Es ist mit seinen 87 500 Quadratkilometern neben dem Südpolarmeer das einzige Schutzgebiet, das ausschließlich dem Schutz von Walen und Delfinen dient und zugleich zum größten Teil in der Hohen See liegt – und damit außerhalb nationaler Gewässer.

Arten im Fokus des WWF

Wale im Mittelmeer

Finnwal im Pelagos-Schutzgebiet im Mittelmeer © F. Bassemayousse / WWF-France
Finnwal im Pelagos-Schutzgebiet im Mittelmeer © F. Bassemayousse / WWF-France

Überraschung: Im Mittelmeer gibt es nicht nur Delfine, sondern auch ganz große Wale. Wo sie bevorzugt leben und wandern, sind sie seit fast 20 Jahren durch ein Schutzgebiet geschützt. Doch die Gefahren sind inzwischen erheblich gewachsen. Es gibt Wale im Mittelmeer? Das erstaunt viele. Zwar hatten bereits die alten Griechen Delfine beschrieben, aber dass es große Wale in der Badewanne Europas gibt, das ist vielen heute wie damals nicht bewusst. Doch es gibt sie, sogar ganz nahe der Touristenzentren: im nordwestlichen Mittelmeer zwischen Frankreich, Sardinien und italienischem Festland.

Dort liegt ein Hotspot für den bis zu 24 Meter langen Finnwal. Er ist das zweitgrößte Tier der Erde und einer der schnellsten Schwimmer. Sein Bestand wird auf etwa 1000 Tiere geschätzt. Auch der bis zu 20 Meter große Pottwal fühlt sich dort wohl. Denn beide Arten tauchen bevorzugt in Tiefseebereichen – der Finnwal bis 1000, der Pottwal sogar bis 2000 Meter. Solche tiefen Meeresgräben gibt es im Mittelmeer zwischen Nizza und Elba, wo die afrikanische Erdkruste unter die eurasische abtaucht. Seit 1999 gehören sie zum Pelagos-Schutzgebiet, einer Meeresregion größer als Österreich. Dort tummeln sich außerdem weitere Zahnwale wie Grindwal, Cuvier-Schnabelwal, Großer Tümmler, Gewöhnlicher Delfin sowie Rundkopf- und Streifendelfin, mit bis zu 45.000 Tieren die häufigste Kleinwalart in der Region. Auch Orcas, Rauzahndelfine, Kleine Schwertwale und Zwergwale wurden schon gesichtet. Der sehr seltene Cuvier-Schnabelwal lässt sich dagegen nur vereinzelt beobachten. Sein Bestand ist besonders anfällig für Gefahren – etwa heftigen Unterwasserlärm, verursacht durch die seismische Suche nach Bodenschätzen mit Schallkanonen und Sonar. Immer wieder strandeten Wale, nachdem auf See solche Techniken zum Einsatz kamen.

Mehr Schutz durchsetzen

Plastikmüll auf dem Meeresgrund © Jürgen Freund / WWF
Plastikmüll auf dem Meeresgrund © Jürgen Freund / WWF

Deshalb muss das Schutzkonzept des Pelagos-Gebiets regelmäßig an neue Gefahren wie Unterwasserlärm, Schiffskollisionen und Plastikmüll angepasst werden.


Aktuell dringend verbessert werden muss die Verwaltung des Schutzgebiets (sanctuaire-pelagos.org) auf Basis des Vertrags zwischen Frankreich, Monaco und Italien. Der WWF ist hierzu auf vielerlei Weise aktiv, damit die Wale im Mittelmeer eine gute Zukunft haben.

Das macht der WWF für Wale und Delfine

1. Technik gegen Kollisionen

Wir werben bei den drei Anrainerstaaten für die satellitengestützte Echtzeit-Aufzeichnung von Walbewegungen durch den Einsatz des Systems REPCET (Real Time Plotting of Cetaceans). Damit können Schiffe einander über die Anwesenheit von Walen informieren, ihre Routen entsprechend ändern oder das Tempo drosseln. Einige Fähren haben REPCET bereits installiert. Für Schiffe unter französischer Flagge, die in dem Gebiet häufig unterwegs sind, ist das Antikollisionssystem bereits seit 2017 Vorschrift.

2. Plastikflut stoppen

Auf einem Quadratkilometer Mittelmeer schwimmen ungefähr 1000 bis 3000 Tonnen Plastikmüll. Dazu kommen unzählige Mikroplastikteilchen. Der WWF entnahm Proben aus dem Fettgewebe dreier Pelagos-Walarten. Gefunden wurden pro Kilogramm mehr als 1000 Mikrogramm der giftigsten Phthalat-Verbindung DEHP. Schon 300 Mikrogramm gelten als hohe Belastung. Der WWF stellte die Befunde im Juni 2018 bei der ersten UN-Meereskonferenz in New York vor.

3. Schutzgebiet erweitern

Die Vertragsstaaten des Barcelona-Abkommens erweiterten, wie vom WWF gefordert, Pelagos 2017 um einen etwa 90.000 Quadratkilometer großen Meeresstreifen von Formentera bis zur Grenze im Golfe du Lion. Das Gebiet gehört zur Wanderroute von Pott- und Finnwalen und wird von vielen weiteren Arten bewohnt. Seismische Untersuchungen und Rohstoffabbau müssen nun für mindestens drei Jahre unterbleiben, bis ein Managementplan entwickelt ist.

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