Spitzmaulnashörnern leben im Park, ihre Verwandten, die Breitmaulnashörner, wurden bereits 2007 ausgerottet. Ursache für ihr Verschwinden ist die unverändert hohe Nachfrage nach Nashorn-Horn auf dem Schwarzmarkt.

Auch Löwen geraten ins Visier der Wilderer: Der Handel mit ihren Knochen und anderen Körperteilen für die traditionelle Medizin macht sie zu begehrten Zielen. Zudem führen Konflikte mit der lokalen Bevölkerung zu Vergeltungstötungen – beispielsweise, wenn Löwen Nutztiere reißen. Ohne verstärkte Schutzbemühungen droht der Hwange-Nationalpark einen Großteil seiner einzigartigen Tierwelt zu verlieren.

Im Paradies ist kein Platz mehr

Afrikanische Elefanten in der Masai Mara © Greg Armfield / WWF-UK
Afrikanische Elefanten in der Masai Mara © Greg Armfield / WWF-UK

Die Elefanten sehen sich mit einem weiteren großen Problem konfrontiert, denn die ökologische Kapazität des Nationalparks ist überschritten. Der Park kann die große Zahl an Elefanten nicht mehr tragen – kurzum: Dem Paradies geht die Puste aus.

Dabei gäbe es in den benachbarten Regionen wie beispielsweise Angola oder Sambia genug Lebensraum für Dutzende Elefantenherden. Zudem ist der Hwange-Nationalpark nicht eingezäunt. Die Dickhäuter hätten theoretisch alle Freiheiten, das Gebiet zu verlassen.

Die Praxis sieht aktuell jedoch anders aus: Siedlungen und Dörfer in den Randgebieten des Parks versperren den Tieren den Weg. Es mangelt an geeigneten Korridoren zwischen den Schutzgebieten, die es den Tieren ermöglichen würden, sich sicher zu bewegen und in andere Gebiete abzuwandern.

Kohleförderung unweit des Hwange-Nationalparks.
Kohleförderung unweit des Hwange-Nationalparks © William Crosmary / WWF

Der Hunger nach Kohle

Vor Millionen von Jahren lag im Gebiet des heutigen Hwange-Nationalparks ein großer Binnensee mit reichem Pflanzenwuchs an seinen Ufern. Aus abgestorbenen Pflanzenresten entstand ein bedeutendes Kohlevorkommen.

Heute nehmen die Bergbauaktivitäten in der Umgebung von Hwange zu, und es besteht das Risiko, dass künftig auch innerhalb des Parks – insbesondere in Sinamatella – Abbauvorhaben genehmigt werden.

So hatte im Jahr 2025 eine Firma beantragt, die Kohle-Fördermöglichkeiten innerhalb des Parks prüfen zu dürfen. Zwar wurde das Gesuch abgelehnt, doch es macht die wachsenden Begehrlichkeiten und den zunehmenden Druck auf den Hwange-Nationalpark deutlich – eine Entwicklung, die die Notwendigkeit konsequenter Schutzmaßnahmen eindrücklich unterstreicht. 

WWF übernimmt Co-Management für zentrale Gebiete in Hwange

Hwange Nationalpark © S.Felton
Hwange Nationalpark © S.Felton

All diese Probleme geht der WWF bereits seit Jahren an. Seit Juni 2025 hat der WWF nun sogar den Auftrag, die Zukunft von Hwange führend mitzugestalten: Im Juni 2025 unterzeichneten der WWF Simbabwe und die Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority eine auf 25 Jahre angelegte Absichtserklärung für das gemeinsame Management zentraler Gebiete der Hwange-Landschaft.

Die Partnerschaft stärkt die Zusammenarbeit beim Schutz von Lebensräumen, bei der Bekämpfung von Wilderei und bei der Einbindung lokaler Gemeinden und sichert ein langfristiges, nachhaltiges Management eines der wichtigsten Wildtiergebiete Simbabwes. Sie spiegelt das wachsende Vertrauen und die geteilte Verantwortung zwischen dem WWF und den nationalen Behörden wider und ebnet den Weg für effektive und nachhaltige Schutzmaßnahmen.

Das Mandat umfasst die nördlichen Bereiche des Hwange-Nationalparks (Sinamatella und Robins) sowie den Kazuma-Pan-Nationalpark im Nordwesten Simbabwes an der Grenze zu Botswana.

Unsere Ziele

  • Schutz der Elefanten, Nashörner und Löwen vor Wilderei sowie die Lösung von Mensch-Wildtier-Konflikten
  • Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen durch nachhaltigen Tourismus und andere naturbasierte Einnahmequellen
  • Schaffung von Wildtierkorridoren, um die Abwanderung der Tiere in angrenzende Regionen zu ermöglichen
  • Erhalt der hohen Biodiversität des Hwange-Nationalparks und der angrenzenden Pufferzonen
  • Management der Infrastruktur mit einem Schwerpunkt auf Instandsetzung und Wiederherstellung von Einrichtungen
  • Verbesserung der Lebensbedingungen der Ranger:innen in diesem Teilsektor
  • Umweltbildung, wissenschaftliche Forschung und Monitoring der biologischen Vielfalt

Wir haben viel vor

Gemeinsam und stets auf Augenhöhe suchen wir mit Anwohnern nach gewaltfreien Lösungen für Mensch-Tier-Konflikte. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz von Chili-Bomben oder Chili-Zäunen, um die Elefanten von den Feldern fernzuhalten. Außerdem wollen wir die Lebensbedingungen der Landwirt:innen und ihrer Familien durch den Umstieg auf agrarökologische Anbautechniken verbessern.

Nur wenn Naturschutz, Artenschutz, nachhaltige Entwicklung und die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung gemeinsam gedacht werden, hat das Wildtier-Paradies Hwange eine echte Zukunft.

So können Sie helfen:

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    Nur etwa zehn Spitzmaulnashörner gibt es im Hwange-Nationalpark noch. Ein neues WWF-Projekt will den letzten Tieren eine Zukunft geben. Weiterlesen ...

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    Löwen befinden sich in einer Krise: die Population in Afrika ist um etwa 75 Prozent geschrumpft. Ein neues WWF-Projekt im Hwange-Nationalpark will den Königen der Savanne eine Zukunft geben. Weiterlesen ...