Der Hühnerbach ist ein 25 Kilometer langer Fluss im Allgäu. Bis in die frühen 1960er Jahre wurde der Hühnerbach teilweise begradigt. Barrieren wie das Wehr der ehemaligen „Weiler Mühle“ südlich von Bidingen (Schwaben) verhindern, dass der Fluss frei fließen kann. Damit werden nicht nur die Wanderungen von Fischen behindert, sondern auch typische Flusslebensräume zerstört und der Transport von Geschiebe, dem natürlichen „Flussbaumaterial“, verhindert.

Der Wettbewerb „Werden Sie Flussbefreier“

Deutsche Postcode Lotterie

Im Rahmen des Wettbewerbs „Werden Sie Flussbefreier“ konnten sich 2023 Verantwortliche mit Vorschlägen für konkrete Rückbauprojekte bewerben.

Eine international besetzte Jury wählte daraufhin drei Leuchtturmprojekte in Bayern aus, die jeweils mit bis zu 30.000 Euro von der Deutschen Postcode Lotterie, zu kleineren Anteilen auch von der PSD Bank München und der Heizungsfirma Vaillant gefördert werden. Dank dieser Wettbewerbsmittel kann nun unter anderem am Hühnerbach ein nicht mehr genutztes Mühlenwehr entfernt werden.

Rückbau der „Weiler Mühle“ am Hühnerbach

Besichtigung des Rückbauprojekts © Ruben van Treeck / WWF
Besichtigung des Rückbauprojekts © Ruben van Treeck / WWF

Der Hühnerbach entspringt bei der Gemeinde Rettenbach am Auerberg im schwäbischen Landkreis Ostallgäu und verläuft von dort nach Norden in Richtung Bidingen, bis er schließlich nach 25 Kilometern in die Gennach mündet, die wiederum in die Wertach fließt.

Im April 2023 stellte die Besitzerfamilie der „Weiler Mühle“ die Stromerzeugung ein; die Kleinstwasserkraftanlage am Hühnerbach war nicht rentabel. Nach Aufgabe der Nutzung müssen Eigentümer beziehungsweise Verantwortliche die nicht mehr genutzte Infrastruktur entfernen. Mühlenbesitzer Huber-Hinrichs hat den ehemaligen Mühlenkanal bereits zugeschüttet und Saatgut für die Wiederbegrünung der Flächen ausgebracht.

Für den Rückbau des Ausleitungswehres ist jedoch nicht er selbst, sondern der örtliche Wasser- und Bodenverband Hühnerbach zuständig, der sich im Flussbefreier-Wettbewerb beworben hat. Die Mitglieder des Verbands, überwiegend Landwirt:innen, freuen sich, die Ausgaben nicht alleine stemmen zu müssen, sondern dafür die Unterstützung des WWF zu erhalten. Die Vorstandsvorsitzende Carolin Friedberger treibt die Rückbauplanung sehr engagiert voran und ist dabei mit dem WWF in engem Austausch. Nach dem Durchlaufen des Genehmigungsverfahrens kann das Wehr vermutlich Mitte Juli 2024 entfernt werden.

Der Hühnerbach soll wieder frei fließen

Querbauwerk am Hühnerbach © Carolin Friedberger
Querbauwerk am Hühnerbach © Carolin Friedberger

Auch die Gemeinde Bidingen steht als gewässerverantwortliche Kommune in der Pflicht, den Hühnerbach (Gewässer III. Ordnung) ökologisch aufzuwerten. Dessen ökologischer Zustand wird als „mäßig“ eingestuft, es besteht also Handlungsbedarf im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie. Bürgermeister Franz Martin hat bereits angekündigt, parallel zum Wehrrückbau weitere ökologische Aufwertungen am Hühnerbach vorzunehmen (finanziert über RZWas-Mittel).

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie

Die Richtlinie schreibt vor, dass alle Gewässer in Deutschland einen „guten ökologischen Zustand“ bzw. ein „gutes ökologisches Potential“ erreichen müssen. Gewässerverantwortliche müssen entsprechende Maßnahmen ergreifen, um die Lebensbedingungen in den Fließgewässern für typische, standortgerechte Arten zu verbessern.

Windkraft zur Stromerzeugung

Die geringe Menge an Strom, welche die „Weiler Mühle“ bisher produziert hat, wird der Gemeinde Bidingen nicht fehlen. Denn sie hat bereits vor knapp zehn Jahren in ein gemeindeeigenes Windrad investiert.

Auslöser für die Investition waren die Schulden der Gemeinde, die mithilfe der Stromerzeugung durch Windkraft abgebaut werden sollten. Die Investition in die Windkraft in Höhe von rund 4,7 Millionen Euro war damals ein mutiger Schritt, doch sie hat sich gelohnt: Vom jährlichen Einspeiseerlös bleibt nach den Abzügen durch Zinstilgung und Betriebskosten noch ein Gewinn übrig, der direkt in den kommunalen Haushalt und den Schuldenabbau fließen kann.

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