Die knapp 57.000 Barrieren in Bayerns Flüssen und Bächen, darunter Wehre, Abstürze und Sohlrampen, gelten als eine der Hauptursachen für das Schwinden flusstypischer Arten in unseren Fließgewässern. Über 4.000 Kleinwasserkraftwerke in Bayern (mit weniger als 1MW Leistung) behindern und verschlechtern nicht nur den Fluss und seine Aue, sondern schädigen zudem die Fische bei der Turbinenpassage. Viele der Anlagen sind nicht passierbar für Fische. Der Bau von Fischtreppen oder die Erhöhung der Mindestwasserabgaben, die im Flussbett verbleiben müssen, wird von Betreibern der Kleinstanlagen oftmals als finanziell nicht zumutbar abgelehnt. Damit entsprechen diese Anlagen nicht den ökologischen Mindestanforderungen, die über das Wasserhaushaltsgesetz festgelegt sind. Die vielen kleinen Wasserkraftanlagen zusammen liefern mit 1,3 Prozent nur einen minimalen Anteil des gesamten bayerischen Stroms. Unser Fazit: Viel Schaden, wenig Nutzen. Dennoch sollen nach Plänen der Staatsregierung weitere Wasserkraftwerke gebaut und ihr Betrieb zusätzlich gefördert werden. Erst kürzlich erzielten Lobbyisten bei der Novelle des EEG 2021 einen Erfolg: Betreiber:innen kleiner Wasserkraftwerke werden mit zusätzlichen 3 Cent/kWh gefördert, um deren Gewinnausfälle in trockenen und heißen Jahren zu kompensieren (siehe BR-Beitrag Wasserkraft-Deal : Strittige Förderung für Kleinst-Kraftwerke). Dabei sind 81% der bayerischen Fließgewässer noch immer in keinem „guten ökologischen Zustand“, obwohl die europäische Wasserrahmenrichtlinie Bayern seit dem Jahr 2000 zur Einhaltung ökologischer Mindeststandards verpflichtet.

Der WWF fordert daher in einer breiten Verbändeallianz den Rückbau von Barrieren und unrentablen Kleinstwasserkraftwerken, statt deren Ausbau. Die bayerische Staatsregierung wird aufgefordert, dem Schutz und der Renaturierung der Fließgewässer endlich Vorrang und höchste politische Priorität einzuräumen – zum Wohle der Menschen vor Ort und der Natur. Das Erreichen des 1,5°C-Kimaschutzzieles und eine 100% erneuerbare Energieversorgung in Bayern braucht keinen Wasserkraftausbau. Sie braucht vor allem Energieeinsparung, Ausbau von Wind- und Sonnenenergie und eine dezentrale Speicherung von Strom. Gerade in Zeiten der Klimakrise mit zunehmenden Trockenzeiten und Extremwetterereignissen brauchen wir möglichst naturnahe frei fließende Flüsse und angebundene lebendige Auen.

  • Ammer: Altenauer Schleife © Sigrun Lange / WWF Vom Engagement für die Ammer zu Rückbauprojekten in ganz Bayern

    Flüsse sind Lebensadern in der Landschaft. Sie verbinden die Alpen mit den Tieflagen und beherbergen entsprechend viele, teils seltene Tier- und Pflanzenarten. Weiterlesen...

  • Die Ammer © Claire Tranter / WWF Erfolgreiche Rückbauprojekte – Expert:innen im Interview

    Warum sind unsere Flüsse bedroht? Was zeichnet einen frei fließenden Fluss aus? Was sind die Vorteile von Dammrückbau und Renaturierung? Und was können wir tun, um den Zustand unserer Flüsse zu verbessern? Weiterlesen...