Eine enorme Vielfalt und einige bedeutende Schutzgebiete prägen die Natur der Demokratischen Republik Kongo. Nun sollen 15 bis 17 Prozent des gesamten Landes zu einem riesigen Schutzgebietsnetzwerk werden. Ein ehrgeiziger Plan. Der WWF hilft bei der Verwirklichung.

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) ist das Land mit der größten biologischen Vielfalt Afrikas und besteht aus einem beeindruckenden Mosaik verschiedener Ökosysteme. Dichte Wälder, Savannen, Gebirge, aktive Vulkane, Feuchtgebiete und große Flusssysteme bieten wertvolle Lebensräume für Gorillas, Schimpansen, Nashörner, Elefanten, Löwen und unzählige weitere Arten. Auch Ernährung, Wasserversorgung und Lebensunterhalt der Bevölkerung hängen vom Erhalt der Ökosysteme ab. Im Kongo liegen die größten noch bestehenden Regenwaldgebiete Afrikas und tragen wesentlich dazu bei, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Die Demokratische Republik Kongo ist das einzige Land der Erde, in dem drei Menschenaffenarten vorkommen: Gorillas, Bonobos und Schimpansen.

Gegen die Ausbeutung der Natur

Ein rasches Bevölkerungswachstum und die anhaltende internationale Nachfrage nach Rohstoffen gefährden die natürlichen Ressourcen der Demokratischen Republik Kongo zunehmend. Die kongolesische Regierung hat zugesichert, bis 2020 mindestens 15 Prozent der Landesfläche zu schützen. Eine Marke, auf die sich weltweit fast 200 Staaten geeinigt haben, um ihre Biodiversität zu bewahren. Die Voraussetzungen im Kongo scheinen gut, über 13 Prozent des Landes sind bereits geschützt – insgesamt 31 Millionen Hektar. Allerdings besteht der Schutz häufig nur auf dem Papier. Und selbst dieser Status ist in manchen Fällen nicht endgültig geklärt.

Schutzgebiete außer Kontrolle

Der Virunga-Nationalpark war Afrikas erster Nationalpark, der Salonga-Nationalpark ist das drittgrößte Tropenwald-Schutzgebiet der Erde. Beide liegen in der Demokratischen Republik Kongo.  Problematisch sind jedoch die weniger bekannten Schutzgebiete: Meist wurden sie vor Jahrzehnten unter anderen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen geschaffen und ohne ausreichende Finanzierung, um sie wirklich zu schützen. Wo genau verlaufen die Grenzen dieser Schutzgebiete? In welchem Zustand sind sie? Welche Wildtiere leben hier? Welcher Druck lastet heute auf ihnen? Und wie verankert ist der Schutz im Bewusstsein der Bevölkerung? Solche Fragen klärt der WWF gemeinsam mit der lokalen Naturschutzbehörde ICCN (Institut Congolais pour la Conservation de la Nature) in einer ausführlichen Untersuchung.

Was bedeutet PARAP?

PARAP heißt das Großprojekt zur Schutzgebietsanalyse, das bereits 2011 startete und auf mehrere Jahre angelegt ist: Programme d’Appui au Réseau des Aires Protégées – Programm zur Unterstützung des Schutzgebietsnetzwerkes. Gemeinsam mit der kongolesischen Naturschutzbehörde ICCN will der WWF bestehende Schutzgebiete stärken und die Grundlage für neue Schutzgebiete schaffen. Notwendig hierfür ist auch eine eingehende Bestandsaufnahme und Analyse der derzeitigen Schutzgebiete.

PARAP: Umfassende Schutzgebietsanalyse

Berggorilla Jungtier © Chris James
Berggorilla Jungtier © Chris James

In den letzten Jahren untersuchte ein großes Team aus Experten unterschiedlicher Fachrichtungen die Flora und Fauna im Kongo auf über 50.000 Quadratkilometern und oft in abgelegenem und unwegsamem Gelände. Augenmerk lag auf den Gebieten, die für den Erhalt der Artenvielfalt von besonderer Bedeutung sind und zu denen es nur wenige oder gar keine Informationen gab. In der östlichen Provinz Maniema beispielsweise, wo die letzte gezielte Wildtierbeobachtung 1956 stattgefunden hatte, konnten die Experten Elefanten, Büffel, Leoparden, Schimpansen und einige weitere Affenarten nachweisen. Fast 60.000 Kilometer legten die Expertenteams zurück, rund 8000 davon zu Fuß. Sie haben 39 verschiedene Ökosysteme untersucht, sich durch Unmengen an Daten und Papieren gewühlt und mehr als 3000 Mitglieder lokaler Gemeinden interviewt.

Weitere Ergebnisse

Obwohl die lokale Bevölkerung die Bedeutung des Erhalts und  der nachhaltigen Bewirtschaftung von natürlichen Ressourcen anerkennt, sind die untersuchten Schutzgebiete in den benachbarten Gemeinden teilweise nicht hinreichend bekannt. Ihre Grenzen und die geltenden Bestimmungen werden nicht eingehalten.


Die meisten der untersuchten Schutzgebiete werden gar nicht oder nur schlecht gemanagt. Es fehlen Finanzierung, Ausrüstung und gut ausgebildetes Personal. Die kongolesische Naturschutzbehörde ICCN muss ihre Kapazitäten dringend weiter ausbauen und braucht wesentlich mehr finanzielle Mittel.

Es ist noch viel zu tun

Ranger im Virunga-Nationalpark © Brent Stirton / Reportage by Getty Images / WWF
Ranger im Virunga-Nationalpark © Brent Stirton / Reportage by Getty Images / WWF

Die erste Phase des PARAP-Programmes ist abgeschlossen. Doch längst sind nicht alle Schutzgebiete analysiert, längst nicht alle Regionen untersucht. Die Demokratische Republik Kongo ist groß, das zweitgrößte Land Afrikas.

Umso bedeutender ist die Stärkung ihrer Schutzgebiete zu einem strukturierten, funktionalen und umfassenden Netzwerk. Nicht nur für den Erhalt der großen Biodiversität, sondern auch, um durch deren Ökosystemdienstleistungen einen spürbaren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten.

Mammutprojekt PARAP

Die umfassende Bestandsaufnahme des Schutzgebietsnetzwerkes in der DRK ist eine Mammutaufgabe, die über Jahre große Summen kostet. Eine Verwirklichung ist nur mit vielen Partnern möglich. PARAP wird unter anderem vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutzund Reaktorsicherheit (BMU), vom Kreditinstitut für Wiederaufbau (KfW), von der amerikanischen Agentur für internationale Entwicklung (USAID), der Norwegischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (NORAD), der Globalen Umweltfazilität (GEF) und der Weltbank gefördert. Danke!

So können Sie helfen

  • Bonobo Jungtier im Baum © Karine Aigner / WWF USA Kongobecken

    Die Artenvielfalt der Region ist einzigartig: Die Kongo-Regenwälder beheimaten über 400 Säugetierarten, mehr als 1.000 Vogelspezies und wahrscheinlich über 10.000 Pflanzenarten. Weiterlesen ...