Wer Anfang September 2020 an der Ems unterwegs war, der ist mit einiger Wahrscheinlichkeit einer Gruppe junger Menschen begegnet, in weißen Warnwesten und ausgestattet mit großen Mülltüten sowie Müllwagen. Das war die WWF Jugend bei ihrem "Clean Up Walk".

Die Jugendlichen haben die Region Ems für ihre Aktion auserkoren, da die Landschaft nicht nur malerisch und einzigartig ist, sondern auch schön flach – perfekt für die Müllbollerwagen. Auf einer mehrtägigen Wanderung sammeln die Jugendlichen allen Müll, der ihnen auf dem Weg begegnet. Pro gesammeltes Kilo Müll gehen Spenden an ein WWF-Projekt zur Müllvermeidung in Vietnam. Dieses Jahr führte der "Clean Up Walk" die WWF Jugend vom 4. bis 10. September entlang der Ems von Emmeln bis nach Papenburg. 

Ein Bobbycar, viel Verpackungsmüll und nette Menschen

Clean Up Walk an der Ems 2020 © Lena Liebetrau / WWF
Clean Up Walk an der Ems 2020 © Lena Liebetrau / WWF

Nach fast einem Jahr Planung und einigen Zitterpartien, ob der Clean Up Walk dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie stattfinden kann, ging es am 4. September endlich los. Die Crew der WWF Jugend traf sich am Startpunkt in Emmeln, einer kleinen Ortschaft im Westen von Niedersachsen und östlich der Ems. Statt mit Umarmungen wurde sich diesmal mit Fußstupsern begrüßt. Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen. Die Transportwagen für den Müll mussten noch zusammengebaut werden. Ohne die wäre der der Clean Up Walk ziemlich mühsam. Zum Glück landeten alle Schrauben und Muttern am richtigen Platz und alles war bereit für die erste Etappe am nächsten Tag.

Kuriose Fundstücke

Diese führte von Emmeln Richtung Norden bis nach Lathen. Schon nach den ersten hundert Metern fanden die Jugendlichen das erste kuriose Müllfundstück und gleichzeitig einen treuen Begleiter für den Rest des Tages: ein kaputtes, rotes Bobbycar, das von da an - hinter dem Müllwagen gebunden – mitrollte.

Das Bobbycar blieb nicht der einzige verwunderliche Fund. Die WWF Jugend sammelte unter anderem auch eine Unterhose, zwei Planschbecken, eine Mundharmonika, eine Klobürste und einen Sonnenschirm. Daneben natürlich noch jede Menge Verpackungsmüll wie Zigarettenpackungen und To-go-Becher. Am Ende des Tages kamen da schon mal bis zu 55 Kilogramm Müll zusammen. Die prallen Mülltüten brachte die Gruppe jeden Abend zu den entsprechenden Entsorgungsstellen, damit bei der nächsten Etappe wieder Platz für neuen Müll ist.

Erfreuliche Überraschungen am Wegesrand

Ein paarmal machten die Jugendlichen auch erfreuliche Entdeckungen am Wegesrand. Sie fanden Geocaches, also eine Art versteckten Schatz – meist ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch befindet. Dort verewigten sich die Teilnehmer:innen des Clean Up Walks.

Ein anderes Mal fanden sie auf einer Wiese riesige Pilze. Praktischerweise gibt es in der Gruppe auch Pilzexpert:innen, die diese Art als sogenannte Parasole oder auch Riesenschirmpilze ausmachten. Die sind essbar und schmackhaft. Damit war das Essen an diesem Abend um ein kulinarisches Highlight erweitert.

 

25 Kilogramm Müll auf drei Kilometern

Es gab Abschnitte, auf denen die WWF Jugend zum Glück wenig zu tun hatte. Denn hier befand sich kaum Müll am Wegesrand. An den Ems-Radwegen lag zum Beispiel sehr wenig Müll. Aber leider begegnete ihnen auch das andere Extrem. Auf einem Streckenabschnitt sammelten sie zum Beispiel auf drei Kilometern wahnsinnige 25 Kilogramm Müll auf. Das war meist entlang der Straßen. Teilnehmerin Anne ärgert das. Für sie ist es unverständlich, wieso manche Leute den Müll einfach dort liegen lassen: „Man hat ja die Sachen irgendwie mit hingenommen. Warum kann man sie dann nicht wieder mit zurücknehmen?"

Trotz ihrer Mission genießen die (emsigen) Müllsammler:innen natürlich auch die besondere Natur der Ems-Region. In einer Mittagspause beobachteten sie zum Beispiel einen blau-orange schillernden Eisvogel.

Positive Resonanz für den Clean Up Walk

Auf ihrem Weg begegneten ihnen immer wieder herzliche Menschen, die von der Aktion begeistert waren. Autofahrer:innen winkten und hupten, als sie an dem Mülltrupp vorbeifahren. Zwei Fahrradfahrerinnen spendeten sogar noch direkt vor Ort. Für Anne, die den Clean Up Walk schon zum dritten Mal mitorganisiert, ist das definitiv das Highlight der Aktion: „Die Herzlichkeit, mit der wir empfangen werden! Dass so viele Leute bereit sind, uns dabei zu unterstützen, die unser Engagement hier wertschätzen. Das freut uns wirklich unglaublich.“

Insgesamt hat die WWF Jugend die Natur auf ihrem Clean Up Walk von über 232 Kilogramm Müll befreit und bisher 360 Euro Spenden gesammelt.

Bilanz des Clean Up Walks 2020

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